Unterkunft : WZ-Mobil: Festes Dach über dem Kopf statt Zelt

Die Menschen am WZ-Mobil verlangen eine menschenwürdige und wintersichere Unterbringung der Flüchtlinge.

Krefeld. Rund 700 Flüchtlinge sollen demnächst auf dem Gelände der Kaserne an der Kempener Allee untergebracht werden. Die Bezirksregierung ist mit der Errichtung einer Erstaufnahme-Stelle beauftragt. Nach wie vor aber ist nicht bekannt, wann mit dem Aufbau der Notunterkünfte auf dem Exerzierplatz begonnen und wann mit der Ankunft der ersten Flüchtlinge gerechnet wird. Am WZ-Mobil herrschte vorwiegend Unverständnis dafür, dass die Menschen nicht in den von außen scheinbar völlig intakten Wohngebäuden untergebracht werden.

„Der Winter ist nicht mehr sehr weit weg“, warnt Anneliese Lurenberg. Sie zweifelt daran, dass die beheizbaren Zelte dann auch ausreichende Wärme spenden würden. „Wer stellt das eigentlich fest, ob die Gebäude bewohnbar sind oder nicht“, fragt sie. „Ich kann nicht glauben, dass der lange Leerstand von 13 Jahren oder Vandalismus die Gebäude so sehr in Mitleidenschaft gezogen haben, dass jetzt keiner mehr darin wohnen kann.“

Sorgen macht sich die Frau, die auf der benachbarten Ottostraße wohnt, auch um die alten Bäume auf dem Kasernengelände. „Krefeld ist bekannt dafür, dass hier Bäume recht schnell gefällt werden, obwohl sie nicht krank oder nicht mehr standfest sind.“

Ulrich Mohren hat eine Woche als ehrenamtlicher Helfer für das Rote Kreuz in der Sporthalle Glockenspitz gearbeitet, wo derzeit auch rund 150 Flüchtlinge untergebracht sind. Zu den Zelt-Plänen hat er eine klare Meinung: „Ein Skandal ist das, der helle Wahnsinn.“ Die Menschen, die hier Hilfe suchen, bräuchten vor allem ein Dach über dem Kopf, verlangt er. „Die waren auf ihrer Flucht teilweise ein Jahr lang oder länger unterwegs und müssen dann hier ein Zelt beziehen. Unglaublich.“

Es müsse doch möglich sein, die Wohngebäude provisorisch so herzurichten, dass man hier wieder Menschen unterbringen könne. Erfreulich aber sei die große Solidarität der Krefelder mit den Ankommenden: „Wir mussten in der Glockenspitz-Halle die Spenden kanalisieren. Kleidung, Spielzeug und viele andere Sachen sind vorbei gebracht worden.“ Er selbst hat mittags und abends bei der Essensausgabe geholfen. „Und gesprochen habe ich mit den Menschen, soweit das sprachlich möglich war.“ Denn die Unterbringung dort sei Massenabfertigung, in der es keinerlei Privatsphäre gebe. Das befürchtet Mohren auch für die künftige Unterbringung in der Kaserne.

Gleich gegenüber vom Kasernen-Haupteingang wohnt Markus Hamm. „Ich will mich hier persönlich engagieren“, sagt der Rentner. Bedenken hat auch er, ob Zelte im kommenden Winter die richtige Behausung seien. Weltenbummler Hamm hat viele Länder im Mittelmeerraum bereist und erinnert sich gerne an die Gastfreundschaft, die ihm vor allem in den arabischen Ländern entgegengebracht wurde. „Die haben notfalls auch ihr Zelt und ihr letztes Brot mit mir geteilt.“ Davon will er etwas zurückgeben. Wie genau, weiß er noch nicht. „Wenn ich gebraucht werde, etwa mit meinem Auto, dann soll man einfach bei mir in Nummer 148 läuten.“

Erika Tilmes meint, dass auch die Unterbringung in Zelten möglich sein muss, gibt aber zu bedenken: „Gleichzeitig werden überall Häuser abgerissen. In St. Tönis sind gerade noch ein Kindergarten und eine Schule abgerissen worden. Da könnte man sie sonst auch unterbringen.“