Wie die neue Elternhaltestelle in Krefeld-Oppum angenommen wird

Gegen Chaos vor der Schule : Wie die neue Elternhaltestelle in Oppum angenommen wird

Helfen Eltern-Parkzonen gegen das Gedrängel vor den Schultoren? Ein Besuch an der Schönwasserschule zeigt es.

Circa eine halbe Stunde vor Schulbeginn ist es noch ruhig, dann biegen immer mehr Autos auf den Hans-Böckler-Platz in Oppum ein. Ein Schild mit dem Symbol der Krefelder Fairkehr-Initiative macht klar: Hier befindet sich die Elternhaltestelle der Schönwasserschule in Oppum. Weiße Asphaltfarbe markiert eine lang gezogene Haltebucht. Die Idee: Eltern fahren in die Haltezone, lassen ihr Kind aussteigen und zu Fuß den weiteren Weg zu der circa 500 Meter entfernten Grundschule gehen. Der erwünschte Effekt: „Eltern sparen sich das Gedrängel vor dem Schultor, es kommt dort zu weniger Manövern“, so Stadtsprecher Manuel Kölker. Aber wie wird das Angebot in der Praxis von den Eltern angenommen?

Die Elternhaltestelle der Grundschule in Oppum ist erst kurz vor den Ferien eingerichtet worden. Die Eltern von dem neuen Angebot zu überzeugen, ist nicht ganz einfach, erklärt Lehrerin Sonja Gref. Daher versuche die Schule, mit Aktionswochen und Informationen aufmerksam zu machen.

Eltern erzählen von Chaos und Stress morgens vor der Schule

Doch zunächst zur Ausgangssituation: Viele Eltern fahren mit ihrem Auto noch direkt zu einem der beiden Schultore an der Thielenstraße oder der Schlosserstraße, erzählt Gref. Auch an diesem Morgen wird ein Vater zu beobachten sein, der kurz vor einer privaten Einfahrt parkt, sein Kind schnell über die Straße bringt und weiterfährt. „Wer morgens zur Arbeit fährt, nimmt sein Kind mit“, sagt Gref. Klar ist, dass dann auch Stress aufkommen kann und es möglichst schnell gehen soll. „Tür auf und weg“, beschreibt Thorsten Enger die Praxis, die er schon öfter beobachtet habe.

Der Vater hat sein Auto auf einer der Stellflächen abgestellt, die quer zur Elternhaltestelle Parkplätze bieten und seinen sechs Jahre alten Sohn danach zur Schule begleitet. Das Argument „keine Zeit“ könne er nicht nachvollziehen. Er verbringe gerne noch fünf Minuten mit seinem Kind. Und er kenne die Situation vor den Schultoren. „Um 8 Uhr kommt jeder“, sagt er.

Auch Conny Schönstein fährt die Elternhaltestelle mit ihrem Auto an und hält wie gewünscht innerhalb der Markierung. Kurz wird noch der Tornister auf dem Rücken des Sohnes zurechtgerückt, dann macht er sich schon auf den Weg. Das Ganze dauert nur wenige Augenblicke. „Verheerend“ nennt Schönstein hingegen die Parksituation vor der Schule. „Mein Kind ist raus und alles andere ist egal“, sei häufig die Devise. Die Situation direkt vor der Schule sei auch Caterina Hallmann „viel zu stressig“, die ebenfalls im Bereich der Elternhaltestelle hält. Sie habe auch schon beobachtet, das Anwohner „richtig sauer“ geworden sind, weil ihre Einfahrten zugeparkt wurden. Während einer hitzigen Situation habe sie gedacht, dass es jeden Moment eine Schlägerei geben könnte. Wenn alle gleichzeitig an der Schule ankommen, sei es „die Hölle“, berichtet ein weiteres Elternpaar.

Vater Thorsten Enger berichtet Lehrerin Sonja Gref von seinen Erfahrungen mit der Elternhaltestelle. Foto: Sebastian Paschold

Julia Ditzen habe noch ein wenig Angst ihre Tochter von der Haltestelle bis zum Schulgebäude laufen zu lassen - aufgrund der Verkehrssituation. Aber die Mutter hat keine Chance. Ihre sechs Jahre alte Tochter will die circa 500 Meter alleine gehen. Ein Ziel das auch die Schule verfolgt: „Wir gehen zu Fuß zur Schule und werden fit im Verkehr“ ist das Motto, das den Eltern auch per knallig gelbem Infozettel nahegelegt worden ist. An diesem Morgen zählt Lehrerin Sonja Gref bis kurz nach 8 Uhr insgesamt zehn Fahrzeuge, die an der Elternhaltestelle halten. Und ist nicht unzufrieden. „Wir können nicht vor dem Schultor stehen und alle Eltern aufmerksam machen“, sagt sie. Was sie können: Anreize für die mehr als 200 Kinder und ihre Eltern setzen. Der Weg von der Elternhaltestelle zur Schule wurde eingeübt, noch bis zu den Herbstferien gibt es eine besondere Aktion. Jeder Schüler, der zu Fuß zur Schule geht, bekommt einen Stempel. Damit soll den Kindern die eigene Mobilität und Bewegung verdeutlicht werden. Dabei gehe es auch um die Selbstständigkeit der Schüler und die Sicherheit vor den Schultoren, erklärt Lehrerin Sonja Gref, die darauf baut, dass noch viele weitere Eltern die Vorteile der Haltestelle für sich entdecken. Von anderen Schulen habe sie gehört, dass es immer wieder eine „Eingewöhnung“ braucht.

Insgesamt gibt es laut Angaben der Stadt vier Elternhaltestellen. Unter anderem der Bürgerverein Oppum und die Gesamtschule Oppum würden sich für eine weitere im Bereich des ehemaligen Parkhauses einsetzen. Auch in Uerdingen (Paul-Gerhardt-Schule) und Königshof (Oberbruchstraße) sind Elternhaltestellen geplant, teilt Stadtsprecher Manuel Kölker mit.

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