Krefeld: Günter Göbels erhält den Rheinlandtaler

Benrad-Süd : Rheinlandtaler für Günter Göbels

Der Krefelder engagiert sich für den Naturschutz und die kulturelle Entwicklung und Bedeutung des Rheinlandes.

Wenn sich nach dem ersten Frost rund 50 Wacholderdrosseln auf die Früchte seines Ilex stürzen und picken, dann ist das für Günter Göbels „wie ein Traum“ und ein „Augenschmaus“ zugleich. Die Vögel lieben diese leuchtend roten Beeren, die für Menschen ungenießbar sind. Der 76-Jährige sorgt aber nicht nur für das Nahrungsangebot von Drossel, Distelfink und Dompfaff, sondern bietet in seinem stets abwechslungsreich blühenden Garten auch Leckeres für Insekten und Käfer an.

Wer Göbels sucht, hat zwei Möglichkeiten: Entweder ist er in seinem rund 1000 Quadratmeter großen Garten, oder im Haus der Seidenkultur, wo er – als ehemaliger Patroneur oder auch Musterzeichner – die Weber-Geschichte Krefelds lebendig hält. Deshalb sind es auch zwei Fachgebiete, für die er im Oktober den Rheinlandtaler bekommt: Die kulturelle Entwicklung und Bedeutung des Rheinlandes/Naturschutz.

Seit 42 Jahren praktiziert
Göbels das naturnahe Gärtnern

„Ich bin stolz über die Auszeichnung und freue mich“, sagt der Mann, der in seinem Elternhaus wohnt. „Nur: Dass der Garten so aussieht wie jetzt, das ist die ,Schuld` des engagierten Naturschützers Ernst Schraetz“, sagt er und lächelt. „Mein Engagement begann vor 42 Jahren, als ich das Haus hier Im Tackfeld bezog.“

Damals wuchsen Heide, Kiefer, Fichten und Zedern in der Gegend. „Die braucht keiner, das gehört nicht hierher“, fand Göbels und machte sich ans „naturnahe Gärtnern“. Er besuchte Gartenseminare bei der VHS und lernte Schraetz kennen.

Das war für den Mann die Initialzündung: „Ich machte beim Nabu mit bei der Kopfweidenpflege, habe Naturschutzgräben gepflegt, Brombeeren entsorgt und Äste aus dem Bruch geschleppt, bis mich ein Bandscheibenvorfall stoppte.“ Dazu gab er sein Wissen als Dozent in Garten- und Wochenendseminaren weiter.

Im Garten gibt es
40 Jahre alte Azaleen-Büsche

Gleichzeitig legte er in ersten Schritten Hand ans eigene Grün. Die Gehölze fielen und in einem Experiment hat er einfach Blühendes auf dem Wurzelfilz der wild wachsenden Eriken ausgesät.

„Ich habe damals experimentiert“, berichtet er. „Nun ist es weniger experimentell, sondern so, dass mein blühendes Jahr mit Schneeglöckchen und Krokussen beginnt. Dann folgen Schneestolz, Tulpen und Osterglocken. Jetzt leuchten Akelei und Lichtnelken, ohne im Hintergrund selbst ausgesäte und nun 40 Jahre alte Azaleen-Büsche zu vergessen. Als nächstes kommt der Phlox.“

Göbels will immer für jedes Insekt die passende Nahrung anbieten. „Alles,  was der Tierwelt nutzt, darf in meinen Garten.“ So stehen auch Butterblumen und Löwenzahn zwischendrin. „Es muss auch nicht streng einheimisch, wie der aus Asien stammende Sommerflieder, sein.“ Wohlklingende Namen wie weißblühender Judastaler, Mariendistel und Wiesenstorchschnabel sind darunter.

Ein gutes Leben
für Insekten, Käfer und Vögel

Das Fazit der Bemühungen: „Ich habe bestimmt zwölf verschiedene Wildbienenarten im Garten. Ein Insektenhotel gibt es natürlich auch. Käfer haben ein gutes Leben und die Vögel werden das ganze Jahr durchgefüttert.“

Im 250 Quadratmeter großen Nutzgarten kommen nach der Kalten Sophie am 15. Mai die vorgezogenen Sellerieknollen, Buschbohnen und Kartoffeln in die Erde. „Letztere verzehren ich und meine Frau Christel, die alles Grünzeug lecker auf den Tisch bringt, mit Butter und Salz. Das ist ein Genuss.“

Ein Hobbyraum
im ehemaligen Hühnerstall

Seine zweite Leidenschaft gehört dem Haus der Seidenkultur, wo er engagiert mitarbeitet und Wissenswertes über seinen früheren Beruf als Patroneur oder Musterzeichner vermittelt. Im ehemaligen Hühnerstall hat er seinen Hobbyraum eingerichtet. Dort hängt seine private Patronensammlung an der Wand. „Das sind meine technischen Zeichnungen für Krawattenstoffe.“

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