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An der Lutherstraße sind die meisten per Du

An der Lutherstraße sind die meisten per Du

Die Nachbarschaftsfeste sind legendär: Was mit einem Dixie-Klo und einer kleinen Theke begonnen hat, ist heute eine professionelle Anwohner-Party geworden.

Lehmheide. "Als viele von uns 1958 hierhin gezogen sind, war die Lutherstraße noch ein Matschweg und geheizt wurde mit Ölöfen", erinnert sich Luise Stiefenhöfer. Die 86-Jährige wohnt in Haus Nummer 80. Heute sind die Wohnungen des Mehrfamilienhauses natürlich mit allem Komfort ausgestattet, den man erwarten kann in der kernsanierten Häuserzeile.

Mit ihren vielen gepflegten Vorgärten wirkt die Lutherstraße einladend auf Besucher. Vor allem aber die Herzlichkeit und der gegenseitige Respekt unter den Nachbarn hat der Straßengemeinschaft viele Zugezogene beschert: "Wir sind alle per Du und helfen uns gegenseitig", sagt Lisel Kurth, die vor elf Jahren an die Lutherstraße zog.

Ihre Entscheidung hat die 58-Jährige nie bereut. Im Gegenteil: "Obwohl ich Witwe bin, fühle ich mich hier nicht allein. Denn wir unternehmen viele Dinge zusammen", sagt Lisel Kurth, die hier viele Freunde gefunden hat.

Treffpunkt für viele der Aktivitäten ist der Gartenbauverein Süd, in dem die meisten Anwohner einen Schrebergarten besitzen. In der Kantine des Vereins kommt der Damenclub zusammen, dem auch Lisel Kurth angehört. Auch zum Stammtisch am Freitag und zum gemeinsamen Frühstück am Samstag treffen sich die Nachbarn jede Woche aufs Neue.

Zu den Höhepunkten der gemeinsamen Aktivitäten zählen die Einkaufsfahrten in die Niederlande und das Nachbarschaftsfest. Alle zwei Jahre wird gefeiert und kräftig gespendet - zum Beispiel für das Krefelder Hospiz am Blumenplatz.

Wer genau sich zur Nachbarschaft Lutherstraße zählen darf, wird großzügig definiert: "Zu unserer Nachbarschaft zählen auch noch die Leute aus der Pempelfurtstraße und vom Vom-Bruck-Platz. Wir schließen niemanden aus", sagt Anneliese Winzen, die im Haus Nummer 82 wohnt.

Getrennt vom Rest der Lutherstraße fühlt sich Agnes Krahn aber schon, denn der neue Anbau am nahe gelegenen Klinikum verläuft quer über die Lutherstraße und teilt die Straße so in zwei Hälften. "Die Trennung ist nicht so toll, da wir hier selbst für Ortsunkundige nur schwierig zu finden sind. Es fehlen Hinweisschilder", klagt die 82-Jährige aus Haus Nummer 80.

In den ehemaligen "Post-Häusern" an der Lutherstraße, die heute vielfach Eigentumswohnungen sind, wohnen zwar überwiegend Senioren. Doch gerade der Alters-Mix macht das Zusammenleben hier so spannend, findet der 90-jährige Heinz Lamers. Er ist froh über die Hilfe, die ihm seine erst 70- oder 60-jährigen Nachbarn zuteil werden lassen.

Im "Süd-Bezirk", wie die Einwohner ihren Stadtteil (eigentlich Dießem/Lehmheide) nennen, ist im Laufe der Jahre aus Nachbarschaft Freundschaft geworden. Überzeugen kann man sich davon im kommenden Jahr beim Nachbarschaftsfest.

"Wir werden immer professioneller, haben inzwischen eine eigene Band und einen Bierpavillon organisiert", freut sich Anwohner Bernhard Winter auf das Fest im August, das mal mit Dixie-Klo und einer kleinen Theke begonnen hat.