Maroder Zustand: Sorge um die Hubert-Houben-Anlage

Maroder Zustand : Sorge um die Hubert-Houben-Anlage

Vier Vereine fürchten nicht nur um die Existenz des Ascheplatzes durch Wohnbebauung.

Krefeld. Eine brachliegende Tennisplatz-Fläche, eine marode Turnhalle ein Ascheplatz, der nach Ansicht der Sportverwaltung extrem sanierungsbedürftig ist und gleichzeitig nicht mehr benötigt wird, und der Wunsch, im Bezirk Nord eine weitere Kindertagesstätte zu errichten — aus Sicht der Bauverwaltung sind das drei Gründe für die mögliche Überplanung eines Areals an der Ecke Appellweg/Dahlerdyk südlich der Hubert-Houben-Kampfbahn.

Drei Ideen, wie es auf dem rund 20 400 Quadratmeter großen Gelände in Zukunft aussehen könnte, wo eine Kita und wo etwa 26 Einfamilienhäuser entstehen könnten, präsentierte die Verwaltung am Dienstag in der Bezirksvertretung Nord.

Hintergrund für die neue Bauleitplanung, an der — wenn der Planungsausschuss zustimmen sollte — die Öffentlichkeit in Form einer Bürgeranhörung beteiligt werden soll, war ursprünglich ein CDU-Antrag. 2013 im Planungsausschuss eingebracht, zielte er darauf ab, dass „der Siedlungscharakter“ des reinen Wohngebiets durch Ein- oder Zweifamilienhäuser auf großzügig geschnittenen Grundstücken erhalten bleibt.

Soweit war das noch sehr im Sinne des Bürgervereins Kliedbruch, dem seit Jahren die zunehmende Zersiedlung des Ortsteils ein Dorn im Auge ist. Auch eine Neunutzung der Brachfläche, auf der einst die Filzbälle flogen, ist dem Verein willkommen. Aber die aktuellen Ideen beobachten Vertreter des Bürgervereins, des Krefelder Turn- und Sportvereins Preussen 1855 (KTSV), von Preussen Leichtathletik und der Schwimm-Vereinigung Krefeld 1972 (SVK) mit Sorge.

Aus ihrer Sicht wird der Ascheplatz sehrwohl noch benötigt. Und zwar vier Fünftel des Jahres lang, wenn der Rasenplatz der Hubert-Houben-Kampfbahn witterungsbedingt nicht zu nutzen ist. Der KTSV sei keinesfalls einverstanden mit einer Umsiedlung auf das Sportgelände Sprödental. „Warum sollten mehr als 20 Mannschaften umsiedeln, statt die Sprödental-Fläche zu vermarkten, auf der nur eine Mannschaft spielt?“, lautet die Frage der Vereinsspitzen.

Abgesehen von ihrer Ablehnung einer Wohnbebauung auf dem ehemaligen Gelände des Postsportvereins, Tennisklubs Schwarz-Gelb und Ascheplatzes befürchten die vier Vereine aber auf lange Sicht auch das Ende für die Hubert-Houben-Kampfbahn.

Eine voraussichtlich 4,30 Meter hohe, 110 Meter lange Lärmschutzwand zwischen der Sportanlage und den „sensiblen Nutzungen“, also den Wohnhäusern und dem Kindergarten, wären nach Ansicht der Verwaltung nötig. Die Bedenken der Vereinsvorsitzenden, die sich mit einem Schreiben an alle politischen Vertreter im Bezirk, aber auch weitere Verantwortliche in Politik, Verwaltung und im Stadtsportbund gewandt haben: Wenn es trotzdem Probleme wegen Lärmbelästigung geben könnte, stünde womöglich der Sportbetrieb auf der Hubert-Houben-Kampfbahn auch zur Disposition.

Dass die Hubert-Houben-Kampfbahn denkmalgeschützt sei, sieht KTSV-Präsident Albert Höntges nicht als Rettung. Das schütze vielleicht die Anlage, aber nicht den Verein. „Wenn die Abteilungen zerschlagen und zu einem Drittel hier und einem Drittel dort spielen und die Kinder, die bisher mit dem Rad kommen können, zum Sprödental fahren müssen, droht uns ein Mitgliederschwund“, so Höntges, „das könnte dazu führen, dass der drittälteste Verein Deutschlands sich nach 160 Jahren auflösen muss.“ Für seinen Kommentar gab es großen Applaus aus dem Publikum.

Vor der Kulisse Dutzender Sportler, die gestern zur Bezirksvertretungssitzung kamen, schlug Bezirksvorsteherin Gisela Klaer (SPD) vor, der Bürgeranhörung einen Runden Tisch mit Vertretern der Vereine, Fraktionen und Stadt vorzulagern. Einstimmig befürworteten alle Bezirksvertreter diese Empfehlung an die Verwaltung. Man wolle nichts befürworten, was die Sportvereine gefährde, sagte Jutta Pilat (FDP). Eine „ergebnisoffene Diskussion“ sei nötig, so Ralph-Harry Klaer (SPD).

Auf die Sorgen der Vereine hat auch der SPD-Kandidat für das OB-Amt, Frank Meyer, reagiert. Er werde sich für den Erhalt der Hubert-Houben-Kampfbahn einsetzen, schrieb er an den Bürgerverein Kliedbruch.

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