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WZ-Mobil in Fischeln: WZ-Mobil: Wenn Nachbarn in den Garten gucken

WZ-Mobil in Fischeln : WZ-Mobil: Wenn Nachbarn in den Garten gucken

Die geplante Bebauung an der Wedelstraße ruft die Anwohner auf den Plan: Sie wollen sich gegen das Projekt eines Investors wehren.

Krefeld. Die geplante Bebauung an der Wedelstraße stößt bei den Nachbarn im Wohnviertel auf Kritik. „Gegen Neubauten gemäß dem derzeit gültigen Bebauungsplan wäre sicherlich nichts Wesentliches einzuwenden“, sagt Michael Kuhlmann. „Mit Blick auf die vom Investor angestrebten vergrößerten Dimensionen allerdings stellt sich mir die Frage, ob es nicht sinnvoller wäre, die aus Stadtplanersicht offenbar erwünschten zusätzlichen Wohneinheiten im Bereich neu entstehender Fischelner Wohngebiete zu erstellen.“

Die dortigen, selbst neu zuziehenden Anwohner wüssten dann von vornherein, woran sie sind, argumentiert Kuhlmann. Anders sei der Fall in dem gewachsenen Viertel: Dort würden sich Anwohner überraschend mit einem Zustand konfrontiert sehen, der definitiv den Wohnwert mindert.

„Gegen eine Bebauung nach dem gültigen Plan, der Eingeschossigkeit vorsieht, ist ja nichts einzuwenden“, sagt Marianne Fischer. „Aber da werden luxuriöse Wohnungen entstehen.“ Die Preise seien für eine alte Oma nicht zu finanzieren, glauben die Nachbarn.

Herbert Schütz: „Unsere ganze Siedlung ist freundlich und auf Grün bedacht. Alles, was wir nach hinten an Grün haben, wird genommen.“ Wir leben im Zentrum, aber sind trotzdem außen vor. Das Grüne, die Zusammengehörigkeit und das Kleinteilige macht der Bauträger kaputt.“

„Auf der Wolfersstraße und Wedelstraße wird sich ein unheimlicher Verkehr entwickeln“, befürchtet Marianne Fischer. Der entstehe nicht nur durch die Innenbebauung mit 21 Wohneinheiten und 43 Tiefgaragenplätzen, sondern auch durch den Umbau der Haltestellen. Dadurch würde die Wedelstraße zur Ausweichroute, glauben die Anwohner.

Herbert Schütz: „Die Erschließung der drei Blocks ist völlig ungeklärt. Es kann da keinen Begegnungsverkehr geben.“ Platzprobleme werde auch schon die Baustelle verursachen: „Wie soll das gehen auf dem engen Raum? Ich denke, das wird ein arges Problem.“

Hubert und Toni Thömmes bewegt vor allem die Be- und Entlüftung der Tiefgarage: „Wir fürchten den Lärm und Gestank“, sagt das Ehepaar: „Was wir nicht wissen ist, ob es eine oder mehrere Entlüftungen gegen wird.“

Die Höhe des Neubaus bedrückt sie dagegen nicht. „Wir hatten schon eine Fällgenehmigung für unseren Lebensbaum, aber jetzt lassen wir ihn stehen“, sagt Toni Thömmes. Angesichts der „hässlichen Garagen“, über die die Nachbarn bisher immer weggeguckt hätten, sei er „froh über eine Bebauung — in normaler Höhe“, fügt er hinzu.

Die verdichtete Bebauung in dem Innenbereich, an den alle Gärten angrenzen, bekümmert Anwohnerin Martina Hackstein: „Da wird mehr als das Doppelte des üblichen und bisher erlaubten gebaut.“ Statt zehn Einfamilienhäuser auf dem 2800 Quadratmeter großen Grundstück zu bauen, soll der Bebauungsplan so geändert werden, dass dort drei Blöcke mit je zwei Voll- und einem Staffelgeschoss für 21 Wohneinheiten entstehen.

„Der Investor kann doppelt so viel Geld aus dem Grundstück herausholen“, sagt Hackstein. „Aus dem Obergeschoss sind alle Gärten bis in den letzten Winkel einsehbar. Drei Meter neben meinem Grundstück steht dann der zehn Meter hohe Block.“ Und Emil Hackstein ergänzt, dass die neuen Häuser Schatten auf die alten Grundstücke werfen würden.

„Die Privatheit in all unseren Gärten ist dann vorbei“, sagt Matthias Teipel. „Es kann ja nicht sein, dass einer den Vorteil hat und alle anderen den Schaden davontragen.“ Gerd Ingenlath ergänzt, dass man sich nicht gegen eine Bebauung generell wende: „Aber nicht dieser Klotz.“

Auch Anneliese Kuhlmann fürchtet die Höhe der Bebauung und den ungehinderten Blick der neuen Nachbarn in ihren Garten. „Ist der Investor berechtigt, die höhere Bauweise zu fordern?“, fragt sie.

Björn Scherlöpp sieht wie alle anderen die massive Bebauung als Problem, aber auch die Verkehrsanbindung. Feuerwehrfahrzeuge hätten keine Wendemöglichkeit auf einer einspurigen Straße, und zu mehr reiche der Platz nicht. „Wie die Häuser jetzt angeordnet wurden, ist ein Drehen da nicht möglich.“ Schon jetzt könne man bei den Müllfahrzeugen beobachten, dass die Straße viel zu schmal sei.

Deutlich wird, dass die Anwohner, von denen sich viele machtlos fühlen, das Vorhaben nicht widerstandslos akzeptieren wollen. „Ich bin Anwalt, ich klage immer“, sagt Teipel mit einem Augenzwinkern: „Wir lassen und das nicht gefallen — und wir sind kampfeslustig.“

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