Ideen zur Rettung der Rummelplätze in Krefeld lehnt Politik ab

Kirmesmärkte : Noch kein Konzept für Kirmes

Die Zukunft der Rummelplätze in den Stadtteilen ist bedroht. In der Bezirksvertretung Fischeln wurde diskutiert, wie man das ändern kann. Vorgelegte Ideen einer Event-Agentur fanden jedoch keine Zustimmung.

. Was wird aus der Stadtteilkirmes? Weniger Besucher, weniger Zuspruch. Schon seit Jahren ließen sich immer weniger Schausteller finden, so heißt es in einer Bestandsaufnahme der Stadtverwaltung, die in der Bezirksvertretung Fischeln zur Diskussion stand – wie auch ein Konzept der Uerdinger Event-Agentur Reinblick.

Die Attraktivität der Kirmes in den Stadtteilen habe abgenommen, von außerhalb gebe es kaum Bewerbungen mehr für den Rummel. So kämen immer wieder dieselben Schausteller, immer wieder dieselben Geschäfte. Eintönigkeit. Das Fazit: Die Vorort-Kirmes in ihrer jetzigen Form entspreche nicht mehr dem Zeitgeist. Sie habe nur noch eine geringe Überlebenschance.

In der Vorlage schreibt die Verwaltung von einem „gesellschaftspolitischen Megatrend der Individualisierung“, der zu beobachten sei. „Dem Zerfall traditioneller Bindungen steht eine zunehmende Selbstbestimmung des Individuums gegenüber.“ Das klingt nicht gut für die kleinen Jahrmärkte, die wie aus der Zeit gefallen scheinen.

Ein Drittel aller Volksfeste
ist vom Markt verschwunden

Peter Mertens, Leiter des Fachbereichs Zentraler Finanzservice und Liegenschaften, sagte im Fischelner Rathaus: „Seit 2000 ist ein Drittel aller kleinen Volksfeste vom Markt verschwunden. Es gibt ein Überangebot in der Freizeitgestaltung. Für 120 Euro fliegt man nach Mallorca. Im Sommer findet an jedem Wochenende quasi ein Stadtfest statt. Das ist eine große Konkurrenz.“

Ein weitere Aspekt: Laut Mertens buchen Großfahrgeschäfte in vier bis fünf Städten gleichzeitig, um dann sich kurzfristig für einen Standort zu entscheiden: „Sie gehen dahin, wo sie den größeren Profit erwarten und sagen mit teils dubiosen Begründungen ab.“ Schausteller ließen sich nur noch durch direkte Ansprache und großem Zeit- und Personenaufwand überzeugen.

Doch aufgeben wollen die Beteiligten den Kampf gegen Internet und Co. noch nicht. Mertens Schluss: Eine Kirmes müsse mit einer Ankerveranstaltung gekoppelt werden.

Zudem hat die Event-Agentur Vorschläge gemacht: Optische Umgestaltungen, freundlicheres Ambiente durch Dekorationen, der Jahreszeit angepasst – auch was die Speisen angeht. Zuckerwatte mit Foodtrucks oder saisonale Gerichte. Vielfalt, statt nur Bratwurst und Pommes auch mal Eis-Joghurt und Obst, Cocktails und Bier. Ein breiteres Angebot für alle Altersklassen verbunden mit Motto-Tagen.

Die Agentur sieht die hohen Preise und fehlende Attraktivität der Fahrgeschäfte als Hauptgrund dafür, dass immer weniger Menschen zu den Jahrmärkten tingeln. Reinblick sieht Aktivitäten wie Kistenklettern, Bobbycar-Bahnen oder Entchen-Angeln als weitere gute Ergänzungen.

Die Bezirksvertretung lehnte die Vorschläge jedoch ab. Jürgen Oppers (SPD): „Das Konzept sagt nicht viel aus. Teilweise ist es nicht an den realen Gegebenheiten orientiert.“ Zudem kritisierte er die Planer in der Verwaltung: „Gute Schausteller schließen die Verträge noch früher ab als ein halbes Jahr vorher.“ Helmut Höffken (FDP) sprach über das Konzept von „Banalitäten“, Anja Cäsar (Grüne) von „Belanglosigkeiten“. Kleine Einzelveranstaltungen können nicht mehr überleben. „Die Kirmes ist angezählt. Die Familie trifft sich nicht mehr beim Entchen-Angeln.“

Benedikt Lichtenberg (CDU) hob die Kombination von Schützenfest und Kirmes hervor: „Die Geselligkeit muss noch verstärkt werden.“

Die Bezirksvertreter wollen sich im Frühjahr zur näheren Beratungen mit der Verwaltung wieder zusammenfinden. Für 2019 sind auf den kleinen Kirmesplätzen also noch keine Veränderungen zu erwarten.

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