Linner wollen Blutbuche erhalten

Die stellvertretende Bezirksvorsteherin will die Fällung aufschieben lassen. Anwohner begrüßen das.

Krefeld. Die Diskussion ist emotional. Kein Wunder: Einer der wohl mächtigsten und eindrucksvollsten Bäume Krefelds ist krank. Im Stamm der mehr als 20 Meter hohen Blutbuche im Greiffenhorstpark hat sich der aggressive Brandkrustenpilz eingenistet. In der Krone macht sich der Lackporling breit. Beide sind von außen gut sichtbar und werden letztlich dafür sorgen, dass das Naturdenkmal irgendwann einfach umfällt. Linner Bürger und Mitarbeiter des Fachbereichs Grünflächen haben jetzt vor Ort darüber diskutiert, wie mit dieser Tatsache umzugehen ist.

Bereits Ende Juni hatte der Fachbereich Grünflächen bekanntgegeben, dass der Baum nach neuen Probemessungen im Stamm kurzfristig gefällt werden muss. Man könne nicht mehr für die Sicherheit der Parkbesucher garantieren. „An einigen Stellen ist nur noch eine Restwandstärke von zwei bis drei Zentimetern gegeben. Wir müssen handeln, es gibt keine Möglichkeiten zur Pflege mehr“, betont Matthias Pasch vom Grünflächenamt beim Vor-Ort-Termin.

Die anwesenden Bürger sehen das anders. Sie verweisen auf die Bedeutung, die der ,Linner’ für die Bevölkerung hat. „Wie wäre es, wenn wir einen Zaun um den Baum ziehen und ihn seinem natürlichen Zersetzungsprozess überlassen?“, fragt Peter Berthold in die Runde und bekommt zustimmenden Applaus. Mit Blick auf hunderte Baumfällungen, die im Frühjahr vollzogen wurden, wäre diese Alternative für die Stadt eine Möglichkeit der Imagepflege, findet Rolf Meier: „Es hätte Symbolcharakter, wenn sie den Baum stehen lassen — und würde eine größere Akzeptanz unter der Bevölkerung hervorrufen“, sagt er.

Die Idee einer weiträumigen Umzäunung sei aus rechtlichen Gründen nicht tragbar, entgegnet Matthias Pasch. Das Risiko sei zu hoch. „Wir wissen nicht, wann und wie dieser tonnenschwere Gigant fällt. Der Gefahrenbereich könnte das doppelte der Baumlänge betragen.“

Die stellvertretende Bezirksvorsteherin von Oppum-Linn, Heidrun Hillmann, kündigt zur Freude der anwesenden Bürger an, einen Aufschub der Fällung zu beantragen. „Die Linner Bürger und wir, haben es aus der Presse erfahren. Das Thema soll zunächst in der Bezirksvertretung diskutiert werden“, sagte sie.