Umbau: Wohnen im 400-jährigen Denkmal

Umbau: Wohnen im 400-jährigen Denkmal

Nach der Sanierung öffnen die Besitzer „Gut Damen“ in Fischeln.

Krefeld. Das Haus atmet Geschichte - jedenfalls für den, der empfänglich dafür ist. Und die meisten der geladenen Gäste, die am Samstag in Fischeln das umgebaute Damen Gut an der Dohmenstraße 73 besichtigten, waren empfänglich dafür. Gastgeber waren Bauherrin Elga Lehari-Reichling und ihr Ehemann Robert Reichling.

Sie boten ein fein abgestimmtes Programm: Zunächst versammelten die Besucher sich in der Scheune und hatten schon hier einen Blick auf ziemlich alte Deckenbalken. Die erste urkundliche Erwähnung datiert aus dem 16. Jahrhundert: "Damen Gut, 1594 der Kirche zinspflichtig." Und das bedeutet, dass das Gut schon länger existieren musste, denn es warf ja einen ordentlichen zu versteuernden Betrag ab.

"Wahrscheinlich ist das Haus noch viel älter", vermutete auch Christoph Dautermann vom Museum Burg Linn, der eine Gruppe durch das alte Gebäude führte. Er hielt zudem einen Vortrag über die niederrheinischen Bauernhäuser und deren Ständerkonstruktion. In "Gut Damen" ist zu sehen, wie man die Geschichte eines Hauses sichtbar macht und zugleich moderne Anforderungen an das Wohnen verwirklicht: Die 400Jahre alten Balken und Sparren sowie eine historische Giebelwand sind zum Teil freigelegt. Und die rabenschwarze Räucherkammer verströmt immer noch ihren charakteristischen Geruch.

Dadurch wird die alte Bausubstanz zum gestalterischen Element des Hauses. Eigentlich sollte das alte Haus abgerissen werden. "Doch dann haben wir entdeckt, was sich hinter dem Krempel und unter den Spinnenweben verbirgt", sagt Elga Lehari-Reichling. Jetzt ist "Gut Damen" ein Denkmal. Erst wurde sorgfältig geplant, dann neun Monate lang restauriert und saniert - und dann zwischendurch wieder neu geplant: Die alte Giebelwand sollte erhalten werden, ein neues Konzept für Schlaf- und Badezimmer musste her. Der Erhalt des Alten bringt Kompromisse mit sich: Duschen geht wohl nur für Menschen bis 190 Zentimeter.

Bei der niederrheinischen Kaffeetafel gab es viel Lob für diesen Umbau. Und der Gedanke "Denkmalpreis" schwirrte schon mal so durch den Raum.

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