Überraschendes Aus für Hochschul-Kita in der Kritik

Überraschendes Aus für Hochschul-Kita in der Kritik

Finanzierungslücke: Die Stadt will für auswärtige Kinder keine Betreuungs-Zuschüsse zahlen.

Süd. Die Hochschule Niederrhein (HN) wird entgegen bisheriger Planung keine Kita am Campus Süd bekommen. Das hat das Hochschul-Präsidium auf der jüngsten Senatssitzung bekanntgegeben. Grund für das überraschende Aus sind nach Angaben von Hochschulsprecher Christian Sonntag Finanzierungsprobleme. Die Stadt habe zwar zugesagt, die Betreuungskosten für Krefelder Kinder zu übernehmen. Für Kinder, die nicht in Krefeld wohnen, wolle sie aber keine Zuschüsse zahlen. „In diesen Fällen müsste die Stadt in Vorleistung treten und könnte sich das Geld später zurückholen. Es ist wohl vor allem der Verwaltungsaufwand, den die Stadt nicht tragen will“, erklärt er.

Der Asta weist in einer Stellungnahme darauf hin, dass die Praxis der Vorleistung in Mönchengladbach, dem zweiten Standort der HN, „problemlos machbar“ sei. Außerdem sei es nicht überraschend, dass die Kita gerade von Kindern auswärtiger Studierender genutzt werde. „Wozu nun über viele Monate hinweg Gespräche geführt wurden, ist unklar.“

Die Stadt bleibt indes dabei, dass sie die Einrichtung einer Kita auf dem Gelände der Hochschule grundsätzlich begrüßen würde. Das Kinderbildungsgesetz NRW sehe die Kostenerstattung zwischen Jugendämtern jedoch nicht vor. „Versuche, mit benachbarten Kommunen eine Vereinbarung auf freiwilliger Basis zu schließen, waren nicht erfolgreich“, teilt die Stadt mit. Die Kommunen würden zu Recht darauf hinweisen, dass die auswärtige Kinderbetreuung nicht zwingend notwendig sei, weil der Bedarf in ihren eigenen Zuständigkeitsbereichen gedeckt werden könnte. Weiter argumentiert die Stadt gegen die Vorfinanzierung: „Auch die kommunalen Spitzenverbände raten von solchen Regelungen ab, da damit ein hoher Verwaltungsaufwand verbunden und die Rechtslage sehr unsicher sei.“

Nach Ansicht des Asta verhindert die Stadt mit der Entscheidung, „dass die HN ihren Standort Krefeld infrastrukturell ausbaut, sich fit für die Zukunft macht, an Attraktivität und Familienfreundlichkeit gewinnt und ihr Profil weiter schärft“.

SPD und Grüne fordern Hochschule und Stadt auf, weiter Gespräche zu führen. Die verhärtete Haltung auf beiden Seiten werde vor allem auf dem Rücken der Studierenden ausgetragen, die auf die Kita angewiesen seien, erklären die Grünen. Krefelds SPD-Bürgermeister Frank Meyer betont, dass die Hochschule ein wichtiger und zukunftssichernder Pfeiler für die Wettbewerbsfähigkeit der Stadt sei. „Eine Kita auf dem Hochschulgelände bringt neue und notwendige Vorteile für eine nachhaltige Attraktivität dieses Standortes.“

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