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Friedhöfe: WZ-Mobil: Eigene Wünsche oder historisches Gesamtbild?

Friedhöfe : WZ-Mobil: Eigene Wünsche oder historisches Gesamtbild?

Auf den Friedhöfen gelten viele Vorgaben für die Gestaltung der Ruhestätten. Leser äußerten sich dazu.

Krefeld. Der Engel, der über dem Grab von Susanne Schäfers Mutter wacht, entspricht nicht der Friedhofssatzung. Die Familie muss ihn abbauen. Sind Regelungen wie diese gerechtfertigt? Welche Vorgaben an Friedhöfen sind überhaupt nötig oder sollte jeder seine eigenen Vorstellungen umsetzen dürfen? Das wollte die WZ beim WZ-Mobil wissen. Die Meinungen dazu gehen auseinander.

Gerda Dahmen hat viele Jahre ein Grab gepflegt und „nie Ärger gehabt“, sagt sie. „Ob sich Vorgaben ändern oder nicht und wie andere Ruhestätten aussehen, hat für mich eigentlich keine Bedeutung“, sagt sie. Sie glaubt allerdings, dass sich das Bild auf den Friedhöfen wandeln wird. „Immer mehr Menschen werden anders bestattet und immer weniger Kinder können sich überhaupt um die Gräber ihrer Eltern kümmern. Das hat Einfluss darauf, wie aufwendig die Gestaltung sein kann.“

Dass jüngeren Menschen die Zeit fehlt, meint auch Klaus Hesse. Und ältere Angehörige schaffen es oft nicht mehr, umfangreiche Arbeiten zu erledigen. Ein pflegeleichtes Grab sei daher immer wichtiger. „Die Friedhofsverwaltung muss bei der Grabgestaltung dafür von starren Regelungen absehen.“ Ansonsten würden sich mehr und mehr Bürger für andere Bestattungsformen entscheiden. „Und in Folge werden die Friedhöfe noch mehr Lücken aufweisen, ähnlich wie der städtische Haushalt.“

Der Mitarbeiter einer Gärtnerei, der anonym bleiben möchte, findet im Gespräch mit der WZ, dass die Gewichtung nicht stimmt. „Der Engel sieht doch gut aus und könnte bleiben. Viel schlimmer sind zum Beispiel Kieselsteinchen — manche Gräber werden immer kitschiger.“ Das liege daran, dass die Regelungen an den falschen Stellen gelockert werden.

Dass Vorgaben, teils bis ins Detail genau, unerlässlich sind, glaubt Steinmetz Carsten Kox. „Wie würde es sonst auf den Friedhöfen aussehen?“, sagt er. Viele Anforderungen besonders zur Größe von Steinen seien dazu da, ein ansprechendes Gesamtbild herzustellen. „Auf dem Hauptfriedhof stehen viele historische Grabmale. Das ist Kunst.“ Dieser Eindruck müsse erhalten bleiben. Ob der Engel von Susanne Schäfer dabei stört, dazu kann er nichts sagen. „Ich kenne den Fall nicht, aber die Familie tut mir leid. Es gibt immer wieder Härtefälle. Da ist es schwer, ein angemessenes Vorgehen zu finden.“