Krefeld: Gnadenhof Oppum fehlt es an Futter

Dürre und Platzmangel : Sorge auf dem Oppumer Gnadenhof: Es fehlt an Futter für die Tiere

Die Betreiber des Oppumer Gnadenhofs fragen sich, ob Pferde, Ponys und Esel in Zukunft ausreichend versorgt werden können. Durch die Trockenheit sind die Stroh- und Heupreise auf das Doppelte angestiegen.

Dürre, Platzmangel und immer mehr notleidende Tiere machen dem Team des Gnadenhofes in Oppum derzeit zunehmend zu schaffen. Die Hofanlage liegt direkt zwischen der Hauptstraße und dem neuen Autobahnabschnitt der A57. Seit Mai 2000 hat hier der „Oppumer Verein für notleidende Pferde und Ponys“ sein zu Hause. Unter der Obhut der 63-Jährigen Annemarie Hendricks werden derzeit 58 Pferde, Fohlen und auch Esel versorgt. Dabei bittet die engagierte Frau nun um Hilfe.

Annemarie Hendricks leidet mit den Tieren

Hendricks hat schon viele schlimme Schicksale erlebt. Die Pferde, die zu ihr kommen, sind oft in einem völlig verwahrlosten Zustand. Ihre Besitzer haben sie mehr als schlecht behandelt. Ein besonders erschreckendes Beispiel ist Mandingo. Auf seinem Fell wurden um die 40 brennende Zigaretten ausgedrückt. Diesem Tier wieder eine Lebensgrundlage zu schaffen, ist Hendricks ein großes Anliegen. Bei der Erinnerung an den Moment, als sie Mandingo zum ersten Mal sah, schmerzt es die Hausfrau immer noch: „Ich gehe mit den Tieren kaputt.“

Andere Hofbewohner wurden mit gleichermaßen erschreckenden Verletzungen nach Oppum gebracht. Ponys waren überfüttert und kaum noch in der Lage, sich selbstständig zu bewegen. Pferde litten mehr oder weniger an Bulimie, da sie wochenlang nicht mit Wasser versorgt wurden. Halfter waren bereits in die Haut eingewachsen. Trotz des Leides, das Hendricks täglich mit ansehen muss, versprüht sie eine Menge Begeisterung für ihre Arbeit. Und ihre Leidenschaft ist ansteckend. Seit fast 20 Jahren versucht sie, gemeinsam mit sechs weiteren Ehrenamtlern und Kleinverdienern, den notleidenden Pferden und Ponys zu helfen. „Ohne sie würde ich das alles gar nicht schaffen. Ich finde es immer wieder toll, wie lieb alle zu den Tieren sind.“ Nur selten finden die Tiere ein neues Zuhause außerhalb des Gnadenhofes.

Hendricks’ Vater war es übrigens, der ihr damals dazu riet, einen Verein zu gründen und den Gnadenhof dadurch weiterhin mit Leben zu füllen. „Ich weiß nicht, woran es liegt, aber die Pferde finden sehr schnell Vertrauen zu mir. Mein Lebensgefährte sagt immer: Du warst im früheren Leben bestimmt auch ein Pferd.“ Die Arbeit in dem Verein bezeichnet sie als ihre Bestimmung. Gerne steckt sie selbst auch zurück, wenn sie dafür den Pferden und Ponys mehr geben kann.

Schon in früheren Jahren musste Hendricks um Hilfe bitten. Und auch dieses Jahr brauchen sie und ihre Schützlinge die Unterstützung von Sponsoren. Denn durch die Trockenheit sind die Stroh- und Heupreise auf das Doppelte angestiegen. Die trockene Wiese ist ebenfalls keine nützliche Nahrungsquelle. Es fehlt an Geld- und Futterspenden. Kosten fallen vor allem durch Arztkosten, Medikamente und Futter an. Instandhaltungsmaßnahmen sowie die Versorgung des Weidelandes kommen da oft zu kurz.

Weideland durch den A57-Ausbau verloren

Durch den Ausbau der A57 hat die Hofbesitzerin zudem an Weideland verloren. Statt Ersatzfläche gab es nur fünf Euro pro Quadratmeter: „Das ist kaum eine Hilfe. Neues Land kann ich mir dadurch nicht kaufen“, betont Hendricks traurig. Zum Glück vertragen sich die Tiere untereinander sehr gut, wodurch viele zusammenstehen können.

Mehr von Westdeutsche Zeitung