Er macht Fahrräder wieder fit

Ali Kocaslan repariert die Stahlrösser für kleines Geld.

Krefeld. „Alle nennen mich einfach Ali“, sagt Ali und verbeugt sich lächelnd. Ali steht vor seiner Garage an der Saumstraße 11 und widmet sich gerade der Gangschaltung eines Kinderfahrrads. Ali Kocaslan, so lautet sein vollständiger Name, repariert Räder für kleines Geld.

„Das ist mein Hobby“, sagt der 69-Jährige. „Lieber arbeiten als im Park sitzen“, fügt er hinzu. Ein Blick in die Garage entlarvt den Bastler als heimlichen Schrottkünstler. Auf zehn Quadratmetern stapeln sich Fahrräder jeglicher Größe in bedenklicher Höhe.

Reifen, Hupen, Lenker, Schläuche, Pedale und Ketten liegen auf dem öligen Boden verteilt. Irgendwie behält Ali den Überblick, er weiß genau, wo sich in seinem Gesamtkunstwerk das Werkzeug versteckt. Nur Kleinteile bewahrt er sorgfältig in Schubladen auf.

1969 kam Ali aus der Türkei nach Deutschland. „33 Jahre arbeitete ich bei Siemens an der Drehbank“, erzählt der ehemalige Metallarbeiter. „Ich liebe Mechanik und Menschen.“ Seine Nachbarn wissen das längst. Viele bringen ihr kaputtes Rad zu Ali. Manchmal darf er die Räder behalten. Er macht sie wieder fit und verschenkt sie großherzig weiter. Nur von seinem Meisterstück würde er sich nie trennen.

Glänzende Armaturen, Rollen, Rohre, Ventilatoren, Metallschläuche — fünf Jahre Arbeit stecken in der unverkäuflichen Deckenlampe, die in einem Science-Fiction-Film problemlos als Dekoration dienen könnte. Sie ist aus unendlich vielen Metallteilen zusammengeschweißt und „geht bestimmt nie kaputt“, schwört Ali.

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