Mit Wöchnerinnen fing es an

Der Verein für Haus- und Krankenpflege wird 50Jahre alt. Er ist der älteste seiner Art.

Krefeld. Der älteste Pflegedienst seiner Art in Deutschland wird 50: Im November 1958 wurde in Krefeld der Verein für Haus- und Krankenpflege gegründet, der zunächst die ambulante Pflege für "Wöchnerinnen" anbot. Inzwischen ist er der größte gemeinnützige und konfessionell ungebundene Träger von Pflegedienstleistungen in Krefeld, vor allem für alte Menschen, mit "Essen auf Rädern" und einem 24 Stunden besetzten Hausnotruf.

Von der Zentrale am Dießemer Bruch aus leistet der Verein seine Dienste mit täglich rund 200 Mahlzeiten, 100 zu betreuenden Pflegefällen und 100 Notrufanschlüssen. Die Initialzündung dazu kam vom damaligen Sozialdezernenten Walter Nettelbeck (1901 - 1975), der eine ambulante Pflege vorschlug.

Er begeisterte vier Krefelder zur Vereinsgründung: Magdalene Schwietzke, die dann erste Vorsitzende wurde, die spätere Ehrenbürgerin Lore Cattepol, die Ärztin Dr. Anny Frerk, Annemarie Paulsen und Rechtsanwalt Gottfried Teipel. Schon drei Wochen später, am 1. Dezember 1958, startete der Verein mit drei Pflegerinnen seinen ambulanten Pflegedienst.

Als Magdalene Schwietzke 1961 bei einer Reise durch Großbritannien die Aktion "meals on wheels" kennenlernte, wollte sie das sofort nach Krefeld übertragen. Spontan beschloss der Vorstand, die Initiative "Essen auf Rädern" für Krefeld zu gründen, die im Oktober 1961 startete und 48 Personen täglich mit einer warmen Mahlzeit versorgte. Das erste Menü kostete 1,50 D-Mark. Damit lief die erste mobile Versorgungseinrichtung dieser Art in der Bundesrepublik.

Inzwischen fahren die weißen Fahrzeuge des Dienstes rund 100000 warme Mahlzeiten pro Jahr an alte und bedürftige Menschen in der Stadt Krefeld aus. Von Anfang an war es Ziel des Vereins, den pflegebedürftigen Menschen in den Mittelpunkt zu stellen. Geschäftsführer Karl Heinz Nöding : "Der alte Mensch soll ein möglichst selbstbestimmtes Leben führen können."

Der größte Teil der Kunden sind wie bei der ursprünglichen "Wöchnerinnen"-Betreuung inzwischen wieder Frauen. Nöding: "Viele ältere Frauen sind nicht mehr in der Lage, sich selbst zu versorgen, weil die Witwenrente gering ist, die Lebenskosten steigen und Zuzahlungen bei Krankheit zu leisten sind."

Der Verein ist auf Spenden angewiesen. Dafür hatte der ehemalige Bürgermeister Heribert Ridders schon früh eine Idee: Er organisierte mit der von ihm geleiteten Bürgergesellschaft Stadtmitte die Veranstaltung "Wohltun und Freude spenden" zur Karnevalszeit, die Humor und Spenden auf jeweils hohem Niveau garantiert.

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