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Oldtimer: Mit der Blechliesel auf Tour

Oldtimer : Mit der Blechliesel auf Tour

Als Wilfried Roth den alten Ford zum ersten Mal auf einer Messe sah, war er sofort verliebt — und der Wagen fährt noch richtig gut: Sogar den Großglockner hat er schon geschafft.

Krefeld. Er tritt vor den Wagen. Mit einem beherzten Griff nimmt er die Kurbel und zieht mit Schwung an. Der Motor fängt an zu brummen und zu schnurren. Dann nimmt er die Stufe und hinter dem großen Holzlenkrad Platz. Die Sonne scheint in das offene Gefährt, seine Frau setzt sich neben ihn, die Fahrt kann losgehen.

Oldtimer: Mit der Blechliesel auf Tour

Kurbel am Auto, Holzlenkrad — was sich anhört wie aus der Anfangszeit des vergangenen Jahrhunderts, spielt sich tatsächlich im aktuellen Jahr ab. Auf dem Hof der Familie Roth. Wilfried und Elisabeth Roth sind nämlich begeisterte Oldtimer-Fans. Mit ihren zwei Fords — der Tin Lissy von 1911 und dem Modell T 70 von 1925 — sind sie viel unterwegs.

Angefangen hat alles 2009, als Wilfried Roth die Tin Lissy auf einer Messe entdeckt hat. „Ich war sofort verliebt“, erinnert sich der 74-Jährige. Gleich habe er den Händler gefragt, was er für den Wagen wolle. Die Antwort: Das Auto ist nur ein Ausstellungsstück — und nicht verkäuflich. Im Laufe des Tages konnte Wilfried Roth den Händler aber doch noch überzeugen und den Wagen kaufen.

Zu Hause erzählte er dann seiner Frau, dass er ein Auto gekauft habe. „Als ich es gesehen habe, dachte ich zuerst, das sei ein Scherz“, sagt Elisabeth Roth. Doch die neue Leidenschaft ihres Mannes habe auch sie bald gepackt.

2013 kam noch der zweite Ford dazu. Wilfried Roth schraubt beinahe jeden Tag an einem seiner beiden Schmuckstücke. Vor allem bei schönem Wetter geht es dann auf die Straße. „Die beiden fahren noch richtig gut“, sagt er. Die etwa 60 Stundenkilometer, die die Wagen schafften, seien eine gute Reisegeschwindigkeit.

Mit anderen Oldtimer-Fans machen die beiden regelmäßig Touren: In die Alpen, an den Bodensee, bis auf den Großglockner seien sie schon gefahren. Bei schlechtem Wetter nutzten er und seine Frau öfter den schwarzen, geschlossenen Wagen. Der hat auch eine Ladefläche für Koffer. „Da drauf haben wir schon mal ein paar Tramper mitgenommen“, erinnert sich Elisabeth Roth. Mit denen hätte sich das Ehepaar kaum verständigen können. Für die jungen Reisenden muss es aber ein echtes Erlebnis gewesen sein.

„Fährt man an Leuten vorbei, freuen die sich richtig, so ein schönes, altes Auto zu sehen. Das ist ein tolles Gefühl“, sagt Wilfried Roth. Das bringe auch den einzigen Nachteil am Oldtimer-Fahren mit sich, der ihm einfällt. „Am Abend haben wir oft Muskelkater im Oberarm — vom vielen Winken“, sagt er lachend.