Ernst Schraetz: Den Vogelgesang im Garten, den Naturschutz im Kopf

Ernst Schraetz: Den Vogelgesang im Garten, den Naturschutz im Kopf

Ernst Schraetz kann nicht nur viele Preise und 44 Publikationen vorweisen, sondern auch seinen täglichen Einsatz für die Umwelt.

Krefeld-Hüls. „Das ist eine Centaurea cyanus“, sagt Ernst Schraetz und zeigt auf eine leuchtend blaue Kornblume in seinem Garten. Schulterhoch ranken hier die Blumen und Gräser durcheinander — der 80-Jährige kennt sie alle beim Namen. „Ich bin immer von Blumen umgeben“, sagt der Naturschützer, während er fast zärtlich mit der Hand über seine Pflanzen streicht. Auch die Tierwelt heißt er hier mit Vogelhäuschen und Tränken willkommen.

Aber nicht nur im eigenen Garten tut Ernst Schraetz etwas für die Umwelt: Der 80-Jährige ist Mitbegründer des Naturschutzbundes (Nabu) Krefeld-Viersen und hat im Laufe der Jahre unzählige Initiativen rund um das Hülser Bruch und den Hülser Berg gestartet. Er wird von der Krefelder Politik bei der Landschaftsplanung zu Rate gezogen und ist bereits mehrfach für sein naturkundliches Engagement ausgezeichnet worden — unter anderem mit dem Umweltschutzpreis der Stadt Krefeld und dem Bundesverdienstkreuz. „Die Erhaltung der Natur, unserer Lebensgrundlage, ist so wichtig, aber das wird bei der ganzen Technik manchmal vergessen“, sagt Schraetz bedauernd.

Der 80-Jährige selbst hat seine Liebe zur Natur bereits sehr früh entdeckt: „Nach dem Krieg, also als junger Mann, bin ich morgens oft mit meinem Lehrer gewandert und habe mir die Vogelstimmen erklären lassen“, erinnert er sich. Eben dieser Lehrer, der bekannte Hülser Ornithologe Theo Schreurs, habe ihm die langjährige Liebe zu den Vogelstimmen vermittelt: „Bis heute kann ich trotz meines Alters fast alle Stimmen noch hören und unterscheiden“, freut sich Schraetz. Wenn er durch das Hülser Bruch gehe, reagierten die Vögel sofort und fingen an zu singen. „Das ist wie im Märchenland“, sagt er mit leuchtenden Augen.

Diese Begeisterung für Tiere und Pflanzen will Schraetz in den vielen Vorträgen und Wanderungen, die er unter anderem für den Nabu, die Volkshochschule und den Naturwissenschaftlichen Verein Krefeld leitet, vermitteln. Fein säuberlich hat der 80-Jährige jede seiner vielen Aktivitäten notiert. Trotzdem kann er die Gesamtzahl der von ihm geleiteten Wanderungen aus dem Kopf nennen: „Seit 1975 waren das fast 800 Stück und damit rund 16 000 Teilnehmer, denen ich die Natur näher gebracht habe“, erzählt er und lächelt zufrieden.

Über Jahre hinweg hat Schraetz seinen Einsatz für den Naturschutz mit seiner Sechs-Tage-Woche in der Zeche Niederberg in Neukirchen-Vluyn kombiniert. 1982 legte er seine Arbeit dann vorzeitig nieder, um sich ausschließlich dem Naturschutz widmen zu können. „Ich dachte: mach noch mal etwas Vernünftiges, mach Naturschutz und mach ihn kostenlos“, erzählt Schraetz. Bis heute ist der Einsatz des Krefelders ungebrochen: Ob nun durch sein Solardach, den großen Nutzgarten, seinen aktiven Einsatz im Hülser Bruch an zwei Tagen in der Woche oder die Wanderungen, die er immer noch in Krefeld und der Rhön leitet — Schraetz treibt immer noch an, was ihn 1976 zur (Mit-)Gründung des Nabu Krefeld-Viersen veranlasst hat: Dass er so oft beobachtet, wie der Natur geschadet wird. „Ohne den privaten Naturschutz sähe es furchtbar aus in der Bundesrepublik, davon bin ich überzeugt.“

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