1. NRW
  2. Krefeld
  3. Stadtteile

Krefeld: Überraschender Fund im restaurierten Altar von St. Cyriakus

Kirche : Überraschender Fund im Altar von St. Cyriakus in Hüls

Der restaurierte Altar von St. Cyriakus wird wieder zusammengesetzt. Darin fand man allerlei Überraschendes.

Hell leuchtet die Vormittagssonne durch die Kirchenfenster von St. Cyriakus. Doch tritt man durch die Plastikplane im hinteren Teil der Kirche, dringt kein Licht mehr in den Raum. Es riecht nach Staub, und ein Strahler erhellt den Hochaltar, an dessen rötlicher Mensa noch die Steine auseinander klaffen wie eine Wunde. Es wird immer noch operiert am Herz-Jesu-Altar von 1882.

Im Zuge von Sanierungsarbeiten Ende letzten Jahres waren Risse am Hochaltar aufgefallen. „Und bis Januar war es bereits erheblich schlechter geworden“, erinnert sich Architekt Thomas Blohm-Schröder. „Man hatte den Eindruck, dass sich der Altar zerlegt.“ Die innere Struktur sei komplett zermürbt gewesen, der Mörtel nahezu weg. Auch Feuchtigkeit wurde festgestellt. „Die war zwar nicht der Hauptgrund für den Verfall, aber auch eine gewisse Restfeuchte zeigt auf lange Zeit Wirkung“, so Blohm-Schröder.

Und so wurde ab Mai erst das rund 300 Kilo schwere Altarretabel abgebaut, dann die 400 Kilo schwere Mensa abgenommen und schließlich der restliche Altar komplett zerlegt. Eine Sperrschlämme wurde gegen die Feuchtigkeit von unten angebracht. Seit Ende Juni wird der Hochaltar wieder aufgemauert.

Restaurator Matthias Sandmann arbeitet in St. Cyriakus an einem Figurenensemble. Foto: Andraes Bischof/Andreas Bischof, +49-(0)171-2850

Teile der alten Kirche sollen ausgestellt werden

Im Inneren des Altars wartete eine Überraschung: Fundstücke der alten Kirche, die 1867 abgerissen wurde, um Platz für eine neue zu schaffen. „Es sind Stücke aus dem Außenbereich, aber auch beispielsweise Säulenreste. Sie wurden wohl dort hineingelegt aus Verbundenheit zur alten Kirche“, vermutet der Architekt. Die eindrucksvollsten Fundstücke sollen ausgestellt werden.

„Das ist geübte Praxis“, sagt Pfarrer Paul Jansen. Und bevor der Altar wieder ganz geschlossen wird, soll auch zur aktuellen Sanierung etwas hinterlassen werden. „Münzen, eine aktuelle Zeitung, vielleicht auch Bilder des Umbaus. Jetzt haben wir ja Platz“, sagt Jansen.

Sobald der Steinmetz seine Arbeiten abgeschlossen hat, wird auch nach und nach der schmucke Altaraufsatz wieder aufgebaut. Der liegt aktuell in rund 200 Einzelteilen in der Taufkapelle verteilt und wird gereinigt. „Wir haben das Retabel ohne technisches Gerät abgebaut“, sagt Restaurator Matthias Sandmann. Um die 150 Stunden Arbeit hat der Kempener an den zahlreichen Türmen, Fialen und Figuren gearbeitet, einige Teile neu verleimt, Kerzenruß, Staub und andere Verunreinigungen entfernt.

Der Altarraum ist für die Arbeiten provisorisch verkleidet. Foto: Andraes Bischof/Andreas Bischof, +49-(0)171-2850

Der Aufsatz ist außergewöhnlich üppig verziert

„Der Aufsatz hat unheimlich viel Figurenprogramm, sowohl aus dem alten als auch aus dem neuen Testament“, sagt Sandmann. „Da ist richtig Zeug drin. In dieser Fülle habe ich das selten gesehen. Auch die Qualität ist sehr gut. Der Handwerker wusste damals, was er tat.“

Noch ist der Hochaltar von Holzwänden umhüllt. „Besonders Brautpaare fanden das nicht so schön“, sagt Pfarrer Jansen. Darum ziert derzeit ein Banner mit einem Bild der Spierling-Fenster aus der Hülser Konventskirche die Wand hinter dem Zelebrationsaltar. Die Konstruktion lässt nur wenig Platz, um an den Tabernakel zu gelangen. „Man muss sich ein wenig daran vorbei quetschen“, schmunzelt Jansen. „Der Gerüstbauer fragte beim Aufbau auch gleich, ob wir einen dicken Pfarrer hätten. Aber ich passe noch gut durch.“

Rund 90 000 Euro hat die Sanierung gekostet. Mitte September soll der Altar wieder auf- und das Gerüst abgebaut sein. „Spätestens im November muss aber alles fertig sein“, sagt Jansen. Dann stehen nämlich zwei besondere Konzerte in St. Cyriakus an: Am 24. November, 18 Uhr, spielt das Orchester Puccinis Messa di Gloria. Auch die Metzler-Orgel wird dabei in einem Solo zu hören sein. Am 26. November dann spielt der niederländischer Organist Ben van Oosten in der Hülser Kirche.