Bunte Kleider für besondere Kinder

In dem kleinen Atelier von Annette Burbach entstehen farbenfrohe Stücke für junge Menschen mit Behinderung.

Krefeld. Rot-weiße Fliegenpilze, kleine Totenköpfe oder türkisfarbene Sterne — die 200 verschiedenen Stoffe, die ordentlich in Annette Burbachs kleinem Atelier liegen, leuchten in den schönsten Farben. Aus ihnen näht sie Kleidungsstücke für Kinder mit Behinderung: „Oftmals sind normale Hosen nicht geeignet für Kinder, die im Rollstuhl sitzen oder lange krabbeln. Sie rutschen hinten runter, die Nähte drücken, und vorne stören Knopf und Reißverschluss am Bauch.“

Angefangen hat alles mit ihrer eigenen Tochter Carlotta. Sie trägt einen Gendefekt in sich, der verursacht, dass die Sechsjährige körperlich entwickelt ist wie eine Zwölfjährige, denn sie wächst zu schnell. „Sie hatte mit drei Monaten schon Kleidergröße 92. Fast jede Woche brauchte sie neue Klamotten“, erzählt Burbach. Da es kaum babytaugliche Kleidung gab, beschloss sie, passende Sachen einfach selbst zu fertigen: „Ich konnte überhaupt nicht nähen, deshalb hab ich erst mal ein paar Kurse gemacht.“

Gemeinsam mit einer Bekannten entwickelte sie dann die perfekte Hose: „Meine Freundin hat eine Tochter, die im Rollstuhl sitzt, daher kam die Idee.“ Das Ergebnis: Hosen mit einem hohen Bündchen am Rücken, damit dieser nicht nackt ist, wenn die Hose vom Sitzen runter rutscht; keine störenden Nähte und Knöpfe, Reißverschlüsse für geschiente Beine, und das alles in kunterbunt. „Es gibt auch Hosen, die verdoppelte Schienbeinpartien haben, denn die Beine der Rolli-Kinder sind ständig Wind und Wetter ausgesetzt und frieren schnell.“ Auch besitzen die Spezialanfertigungen tiefersitzende Taschen: „Damit die Träger das Gefühl haben, in die Tasche greifen zu können.“ Die Oberteile sind ausgestattet mit wasserfesten Elementen und abknöpfbaren Lätzchen, die an den oft verstärkten Speichelfluss angepasst sind und das unwürdige Sabbertuch ersetzen.

Wichtig ist Burbach, dass die Mode bezahlbar ist: Eine Hose kostet 49 Euro. Da die Kleidung mittlerweile sehr beliebt ist, gibt es Wartezeiten um die fünf Wochen. Burbach näht alles mit der Hand — nach ihrer Arbeit als Physiotherapeutin: „Ich fange an, wenn die Kinder im Bett sind, da sie nicht zu kurz kommen sollen. Oft sitze ich dann bis 0.30 Uhr an der Nähmaschine.“ Dass sich dieses aus der Not entstandene Hobby einmal so entwickeln würde, hätte sie nicht gedacht: „Mir macht das Spaß, und die Kinder freuen sich wahnsinnig über passende und vor allem schöne Kleidung.“

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