Kronprinzenviertel „Wir sind das Sprachrohr für die Menschen hier am Schinkenplatz“

Cracau · Der junge Vorstand der Bürgergesellschaft Schinkenplatz redet nicht nur, sondern handelt.

 Olivia und Andreas Hardt engagieren sich in der Bürgergesellschaft Schinkenplatz für das Kronprinzenviertel.

Olivia und Andreas Hardt engagieren sich in der Bürgergesellschaft Schinkenplatz für das Kronprinzenviertel.

Foto: Andreas Bischof

Das Kronprinzenviertel blüht wieder auf. Das hat sich die Bürgergesellschaft Schinkenplatz zumindest als großes Ziel gesetzt, allen voran ihre erste Vorsitzende Olivia Hardt und ihr Mann Andreas als zweiter Vorsitzender. Die einstigen Mitbegründer der Bürgerinitiative „Hoffnung“ gegen das an der Schwertstraße geplante – und inzwischen seit fast anderthalb Jahren geöffnete Drogenhilfezentrum sind durch den inzwischen verstorbenen Pfarrer Cornelius Schmidt dazu ermutigt worden, sich aktiv für eine Stärkung des Viertels einzusetzen – und die Bürgergesellschaft wiederzubeleben, die kurz vor ihrem 100. Bestehen vor der endgültigen Auflösung stand. Die Eheleute Hardt haben den Verein mit 14 weiteren engagierten Anwohnern und Geschäftsleuten im Oktober 2022 erfolgreich revitalisiert. Wie ihnen das gelingt und was sie für Pläne haben, darüber sprach unsere Redaktion mit ihnen.

Wie gelingt es Ihnen als Bürgergesellschaft, die unterschiedlichen hier lebenden und arbeitenden Menschen mitzuziehen?

Olivia Hardt: Sie scheinen nur darauf gewartet zu haben. Wir haben uns vorgenommen, das Quartier sozialpolitisch hochzuziehen und ein Miteinander zu schaffen mit unseren verschiedenen Angeboten. Wir sind das Sprachrohr für die Menschen hier und merken, wie sie sich verändern, sie mehr aufeinander achten und sich begrüßen. Vielleicht habe ich sie mit meiner Rede bei der Feier zum 100-jährigen Bestehen wachgerüttelt. Statt immer nur nach der Stadt zu rufen wegen der Verschmutzung im Quartier hatte ich ihnen zugerufen, sie könnten sich auch selber bücken und den Unrat vor ihrer eigenen Tür wegnehmen. Inzwischen tun sie das auch selber wieder.

Sie hatten große Sorgen vor der Eröffnung des nahen Drogenhilfezentrums und Zweifel an den Versprechungen der Stadt. Wie ist das heute?

Andreas Hardt: Ich hatte damals große Zweifel an den gemachten Versprechungen. Inzwischen kann ich sagen, alle, die Stadt und die Caritas, der KOD, haben zu ihrem Wort gestanden. Der Austausch und die Zusammenarbeit funktionieren gut und reibungslos.

In welcher Form?

Andreas Hardt: Durch Formate wie Talk im Quartier. Anfangs monatlich, inzwischen vierteljährlich können Bürger und Bürgerinnen öffentliche Probleme ansprechen. Gemeinsam mit der Polizei, KOD, verschiedenen Fachbereichen der Stadt von Gesundheitsamt bis zur Gemeinwesenarbeit werden Probleme gesammelt und beim nächsten Treffen die Ergebnisse und Lösungen vorgelegt. Ganz zu Beginn ging es nur um die Drogenszene, inzwischen sind es vielmehr die alltäglichen Dinge wie Falschparker, Hundekot und wilde Müllkippen.

Wie wollen Sie diese Probleme angehen?

Andreas Hardt: Beispielsweise mit einem Informationsblatt über die richtige Entsorgung von Abfällen in Krefeld in verschiedenen Sprachen.
Olivia Hardt: Mit unseren neuen Quartiershelfern, um die Straßen und Plätze im Kronprinzenviertel künftig zusätzlich zu reinigen. Wer mitmachen will, kann sich bei uns bewerben, bekommt eine Plastikkarte zur Übersicht über seine Arbeit und für jeden gesammelten Müllsack einen Aufkleber auf seine Karte, 12 Aufkleber insgesamt. Ist die voll, erhält der Quartiershelfer bei den teilnehmenden Kooperationspartnern im Quartier einen Rabatt bei Pizza Cab oder ein Gratisprodukt nach Absprache. Wir suchen noch weitere Partner. Quartiersmanager Sandy Schilling ist ganz begeistert von unserer Idee.

Wie kommen die Menschen hier miteinander ins Gespräch?

Olivia Hardt: Durch unseren Quasseltreff.
Andreas Hardt: Anfangs hatten wir dafür nur Senioren im Blick, um Ängste voreinander abzubauen. Das ist so gut angekommen, dass wir den Treff ins Café Istanbul verlegt haben. Und inzwischen ist er längst nicht mehr für Senioren, sondern bunt gemischt. Dabei geht es um Alltägliches und es sind dadurch echte Freundschaften neu entstanden.

Der Schinkenplatz und angrenzende Straßen werden für knapp 700 000 Euro umgestaltet und saniert. Wie reagieren die Bewohner auf die Pläne?

Olivia Hardt: Wir werden von vielen angesprochen, was denn los sei, wieso die Bäume gefällt worden sind. Dann erklären wir, was dort im Laufe des Jahres alles geschieht. Das neue Bäume gepflanzt werden, es dort dann Außengastronomie und neues Mobiliar auf dem Platz geben wird.
Andreas Hardt: Die Leute hier sorgen sich, dass mit den Möbeln dann auch vor allem die Trinkerszene hier wieder hinkommt.
Olivia Hardt: Polizei und KOD wollen unser Quartier engmaschig bestreifen und die Caritas mit ihren Streetworkern ist auch im Boot – und alle wollen dafür sorgen, dass sich hier keine Szene wieder bildet.

Glauben die Menschen Ihnen das?

Andreas Hardt: Sie fragen uns, ob wir daran glauben. Ja, sagen wir. Weil wir dabei ebenso eingebunden sind und als Bürgergesellschaft gehört werden wie bei allen anderen Aktionen im Quartier. Und vor allem von Stadtdirektor Schön dabei unterstützt werden.

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