Opfer der Bombennacht: Das Schicksal der zweijährigen Margarethe

Opfer der Bombennacht: Das Schicksal der zweijährigen Margarethe

Eine Gedenkveranstaltung für die Opfer der Bombennacht 1943 findet in der St.-Anna-Kirche statt.

Inrath. In sechs Monaten jährt sich zum 70. Mal der schwere Bombenangriff auf die Stadt in der Nacht vom 21. zum 22. Juni 1943. Das ist der Anlass für eine Gedenkfeier am Sonntag, 23. Juni, in der St.-Anna-Kirche in Inrath. Bei der Veranstaltung wird auch an das Schicksal der zweijährigen Margarethe Papendell erinnert. Für sie wurde 2010 ein Stolperstein vor dem Haus Girmesdyk 5 verlegt. Dort, an der Inrather Straße, wohnten ihre Eltern und Geschwister. Im Gottesdienst soll ein Neffe von Margarethe, der bekannte Opernbariton Günter Papendell, singen. Oberbürgermeister Gregor Kathstede wird anschließend eine Rede halten.

St. Anna war die Gemeinde der katholischen Familie Papendell. Am Tag, an dem die letzten der 1000 Todesopfer der Bombennacht auf dem Hauptfriedhof in Krefeld beerdigt wurden, wurde in Waldniel der Totenschein für die behinderte Margarethe Papendell ausgestellt.

„Akute Herz- und Kreislaufschwäche“ bescheinigte der Anstaltsarzt Hermann Wesse als Todesursache für Margarethe. Im Gegensatz dazu geht aus den Akten hervor, dass die Zweijährige „körperlich völlig gesund“ war. Das stellte der Kempener Autor Andreas Kinast in seinem Buch „Das Kind ist nicht abrichtfähig…“ fest, das sich auf Dokumente der ehemaligen Heil- und Pflegeanstalt Waldniel stützt.

Jakob Papendell (75), ein Bruder, der heute in Australien lebt, hat das Mädchen als Sechsjähriger mit seiner in der Anstalt Mutter besucht. „Ich habe sie als fröhliches und lebhaftes Kind in Erinnerung.“

Er schildert seine Schwester als „ein hübsches und aufgewecktes Kind“. Einen Hinweis auf den Grund für Margarethes Einweisung lieferte ihre Schwester Rosemarie Mori, die 1947 geboren wurde. „Ich erinnere mich daran, dass zu Hause manchmal von einem jüdischen Jungen die Rede war.“

Jakob Papendell bestätigt Rosemaries Hinweis auf den jüdischen Jungen, den die Mutter möglicherweise versteckt hielt: „Mutter hat immer Butterbrote geschmiert für die Kinder, die hungerten. Irgendwas war da auch mit einem kleinen jüdischen Jungen.

Ein eingeheirateter Onkel hat meiner Mutter damit gedroht, sie bei der Gestapo anzuzeigen, wenn sie ihn weiter verstecke.“ Wahrscheinlich hat der Onkel diese Drohung wahr gemacht. Sowohl mit dem jüdischen Junge als auch mit der Behinderung von Margarethe hätte der Onkel die Familie bei den Nazis denunzieren können. Das würde erklären, warum Maragrethe in die Kinderfachabteilung gebracht wurde — wo sie schließlich starb.

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