Initiative: Freifunker sorgen für freies WLAN

Initiative: Freifunker sorgen für freies WLAN

Krefeld. Die Bus-Haltestelle „Weiden“ in Oppum ist ziemlich modern. Wartende Fahrgäste können dort mittels Drahtlosverbindung im Internet surfen. Das gehört noch nicht zur Grundausstattung der Haltepunkte in Krefeld.

Thomas Fragstein wohnt in der Nähe und hat seinen Router ans Fenster gestellt. Sein WLAN deckt den Bereich ab. „Täglich nutzen circa sieben bis zehn Leute meinen Internetzugang“, sagt der 36-Jährige.

Was andere beunruhigen würde und was normalerweise mit Passwörtern und Verschlüsselungen verhindert wird, erfreut Fragstein: „Ich weiß natürlich nicht, wer mein Netz nutzt, aber es ist sicher praktisch, wenn man auf den Bus wartet, ins Internet gehen zu können.“

Auf einer Internetseite wird der WLAN-Router von Fragstein als blauer Punkt auf einer Karte von Krefeld angezeigt. Zurzeit gibt es rund 20 solcher blauer Punkte, Orte an denen Privatpersonen ihren Internetzugang per WLAN anbieten, ohne Anmeldung, Werbung oder versteckte Kosten. „Wir sehen es als ein Grundrecht an, dass das Internet für alle zugänglich ist“, erklärt Reiner Gutowski.

Er ist der Vorsitzende des Freifunk Rheinland e.V.. Ein Verein, der die wachsende Bewegung der privaten WLAN-Anbieter in der Region organisiert und sie rechtlich absichert. „Der Freifunk fällt unter eine gesetzliche Regelung, die alle Provider betrifft“, sagt Gutowski. Demnach ist nicht der Netzanbieter dafür haftbar, wenn beispielsweise illegal Musik oder Filme heruntergeladen werden, sondern der, der die Inhalte unerlaubt aus dem Netz zieht.

Auch große Netzbetreiber gehen dazu über, in Städten kostenfreies WLAN anzubieten. Unitymedia bietet — wie berichtet — an fünfzehn öffentlichen Plätzen und Straßen sogenannte Hotspots an. „Ich freue mich, wenn es zusätzliche Hotspots gibt. Der Unterschied ist jedoch, dass die Nutzer dort mit ihren Daten bezahlen, da sie sich registrieren müssen“, sagt der Vorsitzende der Freifunker dazu.

Das sei für ein wirtschaftlich agierendes Unternehmen auch legitim. Freifunker, wie Gutowski, hätten jedoch eine andere Motivation: „Ich bin von der Idee überzeugt, dass wir solche Güter teilen müssen.“

Von dieser Ansicht haben sich auch zwei Studenten der Fachhochschule Niederrhein begeistern lassen. Ulas Sazi Zabci und Florian Scholz wollen die Freifunk-Idee an den beiden Standorten der Fachhochschule Niederrhein stärken. Per Antrag im Studienparlament konnten sie die Hochschule davon überzeugen, insgesamt 22 Router anzuschaffen, jeweils zehn werden an Studenten in Krefeld und Mönchengladbach verteilt.

„Wir möchten die Studis dabei unterstützen, ein alternatives und flächendeckendes WLAN-Netz zu erschaffen“, sagt Florian Scholz, der in Krefeld eingeschrieben ist.

Sein Mitstreiter Ulas Sazi Zabci studiert in Mönchengladbach. Dort gebe es schon einen ganzen Platz, der mittels einer speziellen Antenne mit dem drahtlosen Netz eines Freifunkers abgedeckt wird. „Es gibt viele Leute, die sich einen Internetzugang nicht leisten können. Bei uns nutzen zum Beispiel auch Flüchtlinge das Angebot“, erzählt er.

Thomas Fragstein versorgt die Haltestelle in Oppum mit einem handelsüblichen Router. Auf der einen Seite hat der Fachinformatiker einfach Spaß an der Technik. Auf der anderen Seite möchte er seinen Mitmenschen Zugang zu Infos und Kommunikation verschaffen.

Deshalb will er es auch nicht bei der Haltestelle in Oppum belassen. „Es gibt viele Flüchtlinge, die zwar ein Smartphone besitzen, aber hier keinen Zugang zum Internet bekommen“, sagt der 36-Jährige.

Zusammen mit den Krefelder Freifunkern möchte er Unterkünfte mit WLAN versorgen und hofft auf Unterstützung durch die Stadt, um „Kommunikationswege in die Heimat“ zu schaffen. www.freifunk-krefeld.de

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