Der Höhenflieger aus Fischeln

Fabian Vogel ist gerade mal 13 Jahre alt, hat aber schon einen Deutschen Meistertitel.

Krefeld. Die Schule ist geschafft, die Hausaufgaben sind erledigt. Jetzt könnte es endlich auf den Bolzplatz gehen. Doch weit gefehlt: Der 13-jährige Fabian Vogel hat ein viel ausgefalleneres Hobby, bei dem Höhenangst definitiv fehl am Platz ist.

Der für den Neersener TB startende Krefelder steigt mit einer Selbstverständlichkeit auf das mit 4,30 Meter große Trampolin, die den Zuschauer staunen lässt.

Darauf springt er in luftige sechs Meter Höhe, bis kurz unter das Hallendach und vollführt mit Leichtigkeit Übungen wie Rückwärts- und Vorwärtssalti, die mit Schrauben und Streckungen kombiniert werden.

So erturnte er sich auch Anfang Oktober mit seinem Partner Matthias Pfleiderer aus Immenstadt den Deutschen Meistertitel im Synchronspringen der Schülerklasse (12 bis 14 Jahre). Aufgewertet wird das Ergebnis noch durch die Tatsache, dass das Springerpaar erst kurz vor den Wettkämpfen anfing, zusammen zu trainieren. Im Einzelwettbewerb reichte es dieses Mal leider nur zu einem sechsten Rang. "Aber nächstes Jahr ist Platz eins das klare Ziel!"

Mit diesen Erfolgen war die Berufung in den deutschen Nationalkader der Höhepunkt der Saison. Es ist das Ergebnis jahrelanger Arbeit, bei der ihn seine Familie stark unterstützte. Denn schon mit sechs Jahren fing Fabian an - nach diversen Testversuchen in anderen Sportarten - auf dem Trampolin zu turnen.

Um aber im Leistungssport richtig erfolgreich zu sein, erfordert es höchste Disziplin, denn neben seinem Alltag in der Montessori Schule Krefeld, ("Die Schule kommt manchmal zu kurz."), muss er sich drei- bis viermal in der Woche für zweieinhalb Stunden im Vereinstraining schinden.

Zusätzlich findet noch das Stützpunkttraining für den Bundeskader statt. Letztendlich sind die 20 bis 25 Wettkämpfe pro Saison ausschlaggebend, bei denen er sich für höhere Aufgaben präsentiert. Und das alles mit sehr geringer finanzieller Unterstützung. Denn Sponsoren- und Fördergelder sind spärlich gesät. "Wir sind leider nur eine Randsportart", sagt Fabians Vater Achim.

Fabian ist damit der wichtigste Baustein in einem auf eigene Kosten arbeitenden Familienunternehmen, in dem die Mutter die Reisen organisiert und der Vater den Job des Trainers innehat.

In der letzten Saison legte Familie Vogel rund 10 000 Kilometer mit ihrem Privatauto für den Sport zurück. Aber die Berufung in den Nationalkader zeigt, dass sich die Kosten und Mühen lohnen. Denn nächstes Jahr winkt dem hoffnungsvollen "Youngster" die Berufung für die Trampolin-Weltmeisterschaft in St.Petersburg/Russland. "Mein großer Traum sind die Olympischen Spiele", verrät Fabian.

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