Krefelder Zoo: Was Salamipizza mit Affen und Verantwortung zu tun hat

Krefelder Zoo: Was Salamipizza mit Affen und Verantwortung zu tun hat

Eine Kiste mit Spielen und Anregungen für den Unterricht hat der Zoo mit dem Chemiepark für die Grundschulen gepackt — auch für mehr Verständnis für Artenschutz.

Fotos von Fertigpizza, Margarine, Zahnpasta, Lippenstift, Schokoaufstrich und Spülmittel zieren das Memory-Spiel, das durch die Hände der Mädchen und Jungen der 2a der Josefschule geht. Die Bildkarten gehören zu ihrer neuen Zoo-Kiste, die jetzt beim Startschuss mit den Leitern der teilnehmenden Grundschulen übergeben wurden.

Sieben Krefelder Grundschulen haben jetzt einen vollen Plastikbehälter mit Infomaterial, Spielen, Mal- und Bastelideen und — von der 2a gleich begeistert hin- und hergereicht — einem Plüschaffen. Denn Pate und Maskottchen der Aktion, die der Zoo unter dem Titel „Verantwortung“ gemeinsam mit dem Chemiepark ins Leben gerufen hat, ist Suria.

Das im Krefelder Menschaffenhaus lebende Orang-Utan-Jungtier erklärt seine Welt in den „Lerneinheiten“, zu denen Material für die Schüler in passender Sprache und Anregungen für die Lehrer für Unterricht, als Schuljahresthema, für Projektwochen oder Arbeitsgemeinschaft gehören. Suria berichtet von der Familie im Zoo, der Lebensweise der „Waldmenschen“, aber auch von den Verwandten in freier Wildbahn. Und da kommen Pizza, Kosmetik und Haushaltsartikel ins Spiel.

Denn der Lebensraum der Orang-Utans auf Sumatra und Borneo in Asien ist bedroht. Für Palmölplantagen wird Regenwald vernichtet, also letztlich für die Zutat, die in vielen Produkten steckt, die auch die Kinder kennen, benutzen, essen. Spielerisch können die Kinder durch ihr Zoo-Paket mehr über bedrohte Tierarten lernen und darüber, welche Möglichkeiten sie selbst haben, durch ihr Verhalten zu deren Schutz beizutragen — zum Beispiel, indem sie vielleicht mit ihren Eltern darauf achten, keine Artikel mit Palmöl mehr zu kaufen.

Dass bereits ein Viertel der 28 Krefelder Grundschulen mitmacht, freut Marita Koblenz-Lüschow, die für die Grundschulen zuständige Schulamtsdirektorin. Und dass die finanzielle Unterstützung des Chemieparks — über Summen spricht man nicht — außerdem ermöglicht, dass jedes Kind aus den Schulen einmal freien Eintritt in den Zoo hat. „Das ist ein wirkliches Geschenk, wenn man sieht, dass es Eltern gibt, die sich schwer tun, für einen Zoobesuch der Schule das Geld für den Eintritt zusammenzubekommen.“ Zum Gesamtpaket gehört außerdem, dass Vertreter des Zoos einmal für ein Projekt in die Schulen kommen.

„Wir glauben, dass sich das ’rumsprechen wird“, sagt Mario Bernards, Leiter Politik und Bürgerdialog Chemiepark, der alle Beteiligten in seinen Bereichen in „Verantwortung“ sieht und deshalb die Zusammenarbeit unter diesem Motto so passend findet. „Es ist ein tolles Team. Jeder ist für sich in der Stadt unterwegs, hat seine Themen und viel gemeinsam im Thema Verantwortung“, sagt Bernards über Zoo, Chemiepark und Grundschulen. Ob die Verantwortung für die Tiere, nicht nur im Zoo selbst, sondern beim Artenschutz in freier Wildbahn oder, wie in Bernards Umfeld die Chemieunternehmen. „Alles, was wir mit Chemie machen, machen wir vor dem Hintergrund, dafür auch Verantwortung zu übernehmen. Und die Grundschulen haben Verantwortung für die Kinder, die später verantwortungsvolle Erwachsene werden sollen.“

Dass die Inhalte der Boxen kindgerecht sind, hat Petra Schwinn, Zoosprecherin und Biologin, die den größten Teil davon erdacht, entwickelt und vorbereitet hat, schon am Härtefall erprobt gesehen. „Die Heinrichsschule hatte schon vor den Sommerferien eine Projektwoche Zoo und die Rückmeldungen dazu habe ich eingearbeitet“, berichtet Schwinn. Wichtig war ihr, wie sie den Kindern aus der Josefschule erzählt, „dass ihr Spaß daran habt — ihr werdet vieles erfahren, nicht nur über Menschenaffen, auch über Pinguine, Nashörner und Schmetterlinge, euch erwartet eine spannende Zeit“. Sagt’s und sieht zu, wie sich die Kinder durch Schmetterlingskarten zum Bestimmen von heimischen Arten blättern, das Samentütchen für einen Schmetterlingsbett im Schulgarten oder einem Balkonkasten alle mal haben wollen und gar nicht warten können, die DVD über den Schutz von Surias wilden Verwandten in Asien anzusehen.

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