Krefeld: Uralte Bibliothek am Moltkeplatz braucht zwei Klimageräte

Jahrhunderte Jahre alte Bücher : Wetter bereitet Büchern Probleme

Die Scheutensche Bibliothek am Moltkeplatz braucht zwei Klimageräte und beantragt dafür 7000 Euro.

Die Scheutensche Bibliothek, die sich im Dachgeschoss des Gymnasiums am Moltkeplatz befindet, braucht finanzielle Unterstützung für zwei Klimaanlagen.

Die Scheutensche Bibliothek geht zurück auf den Wohltäter der Stadt, Adam Wilhelm Scheuten, der vor 220 Jahren die Riesensumme von 15 000 Reichstaler für eine Schule stiftete. Neben dem Geld vermachte er seiner Heimatstadt auch wissenschaftliche Instrumente und eben seine umfangreiche Bibliothek. Diese umfasst heute über 6000 Werke und wird seit 2006 durch den Lehrer Manfred Wüst betreut. Er hat den Inhalt des alten „Findebuch“, das in altdeutscher Sprache alle Bücher auflistet, in den Computer übertragen. Und zahlreiche Bände auch selbst restauriert. Der Landschaftsverband Rheinland, der die historische Sammlung schon mehrfach unterstützt hat, stellt Wüst dazu immer wieder besonderes Papier und Einbandleinen zur Verfügung.

Förderverein für Bibliothek
hat 30 Mitglieder

„Ich habe mir im Keller meines Hauses eine kleine Werkstatt eingerichtet mit historischen Geräten und kann deshalb die schlimmsten Mängel beseitigen“, sagt Wüst. Und weil er es nicht allein schafft, gründete er 2017 den „Verein zur Erhaltung der Scheutenschen Bibliothek im Gymnasium am Moltkeplatz“ und übernahm den Vorsitz. Die 30 Mitglieder kümmern sich um die Bände, die in 33 Schränken verwahrt werden. Sie sind zumeist verschlossen, doch zehn haben eine Glastür und sind auf der Rückseite offen.

„Die Bücher brauchen eine gleichmäßige Temperatur, eine konstante Luftfeuchtigkeit und müssen gegen UV-Strahlung geschützt sein“, sagt Wüst, der inzwischen auch als Fachmann anerkannt ist. Deshalb hat er den Antrag zur Anschaffung von zwei Klimageräten bei der Stadtverwaltung gestellt. Und hofft, dass auch der Landschaftsverband sich wieder beteiligt, denn es sind Mauerdurchbrüche erforderlich. „Und der Betrieb, vor allem im Sommer, kostet auch Strom“.

Immer wieder einmal kommt ein Wissenschaftler in die Bibliothek, um zu forschen. Die Werke sind vorrangig in Französisch, Englisch, Griechisch und auch Deutsch verfasst, doch es gibt auch japanische, italienische und hebräische Bände. Manfred Wüst hat die kostbare Scheutensche Bibliothek schon mehrfach in der Volkshochschule vorgestellt.

Im Jahr 1838 gründete sich in Krefeld ein Leseverein, der sich dreißig Jahre lang um die Scheutensche Bibliothek kümmerte. Dessen Mitglieder erstellten auch das sogenannte Findebuch. Später geriet die Sammlung in Vergessenheit und in Kriegszeiten hatte man andere Sorgen. Wüst holte zur Jahrtausendwende noch manchen Band aus dem Keller, wo einige Bücher achtlos in feuchten Kartons aufbewahrt worden waren. Das älteste Werk stammt aus dem Jahre 1530 und sieben tragen die Signatur Scheutens. Später kamen immer wieder wertvolle historische Bücher durch Erbschaften hinzu.

Wer gerne einmal die 88 Stufen ins Dachgeschoss des Gymnasiums hinauf steigen möchte, erreicht Manfred Wüst unter der E-Mail-Adresse awscheuten@gmx.de.

Mehr von Westdeutsche Zeitung