Tannenmarkt: Geschnitzte Handarbeit aus dem Hobbykeller

Tannenmarkt: Geschnitzte Handarbeit aus dem Hobbykeller

Krefeld. Hans Joachim Knetsch lächelt. Erst seit 20 Minuten hat der traditionelle Fischelner Tannenmarkt gegenüber dem Bad am Stadtpark geöffnet und schon haben zwei seiner geschnitzten Figuren den Besitzer gewechselt.

„Scheinbar fehlten jemandem noch Schafe in der Krippe“, sagt der 63-Jährige.

Knetsch ist zum ersten Mal als Verkäufer zum Tannenmarkt gekommen. Sechs Wochen zuvor hat er mit der Produktion seiner Schnitzkreationen begonnen, dabei etliche Stunden investiert. „Meine Frau hat geputzt, während ich den Keller aufgeräumt habe. Als ich fertig war, habe ich gedacht: Bevor ich jetzt nach oben gehe und beim Putzen helfen muss, suche ich mir lieber eine Beschäftigung im Keller. So hat das Ganze angefangen“, erzählt der Rentner mit einem Augenzwinkern.

Klein, aber fein — so kann man den Weihnachtsmarkt auf dem Gelände eines Autohändlers bezeichnen. „Genau darin liegt doch der Charme“, findet Angelika Fister, die mit ihren Enkelkindern nach einem geeigneten Weihnachtsbaum Ausschau hält.

Viele Menschen nutzen die Gelegenheit, nach Glühwein und Bratwurst das passende Nadelgewächs mitzunehmen. „Wir sind mit dem Umsatz sehr zufrieden“, bestätigt einer der Händler. Begleitet wird das vorweihnachtliche Treiben von den Musikern der Fischelner Bläserschule.

Andächtig lauschen die Besucher den Klängen aus Saxophon und Flöte. „Stille Nacht“ schallt ebenso über den Platz wie „Süßer die Glocken nie klingen“. Überall versammeln sich Menschen zu Grüppchen und unterhalten sich. Die Besitzer der zahlreichen Buden mit Christbaumschmuck oder selbst genähten Kissen freuen sich über Kundschaft. Trotz der angrenzenden Hauptstraße ist es idyllisch und familiär.

„Wir brauchen zehn Esslöffel Zucker auf vier Esslöffel Orangensaft und einen Esslöffel Zitronesaft“, erklärt Evelyn Matter. Die Sozialpädagogin des Fischelner Jugendzentrums stellt gemeinsam mit Liza und Chiara Bonbons her. Dafür erhitzen sie das Gemisch, bis ein leicht zäher Brei entsteht. Dieser wird dann in Formen aus Zucker gegossen und zur Aushärtung gebracht. „Okay, die sind nicht wirklich zahnfreundlich, aber lecker allemal“, sagt Matter und lacht.

Immer mehr Neugierige wollen sehen, wie die Leckereien entstehen. So mancher verspricht begeistert, es zu Hause mit den eigenen Kindern ausprobieren zu wollen. Hans Joachim Knetsch kommt unterdessen aus dem Erklären gar nicht mehr heraus. Ständig möchten die Leute Näheres zu seinen Figuren wissen. Bis zu zwei Stunden brauche er alleine, um die fertigen Holzstücke zu schleifen und zu polieren. Davor muss er in mühevoller Kleinarbeit alle Segmente zurecht sägen und zusammensetzen. „Man darf die Stunden gar nicht zählen“, sagt er. „Es macht einfach Spaß.“

Verkauft wird seine Handarbeit für 20 bis 30 Euro. „Pro Stück macht das einen Stundenlohn von etwa einem Euro.“ Ob Maria, Josef, Ochse oder Esel, an alle Figuren der Weihnachtsgeschichte hat Knetsch gedacht. „Es ist toll, dass man die Menschen mit dieser Arbeit so begeistern kann“, sagt er sichtlich zufrieden.

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