Wahlkampf: Die OB-Kandidaten auf dem Prüfstand

Wahlkampf : Die OB-Kandidaten auf dem Prüfstand

Die Kandidaten sind auf Vorstellungstour. Beim Bürgerverein Kliedbruch sind ihre Aussagen noch „weichgespült“.

Krefeld. Bislang ist es nur ein Vorgeplänkel der drei Kandidaten für das Oberbürgermeisteramt im gut besetzten Gemeindehaus von St. Hubertus. Entsprechend sanft gingen sie miteinander um. Am Donnerstagabend hatte der Bürgerverein Kliedbruch anlässlich seiner Jahreshauptversammlung Thorsten Hansen (Grüne), Frank Meyer (SPD) und Peter Vermeulen (CDU) zum Bürgergespräch eingeladen.

Nur, dass die Bürger bis auf wenige Ausnahmen am Ende der Veranstaltung gar nicht zu Wort kamen, weil der Vorsitzende des Bürgervereins, Peter Gerlitz, das Gespräch ohne Zwischenfragen moderierte. Das gelang ihm im Stil einer Talkshow recht gut. Allerdings unterblieb das Nachfassen bei zu allgemeinen Aussagen.

Als die Kandidaten endlich einmal etwas aneinandergerieten und es spannend wurde, wechselte der Moderator das Thema. Dennoch konnten sich die Bürger einen guten Überblick darüber verschaffen, mit welchen Schwerpunktthemen die Politiker in den Wahlkampf ziehen wollen. Dann wird der Ton sicher schärfer werden.

Eines der Hauptziele aller drei Kandidaten ist die solide, selbstbestimmte Finanzierung des Haushalts. Allerdings sind die Wege dorthin verschieden. Vermeulen will sich mit den Sachthemen zunächst fachkundig machen und sich von einer Unternehmensberatung unterstützen lassen. Die Themen will er versachlichen, transparent machen und schnell entscheiden.

Meyer beabsichtigt, mehr die Bürger zu fragen, speziell aber die direkt Betroffen zu beteiligen. Hansen bezeichnet den bisherigen Umgang mit den Bürgern „erschreckend“, will diese einbeziehen und schneller entscheiden als bisher.

Ein Umdenken innerhalb der Stadtverwaltung und bei den städtischen Töchtern halten alle Kandidaten mehr oder weniger für unumgänglich. Hansen will der Verwaltung den „Stil der 1990er Jahre“ austreiben und sie modernisieren. Es könne nicht sein, dass 3000 Mitarbeiter der Verwaltung und ebenso viele in den städtischen Gesellschaften sich nicht als Einheit begreifen oder sogar gegeneinander agieren.

Auch Meyer will die Strukturen verbessern, Doppelfunktionen beseitigen, „an Häuptlingen sparen“ und mit Nachbargemeinden kooperieren. Vermeulen führt „gerne große Organisationen“, will durch starke Führung die Teamarbeit fördern.

Einzig Vermeulen distanziert sich von einer Erhöhung der Gewerbesteuern. Über eine Neuordnung der bisher durch die Wirtschaftsförderung gemanagten Ansiedlung von Unternehmen hat sich zwar keiner ausgelassen, aber alle wollen sich als erster Ansprechpartner an die Spitze des Gremiums stellen und die Kommunikation innerhalb der verschiedenen Behörden verbessern. Vermeulen fordert die Neuausweisung von Gewerbeflächen, Hansen weniger Logistikfirmen und mehr Neugründungen. Meyer will bevorzugt Altflächen recyceln.

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