Pflastersteine als Hindernis

Ingo Vahrenhold sitzt im Rollstuhl und zeigt gemeinsam mit der CDU Hüls Barrieren im Stadtteil. Eine Hürde ist die Konventstraße.

Hüls. Das war knapp. Heike Vahrenhold zuckt zusammen und springt zu ihrem Mann Ingo. Der sitzt seit seinem zehnten Lebensjahr im Rollstuhl und hat eben versucht, die Konventstraße in Hüls zu überqueren. Die Räder seines grünen Rollstuhls sind in den tiefen Rillen des Kopfsteinpflasters hängen geblieben — fast wäre Ingo Vahrenhold umgekippt.

„Genau auf diese schwierigen Stellen wollte ich aufmerksam machen“, sagt der Hülser, mittlerweile sicher bei den glatten Steinen auf dem Bürgersteig angekommen. Gemeinsam mit der CDU Hüls hat er zu einer Besichtigung des Stadtteils geladen, um nicht-barrierefreie Ecken aufzuzeigen. Rund 20 Menschen sind gekommen — darunter auch Claudia Zegers mit Sohn Lenny (fünf Monate alt) im Kinderwagen und Ferdinande Strauß (85), die sich mit Rollator fortbewegt. Beide klagen über ähnliche Probleme wie Ingo Vahrenhold.

„In der Vertiefung am Rand der Konventstraße verkanten meine Räder“, sagt Strauß. Die Kuhle ist eigentlich als Abflussrinne für Regenwasser gedacht, wird für Behinderte aber zum Hindernis. „Das Pflaster auf dem Hülser Markt ist besser zu befahren“, weiß die 85-Jährige aus Erfahrung. Der Hülser Markt ist auch der nächste Punkt der Tour.

Auf dem Weg erwartet die Teilnehmer wieder eine Hürde: Blumenkübel eines Restaurants, die bis auf den Bordstein ragen. „Da kommt meine Tochter mit ihrem Therapierad nur schwer vorbei“, sagt Martina Clever-Delschen. Ihre Tochter Johanna (21) sei auch auf einen Rollator angewiesen.

Der nächste Vorschlag ist auch für Familie Clever-Delschen interessant: „Um die Konventstraße Richtung Hülser Marktplatz zu überqueren, könnte man Asphalt-Überwege schaffen“, sagt Ingo Vahrenhold. Zustimmendes Nicken von Ferdinande Strauß. „Das wäre eine Idee.“

Der Marktplatz selbst ist für Reifen jeder Art kein Hindernis. Er wurde in einem besonderen Verfahren nachverfugt — die Lücken zwischen den Steinen wurde so gefüllt. Das könnte auch eine Lösung für die Konventstraße sein. Allerdings eine nicht ganz günstige Variante: „Das würde rund 12 000 Euro kosten“, schätzt Jutta Kind-Brüggemann von der CDU.

Eine Schwierigkeit wäre damit allerdings nicht beseitigt. Rund um den Marktplatz ist eine rund zehn Zentimeter hohe Stufe — „Für mich unüberwindbar“, sagt Vahrenhold. Um vom Café Schoenen zur Apotheke zu kommen, müsste er außen um den Platz herum fahren. Es gibt zwar eine Absenkung, doch genau davor wurden Fahrradständer errichtet. „So ein Schwachsinn“, ruft eine Teilnehmerin.

Weiter geht’s zur nächsten Barriere. Die Bonhoefferstraße hat zwei Bürgersteige — die sind allerdings sehr schmal. Mit dem Kinderwagen von Söhnchen Lenny kann Claudia Zegers den Weg nicht nutzen — sie muss wie Ferdinande Strauß und Ingo Vahrenhold den Fahrradweg auf der Straße nehmen. „Man könnte aus der Bonhoefferstraße eine Spielstraße machen, dann dürfen offiziell alle Verkehrsteilnehmer die Fahrbahn nutzen“, schlägt Jutta Kind-Brüggemann vor.

„Doch was wird auch wirklich umgesetzt?“, diese Frage stellen mehrere Teilnehmer im Laufe der Besichtigungstour. „Erst einmal wollten wir auf die Problematik aufmerksam machen. In der nächsten Bezirksvertretung werden wir die Vorschläge in einem Antrag vorstellen“, antwortet Jutta Kind-Brüggemann.

So müssen wohl nicht nur Ingo Vahrenhold, Claudia Zegers und Ferdinande Strauß erst einmal weiterhin einen Hindernisparcours in Hüls überwinden.

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