Bürgerverein legt Grenzstein nach 100 Jahren frei

Bürgerverein legt Grenzstein nach 100 Jahren frei

Das kleine Denkmal befindet sich auf einem Parkplatz der Firma Siempelkamp.

Krefeld. Einen „internationalen“ Parkplatz, der auf dem Territorium zweier ehemaliger Länder liegt, besitzt die Firma Siempelkamp. Das beweist ein Grenzstein aus dem Jahr 1726, der sich auf dem Gelände des Unternehmens befindet. Bei der westlichen Zufahrt von der Siempelkampstraße fährt der Besucher erst einmal durch den äußersten Rand des Kurfürstentums Köln, um gleich hinter der Kurve in der Grafschaft Moers zu parken.

Für die Mitarbeiter der Firma Siempelkamp ist es künftig besser ersichtlich, dass sie jeden Tag eine historische Landesgrenze überschreiten. „Wir haben den Stein aus seinem Dornröschenschlaf geholt“, sagt Ludwig Schiffmann, Vorsitzender des Bürgervereins Kempener Feld. „Im Gestrüpp westlich der Parkplatzzufahrt schlummerte der Grenzstein rund 100 Jahre.“

Schiffmann ist dankbar, dass das kleine Denkmal nun einen guten wie historisch korrekten Standort gefunden hat. Auch wenn dem Grenzstein, der nun inmitten von rosafarbenen Strauchrosen steht, streng genommen jetzt erst seine richtige Dornröschenzeit bevorsteht.

Worum genau es sich bei dem guten Stück handelt, ist auf einer niedrigen Stele neben dem Grenzstein zu lesen. Verfasst hat den Text Georg Opdenberg in Absprache mit dem Krefelder Stadtarchiv.

Doch das Original verrät dem Betrachter schon die wichtigsten Dinge: An dem beschrifteten Wappen von Kempen und „Crevelt“ ist sofort erkennbar, auf welchem der ehemaligen Territorien man gerade steht. Die Jahreszahl 1726 und die Nummer 12 auf der heutigen Rückseite nennen das Jahr des ersten Aufstellens — und verhelfen den Bewohnern des heutigen Kempener Felds zu ihrem ältesten Denkmal.

Einst war der Grenzstein auf einer Steinplatte fixiert worden — damit man die Grenze nicht einfach nach Gutdünken verschieben konnte. Für die Firma Siempelkamp war es ein Leichtes, den Stein an seinen neuen Platz zu transportieren.

Die Mitglieder des Bürgervereins haben dafür gesorgt, dass das historische Stück zwischen den Rosen wieder einen sicheren Stand hat. Das amtliche Zeugnis Nr. 12 — das zu einer 14 Grenzsteine umfassenden Linie gehört — wurde aus vulkanischem Gestein gehauen. Damit scheint es wahrscheinlich, dass die Kölner für den Rohling gesorgt haben. Schließlich gehörte zu ihrem Kurfürstentum das Siebengebirge, das mit weichem und gut zu behauendem Gestein bestens geeignetes Rohmaterial liefern konnte.

Der nächste Grenzstein Nr. 11 steht nördlich Richtung Hüls an der Drügstraße und die Nr. 13 in der Nähe der Horkesgath.

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