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Kart-Sport: Schwere Jungs rasen in leichten Flitzern

Kart-Sport: Schwere Jungs rasen in leichten Flitzern

Auf der Indoor-Bahn am alten Güterbahnhof finden regelmäßig Rennserien statt.

Dießem. Einige Karts liefern sich gerade ein heiß umkämpftes Rennen, ein leichter Duft von verbranntem Benzin weht in die Nase. Die Motoren heulen auf, Reifen quietschen in den Kurven, es wird mit Haken und Ösen gekämpft, bis endlich am Ende des Rennens für einen Fahrer die große Eins auf der Anzeigentafel erscheint. Im Krefelder Osten, versteckt zwischen alten Lagerhallen und Industriegebäuden, befindet sich eine kleine Bastion lokaler Motorsport- und Kartfreunde.

Am alten Güterbahnhof haben sie 1994 im Zuge des Michael-Schumacher-Booms eine Heimat gefunden und ihre Indoor-Kartbahn - übrigens die einzige Kartbahn in Krefeld - entstehen lassen. Beim ersten Betreten der Halle kommt sofort ein richtiges Motorsportgefühl auf. Jetzt weiß man, warum viele Leute von einer Leidenschaft sprechen und für sich das berühmte "Benzin im Blut" beanspruchen.

"Warten Sie mal ab, bis gleich die schweren Jungs kommen", erklärt Ralph Diepers, Bahnleiter und Mitinitiator der Rennserien. Das Jumbo-Rennen steht auf dem Programm. Hier darf nur mitmachen, wer ein Kampfgewicht von über 90 Kilogramm aufweisen kann "Heute ist sogar mal eine Frau mit am Start", so Diepers. Den gewichtigen Höhepunkt setzt aber ein anderer. "Das Höchstgewicht liegt heute bei stattlichen 119 Kilogramm." Das Rennen gewann übrigens Andreas Horrix (90 Kilogramm), der auch die Gesamtwertung mit 78 Punkten anführt.

Diese Rennserie rief vor Jahren der F1 Kart-Club-Krefeld ins Leben, um auch auf der Kartbahn eine gewisse Chancengleichheit herzustellen, da das Gewicht bei diesen kleinen und leichten Rennfahrzeugen mit einer Höchstgeschwindigkeit von 60 km/h eine große Rolle spielt.

Was aber wirklich auf die Teilnehmer zukommt, erklärt Helmut Pesch, Betreiber der Bahn und gleichzeitig auch Vorsitzender des hier beheimateten Kartclubs. "Bevor es hier auf die Strecke geht, gibt es immer erst eine Einweisung und eine Fahrerbesprechung. Danach dürfen die Teilnehmer dann loslegen. Erst 24 Trainingsrunden, dann zwölf Runden Qualifying und zum Abschluss 100 Runden im Rennen."

Bei einer Rundenlänge von 376 Metern kommt man so auf fast 52 gefahrene Kilometer am Ende des Wettbewerbs. Doch Bange machen gilt nicht. "Es hört sich schlimmer an, als es ist. Bei so viel Action und Spaß vergisst man ganz schnell die Anstrengung. Und die Siegerehrung mit Nationalhymne entschädigt für einige Schmerzen", sagt Pesch.

Dies liegt aber auch an der familiären Stimmung. Nicht nur die Besucher genießen eine herzliche Behandlung. Auch die Bahn, ausgestattet mit Original-Rennasphalt, und die Boliden werden behütet wie der eigene Augapfel. "Für uns steht die Pflege des Materials ganz oben auf der Liste", so Diepers. "In jedem Detail steckt viel Arbeit in der Freizeit und somit viel Herzblut jedes Einzelnen", pflichtet ihm Helmut Pesch bei. "Wir freuen uns wirklich über jeden neuen Teilnehmer. Ob Anfänger oder Profi, alle werden hier gleich behandelt", sagt Ralph Diepers.

Interessierten bieten sich bald die nächsten Möglichkeiten, sich mit der Motorsportkonkurrenz zu messen. Am 19. März wartet das Late-Night Race über 60 Runden und am 29. März gibt’s das Formel-1-Rennen über 87 Runden. Dabei fährt man parallel und unter denselben Bedingungen, wie die Profis beim gleichzeitig stattfindenden Grand Prix in Melbourne (Australien) fahren.