Der neue Kaplan bringt frischen Wind

Der neue Kaplan bringt frischen Wind

Thorsten Obst kommt aus Jüchen und stammt aus einer Bäcker-Familie. Er meint, der Zölibat solle freiwillig sein.

Krefeld-Hüls. Thorsten Obst ist der neue Kaplan an St. Cyriakus. Ostern empfing er die Priesterweihe. Danach feierte er seine Primiz, seine erste Messe, am Heimatort Jüchen-Hochneukirch. In Hüls wohnt er erst seit kurzem. Doch hat Obst schon einen guten und umfassenden Eindruck von seiner Arbeit gewonnen. Allein neun Hochzeiten stehen bis September in seinem Terminkalender. An Arbeit mangelt es also nicht. "Ich bin selbst gespannt und offen für alles, was mich hier in den nächsten vier Jahren erwartet", sagt er.

Obst ist bereits 39 Jahre alt. Es gibt jüngere Kapläne. Doch der Geistliche hat sich die Entscheidung, Priester zu werden, nicht leicht gemacht. "Ich wusste nicht, ob ich dem Beruf gerecht werde. Sollte ich vielleicht doch heiraten?", fragte er sich damals. "Es war ein inneres Abwägen zwischen Familie und Kirche." Während er seine Diplomarbeit schrieb, hat sich der Priesterkandidat deshalb beurlauben lassen.

Dass der Vater krank wurde, kam hinzu. In der elterlichen Bäckerei hat Obst dann den Part des Geschäftsführers übernommen und oft auch die Brötchen, die sein Bruder buk, ausgefahren, bis er sich dann doch wieder in Aachen meldete. Jetzt steht seine Doktorarbeit mit dem Titel "Das Heilige und das Denken" kurz vor der Veröffentlichung.

Obst denkt, dass sich die Glaubenslehre verändern, dass es die klassische Volkskirche in 20 Jahren nicht mehr geben wird. "Wallfahrten, wie ich sie gerade mit Pfarrer Paul Jansen und anderen Gläubigen nach Kevelaer unternommen habe, werden seltener", prophezeit er. "In Zukunft wird es wichtig sein, Grundkenntnisse zu vermitteln." Kirche müsse den Menschen Räume und Anlaufpunkte geben, damit sie bleiben können, wie sie sind. "Sie müssen zu Fehlern und Stärken stehen können, sich nicht verstellen müssen."

Zu den Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche sagt er, dass sie in allen Berufsgruppen vorkommen, die mit Kindern zu tun haben. "Es werden Leute angezogen, die so veranlagt sind. Vor ihrer Einstellung muss genau geprüft werden. Der moralische Anspruch ist hoch." Seine Meinung: "Ich wäre nicht böse darüber, den Zölibat freizustellen."

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