Krefeld: Schwungvoller Auftakt des Lachblüten-Festivals

Kleinkunst : Volle Hütte und gute Laune beim Auftakt des Lachblüten-Festivals

Am Wochenende startete im Botanischen Garten die beliebte Kleinkunst-Veranstaltung mit Witz und Schwung.

. Insgesamt 25 Humoristen sorgen bis zum kommenden Sonntag für gute Laune beim Krefelder Open-Air-Festival Lachblüten. Podio-Chef Rüdiger Höfken freute sich zum Auftakt im Botanischen Garten über eine „volle Hütte und ein gut gelauntes Publikum“. Das galt auch für den Samstag, wenngleich kurz nach Beginn der Aufführung Regen einsetzte. Doch für solche Fälle schützen Zelte die Künstler auf der Bühne und die rund 140 Besucher, die etwas enger zusammenrücken mussten. Der tollen Stimmung tat dies keinen Abbruch, was nicht zuletzt an dem stimmigen Mix der Unterhaltung lag. Auf die Travestie-Nummer der Golden Girls folgten junge, freche Comedy mit Juri von Stavenhagen und neues deutsches Kabarett mit Michael Feindler.

Viele Besucher waren
zum ersten Mal dabei

In bewährter Manier moderierte Höfken die Auftritte mit kabarettistischen Einlagen. Überrascht stellte er bei sonst hohem Anteil an Stammpublikum fest, dass viele Besucher zum ersten Mal da waren. Sein Rückblick auf das letzte Festival vor zwei Jahren brachte gleich die ersten Lacher.

So zitierte er die damalige Schlagzeile der FAZ: „Zehn Wochen vor der Bundestagswahl dümpelt die SPD mit Martin Schulz bei 25 Prozent.“ Höfken: „Schulz wie Nahles sind inzwischen Geschichte, und nach 25 Prozent würde sich die SPD heute die Finger lecken.“ Erheiternd ebenso das damalige Zitat des Regierenden Bürgermeisters von Berlin, Michael Müller: „Ich gehe davon aus, dass der Berliner Flughafen erst 2019 eröffnet wird.“

Die Golden Girls aus Düsseldorf musste Höfken nicht groß ankündigen. Sie sind noch aus Podio-Wohnzimmer-Zeiten als Stammgäste bekannt und entpuppten sich als Stimmungskanonen: spritzig, frech und ein wenig frivol. Die Travestie-Künstlerinnen teilten sich die Rollen – Gerda als Garderobenfrau und Ulknudel sowie Viktoria West als Dame von Welt in extravagantem Glitzerkleid und Federschmuck.

Gerda nahm sich zunächst die Straßenbahn zur Brust, die ihre eigene Zeitrechnung habe. Als ein Mütterchen fragte, ob die Bahn denn schon fahre, entgegnete Gerda: „Nee, wir verschieben draußen nur die Häuser für Sie.“ Mit Mutterwitz und im Musikstreit mit Viktoria, die lieber Chansons zum Besten geben wollte, setzte sich Gerda mit ihrem Lieblingssänger Udo Jürgens durch. Sein „Ich war noch niemals in New York“ war dank tatkräftiger Unterstützung des Publikums weit über den Botanischen Garten hinaus hörbar.

Bissig, wortstark, ehrlich – das sind die Ingredienzien der jungen frechen Comedy, die der Kölner Juri von Stavenhagen vertritt. Der Meinung seines Klassenlehrers, dass als Erwachsener alles besser wird, kann er nichts abgewinnen. Frustriert stellt er fest, dass das Leben so bleibt und nur die Miete noch hinzukommt.

Leider lässt sich diese nicht mit den Pfandflaschen bezahlen, die er sammelt. Und neuerdings im Anzug wegbringt, um nicht bemitleidet zu werden. Um sich über Wasser zu halten, erzählt Juri nun auf den Kleinbühnen dieser Welt haarsträubende Geschichten – mit Selbstironie und Augenzwinkern.

Michael Feindler ist der Lyriker unter den Kabarettisten

Was ihm und auch in der Medizin helfe, sei Kiffen. „Meine Oma hat eine kaputte Hüfte. Seit ich kiffe, macht mir das überhaupt nichts mehr aus.“ Und überhaupt: Um es mit 60 Kiffern aufzunehmen, bedürfe es keines Heers von Polizisten, da genüge eine mittelschwere Matheaufgabe.

Als Lyriker unter den Kabarettisten testet Michael Feindler Denkleistung und Empfindsamkeit des Publikums bis an dessen Schmerzgrenze. Feinfühlig, melancholisch und vermeintlich harmlos dichtet er sich in die Herzen, um dann unvermittelt scharfzüngig und gnadenlos zuzuschlagen. „Hättest du mich nicht angesprochen, hättest du jetzt nicht das Genick gebrochen.“

Watteweich verpackt er seine Aussagen in Gedichtform oder intoniert Lieder zur Gitarre, gefolgt vom provozierenden Ende. Da lachen die Frauen im Publikum noch über die wortgewandten Witze des Charmeurs, während ihnen das Lachen schon wieder gefriert. Zum Beispiel, wenn er ihr Verliebtsein als zwangsneurotischen Zustand bezeichnet. „Manche spalten mit Worten, andere mit dem Beil“, sagt er. „Die Welt ist geteilt – in Arm und Reich, in Jung und Alt, in Deutsch und entspannt.“

Mehr von Westdeutsche Zeitung