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Die Yacht von Hermann Göring lag in den 50er Jahren als Kriegsschiff im Uerdinger Rheinhafen.

Buchprojekt : Prinz Charles liebte die Kombüse

Die Yacht Carin II war im Besitz von Hermann Göring. Ein Hamburger Autor schreibt die bewegte Geschichte des Schiffes auf, das einige Prominente nach Krefeld brachte.

Manchmal wird man einen Makel nicht mehr los. Bei dem Namen Karl-Theodor zu Guttenberg fällt einem die gefälschte Doktorarbeit ein, der ehemalige Limburger Bischof Tebartz-van Elst wird wohl zeitlebens mit dem protzigen Bischofshaus in Limburg assoziiert. Auch der Yacht Carin II haftet ein Makel an. Sie war im Besitz einer Nazi-Größe. 1937 wurde das Schiff auf Wunsch von Hermann Göring gebaut, der in den zwei Jahren bis zum Kriegsausbruch mit der Yacht durch die Gegend fuhr.

„Man weiß, dass das Boot Göring gehört hat. Das hat für manche Menschen einen merkwürdigen Reiz“, sagt Gerhard Klußmeier, der die Geschichte der „Carin II“ recherchiert hat. Mit Hilfe von Zeitzeugen, Unterlagen und Fotos aus Privatarchiven rekonstruiert er, in welchen Gewässern das Schiff in den vergangenen 80 Jahren unterwegs war.

Als Flaggschiff der britischen Rheinflotte unterwegs

In mehreren Kapiteln widmet sich Klußmeier der „Carin II“ als Flaggschiff der britischen Rheinflotte mit Basis in Krefeld. Unter britischer Flagge und mit neuen Namen ging die „Royal Albert“ nach dem Zweiten Weltkrieg auf Erkundungsreisen auf dem Rhein, unter anderem nach Koblenz, nach Holland und in die Schweiz. Die Einheit der Royal Navy war auch verpflichtet, militärische Vorbereitungen für den Fall eines möglichen Angriffs durch sowjetische oder Warschauer Paktkräfte zu treffen.

Dabei hat das Schiff zahlreiche Prominente an Bord gehabt. Klußmeier lässt Zeitzeugen wie den Koch auf der „Royal Albert“ über Besuche von Konrad Adenauer, des Ehepaares Mountbatton und der Familie Benson & Hedges berichten. Die Tochter des britischen Kapitäns Roddie Casement, Elisabeth Howard, steuert Auszüge aus dem Tagebuch ihrer Mutter bei: „Ich wartete mit nervöser Spannung auf ihn, als der Prinz ganz plötzlich durch die Tür kam. (…) Zuerst war ich gar nicht sicher, dass es Prince Philip war, da er nicht so groß war, wie ich erwartet hatte, aber er zeigte sich deutlich sehr stolz auf sich selbst. Denn er war so schnell auf der Autobahn gefahren, dass seine Begleitung es nicht geschafft hatte, mit ihm Schritt zu halten.“

In den fünfziger Jahren gaben sich die führenden Vertreter der britischen Gesellschaft auf dem 1951 umbenannten Schiff „Prince Charles“ die Klinke in die Hand. Wiederholt kam Prinzessin Margaret an Bord. Sie musste häufig in Vertretung ihres Vaters und ihrer Schwester Elizabeth repräsentative Aufgaben in Deutschland wahrnehmen. Von Prince Charles, dem Namenspatron des Schiffes, ist überliefert, dass er gern an Bord war. Das Kind hielt sich am liebsten in der Kombüse auf, wo es dem Koch begeistert beim Kartoffelschälen zur Hand ging.

In Krefeld ist die Yacht „Prince Charles“ auch an der Rettungsaktion nach der Hollandsturmflut im Jahr 1953 beteiligt. Bei der schwersten Nordsee-Sturmflut des 20. Jahrhunderts stieg die Nordsee in der Nacht vom 31. Januar auf den 1. Februar aufgrund einer Springflut und eines schweren Sturms bei Hoek van Holland auf 3,85 Meter. Normalerweise lag der Wasserstand bei 80 Zentimetern. Die Rheinflottille unter Kapitän Casement machte sich auf den Weg nach Holland, wo die Mannschaft 560 Menschen das Leben retten konnte.

Mitte der fünfziger Jahre geht die Zeit in Krefeld-Uerdingen für das Schiff zu Ende: Die Bundeswehr übernahm 1956 die britischen Rhein Flottille und ihre Schiffe. Bereits zwei Jahre später wird sie mit der Begründung „nicht benötigt“ ausgemustert. Nach Angaben von Klußmeier begannen langwierige Verhandlungen zur Rückgabe an die Witwe und Erbin von Hermann Göring.

Ein weiterer Besitzer war Stern-Reporter Gerd Heidemann, der durch die Veröffentlichung gefälschter Hitler-Tagebücher in Erinnerung bleibt. Ende der achtziger Jahre gerieten neue Besitzer mit dem Schiff in Libyen unter Muammar al-Gaddafi in Gefangenschaft. Zurzeit liegt die Yacht in El Gouna in Ägypten, wo sie restauriert wird.

Mit dem Buch will Klußmeier zeigen, dass die „Carin II“ viel mehr als nur das Boot von Hermann Göring war. „Es ist ein einmaliges Schiff und Zeugnis deutscher Schiffsbaukunst. Das gibt es kein zweites Mal“, sagt Klußmeier. Darüber hinaus ist die Yacht ein Zeuge deutscher Geschichte.