Die Mieten auf der Von-Steuben-Straße steigen

Immobilien : Steigende Mieten im Westbezirk

Anwohner an der Von-Steuben-Straße klagen über immer höhere Kosten und mangelnde Sanierungen.

Eine ruhige Lage, rückwärtige Gärten und eine freundliche Nachbarschaft. Die Von-Steuben-Straße im Krefelder Westbezirk hat so einiges zu bieten. Der Komplex, bestehend aus ehemaligen Offiziershäuser der belgischen Besatzer stammt aus den 1920er-Jahren, besitzt Tradition. Vor etwas mehr als vier Jahren berichtete unsere Zeitung über anstehende Luxussanierungen im Bereich des belgischen Viertels. Anwohner befürchteten einen Anstieg der Mietpreise, pochten darauf sich nicht „raussanieren zu lassen“. Unterstützung gab es damals aus der Politik.

Im Jahr 2018, vier Jahre später, steht Dave Leverenz mit verschränkten Armen vor seiner Wohnung an der Von-Steuben-Straße. Die Befürchtungen sind wahr geworden. Er sagt: „Ja, die Mieten sind explodiert.“ Leverenz stieß vor kurzem auf den damaligen Artikel der WZ. Beim stöbern durch das Internet zog das Thema seine Aufmerksamkeit an. Der Familienvater ist erst im April 2018 an die Von-Steuben-Straße gezogen. Anders als ein Großteil der Wohnungen befindet sich seine Stätte in privater Hand, Eigentümer vieler Wohnung ist die Hausverwaltung Gebrüder Erdtmann mit Sitz auf der Uerdinger Straße. Das Unternehmen hatte in den letzten Jahren einige Immobilien auf der Von-Steuben-Straße übernommen.

Der Bund war lange Zeit Eigner der 100 Jahre alten Häuser

Lange Zeit war der Bund Eigner der fast 100 Jahre alten Häuser und bot in Form der Deutschen Bau- und Grundstücks AG (BauGrund-Gruppe) Objekte in jenem Bereich an. Im Verkaufsverfahren hieß es, dass den Mietern ein Vorkaufsrecht zu einem Festpreis oder den Fortbestand der Mietverträge angeboten werde. Schon damals widersprachen dem Anwohner und beobachten, dass der größte Teil der Wohnungen im Bietverfahren an eine Krefelder Immobilienfirma verkauft wird. Heute verkauft das Erdtmann-Unternehmen ein Teil der Wohnungen für die sich auch Dave Leverenz interessiert hat. Er berichtet von Preisen, die sich auf zehn Euro pro Quadratmeter beliefen, Tendenz steigend. Leverenz: „Angefangen hat es bei ungefähr 1200 Euro Kaltmiete, aber je mehr Leute sich für die Wohnung interessiert haben, desto höher wurde auf einmal der Preis.“

Die Sanierung sollen oft nur halbherzig erledigt werden

Bei befreundeten Nachbarn, die erst vor kurzem in eine der frisch sanierten Wohnungen eingezogen sind, ist gar von 14 Euro pro Quadratmeter die Rede. Leverenz arbeitet im Marketing, war zuletzt in der Baubranche tätig. Er kennt sich mit Sanierungsarbeiten und steigenden Mietpreisen aus, suchte zudem lange mit seiner Frau und deren dreijähriger Tochter nach einem geeigneten Platz zum Leben. Wie schwierig es ist etwas passendes zu finden, musste er am eigenen Leib erfahren und sagt: „Ich bin mit dem Markt im Bilde und sehen wie dieser derzeit explodiert. Viele gehen dann Schritt und kalkulieren knapp. Ich möchte nicht wissen, wie viele dadurch schon kaputt gegangen sind.“

Für die erhöhten Preise an der Van-Steuben-Straße hat er kein Verständnis. Nach seiner Meinung werden die Sanierungsarbeiten meist nur halbherzig und unsauber gemacht, gegenüber der Gebrüder Erdtmann erhebt er Vorwürfe und sagt: „Ich bekomme es mit, wie regelmäßig einige Leute für ein Wochenende kommen und dann in den Räumen schlafen. Sie sanieren die Wohnung dann günstig, um sie später teuer zu verkaufen.“ Nach mehrmaliger Anfrage gab eine Sprecherin der Hausverwaltung Gebrüder Erdtmann bekannt, dass sich das Unternehmen nicht zum Thema äußern möchte.

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