Gewerbe: Nichts geht ohne Meerbusch

Gewerbe: Nichts geht ohne Meerbusch

Der Entwurf des Regionalplans zwingt Krefeld und die Nachbarstadt zurzeit an einen Tisch. Das ausgewiesene Gebiet ist Politikern zu klein.

Fischeln. Mehr Gewerbeflächen, mehr Unternehmen und damit höhere Steuereinnahmen: Das ist der klassische Dreiklang in der kommunalen Wirtschaftswelt. Entsprechend groß ist deren Interesse an zusätzlichen Flächen. Alleine kommt Krefeld da im Augenblick nicht weiter: Im Entwurf des Regionalplans zwingt die Bezirksregierung (BR) die Städte Krefeld, Meerbusch und ursprünglich auch Willich an einen Tisch.

Für Meerbusch erkennt das Land insgesamt einen Gewerbeflächenbedarf von 39 Hektar, für Krefeld 198 Hektar an. „Um den kommunalen Bedarf decken zu können, wird gemeinsam mit Meerbusch ein interkommunales Gewerbegebiet südlich der A 44 vorgesehen“, heißt es im Regionalplanentwurf. Insgesamt könnten sich im Osterather Mollsfeld III auf etwas mehr als 80 Hektar Fläche Gewerbe und Industrie ansiedeln.

Beide Kommunen würden mit diesem interkommunalen Gewerbegebiet Neuland betreten. Eine Gesellschaft muss gegründet, Kauf, Erschließung, Vermarktung und Gewerbesteuerverteilung — alles muss geregelt werden, und „so viele Vorlagen gibt es dafür nicht“, sagt der Meerbuscher Partei- und Fraktionschef Werner Damblon. Die Partner müssten sich auf Augenhöhe begegnen, heißt es in Meerbusch. Konfliktpotenzial gibt es, aber „wenn wir jetzt Nein sagen, bekommen beide Seiten gar nichts“.

Jürgen Wettingfeld, stellvertretender Vorsitzender der Krefelder CDU und Planungsexperte, sieht das ähnlich. „Egal, wie man es entwickelt, jeder profitiert vom anderen.“

Doch Krefeld genügt das interkommunale Gebiet nicht. Es will zusätzlich Flächen nördlich der A 44 auf eigenem Stadtgebiet. „Natürlich mit einem angemessenen Abstand zur Wohnbebauung Fischeln-Süd-West“, sagt Wettingfeld. „Wir brauchen mehr Platz, als die Bezirksregierung annimmt. Das ist der springende Punkt.“

Jürgen Hengst, SPD-Planungspolitiker, geht es nicht nur um mehr, sondern auch um die Größe der Flächen. Man brauche Flächen im Verbund, um die Konkurrenz auszuschließen. Das interkommunale Gewerbegebiet hält er für ein „unseliges Verfahren“. Es sei eine „Unwucht“ darin. Planungshoheit habe nur die Kommune, auf deren Gelände das Gebiet liege.

Die Krefelder Grünen können sich mit dem interkommunalen Gewerbegebiet hingegen anfreunden. „Wir folgen der Linie, nicht jeder Kommune noch 100 Hektar extra zur Verfügung zu stellen“, sagt deren Wirtschaftsexperte Thorsten Hansen. Auch die Grünen wollten neue Ansiedlungen, „aber ebenso in bestehenden Nutzungen. Das ist gewiss schwieriger.“

Willich, ursprünglich mit im Boot, haben die beiden potenziellen Partner vor die Tür gesetzt. Die Stadt kann laut Entwurf ihren Bedarf komplett in Münchheide decken. Warum, fragen sich Politiker auf Krefelder und Meerbuscher Seite, solle man die Kollegen dann auch noch am Mollsfeld ins Boot holen?

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