Anwohner sind gegen die Bebauung der Bayer-Wiese

Wohnungsbau : Bayer-Wiese: Stadt will mit Baugesellschaft reden

Zahlreiche Anwohner zu Gast in der Bezirksvertretung Ost. Stadtplaner fasst dort die Punkte der Bürgeranhörung zusammen und schlägt eine Lösung vor.

Der Zuschauerraum im Rathaus Bockum ist voll an diesem Abend. Grund hierfür ist nicht nur die Einwohnerfragestunde in der Bezirksvertretung Ost, sondern vor allem ein Antrag der FDP zur geplanten Bebauung der Bayer-Wiese. Die zahlreichen Anwohner kämpfen gegen die Bebauung der großzügigen Grünfläche und ihren Erhalt. Ratsherr Paul Hoffmann will deshalb von der Verwaltung die Ergebnisse der Bürgeranhörung zum Bebauungsplan Nr. 741 vom 27. September wissen. Bislang ist der Politik das Ergebnis noch nicht bekannt. Da trifft es sich gut, dass an diesem Abend Ludger Walter, Abteilungsleiter Stadtplanung, als Vertreter der Stadt zu Gast ist. Von ihm erhalten die Besucher Informationen aus erster Hand.

Niedrige Mehrfamilienhäuser prägen das Erscheinungsbild

Die Stadt plant die Aufstellung des B-Plans, weil eine Wohnungsbaugesellschaft als Grundstückseigentümer dort insgesamt vier große dreigeschossige Gebäude-Riegel hinsetzen möchte. Das Erscheinungsbild zwischen der Scheiblerstraße im Westen, der Buschstraße im Nordosten und der Doerperhofstraße im Süden wird derzeit wesentlich durch zweigeschossige Mehrfamilienhausbebauung in Bauzeilen mit Nord-Süd und Ost-West-Ausrichtung und großzügigen innenliegenden Freiflächen geprägt.

Verwaltung hat eine alternative Variante erarbeitet

Zwei Vorentwürfe als Planvarianten hat die Stadt erarbeitet, die sich hinsichtlich ihrer Geschossigkeit und ihrer Dachform unterscheiden. Die Variante „Staffelgeschoss“ sieht insgesamt 66 Wohneinheiten und Flachdächer, die Variante „Satteldach“ hingegen 72 Wohneinheiten mit Satteldächern vor. Beide Planvarianten haben gemeinsam, dass vier L-förmig angeordnete Mehrfamilienhäuser vorgesehen sind. Um ein optische und höhenbasierte Vergleichbarkeit mit den bestehenden Gebäuden zu gewährleisten, ist eine vollständige Verklinkerung der Fassaden geplant.

„Die Anwohner haben in der öffentlichen Anhörung viele Punkte geäußert“, berichtet Walter und fasst die wichtigsten davon zusammen. „Die meisten sind dafür, die Gemeindefläche zu erhalten, sie sind gegen die hohe Dichte der Bebauung und fürchten dadurch künftig ein zu hohes Verkehrsaufkommen in ihrem Quartier.“ Der Stadtvertreter hält es für richtig, zu diesem Zeitpunkt darüber zu diskutieren. Eine abschließende Meinung, ob die drei Gebäude-Riegel auf der Bayer-Wiese plus des vierten Riegels etwas weiter umgesetzt werden sollen oder der Vorschlag der Stadt mit weniger Wohnraum, gebe es zu diesem Zeitpunkt allerdings noch nicht. „Die Verwaltung ist noch nicht so weit, wir haben noch nicht mit der Wohnungsbaugesellschaft über die andere Planungsvariante gesprochen“, sagt Walter.

Entscheidung trifft letztendlich der Ausschuss und der Rat

Er schlägt den Bezirksvertretern als gangbaren Weg eine erste Lesung vor, den Plan vorab zu erarbeiten und eine Beschlussfassung für das weitere Vorgehen vorzubereiten. Dann könnten die Bezirksvertreter in Ost überlegen, ob sie mit dieser Variante überhaupt weitermachen wollen. Joachim C. Heitmann (FDP) begrüßte den Vorschlag: „Dann weiß der zuständige Planungsausschuss, ob wir eine Änderung des Planrechts wollen oder nicht und hat ein eindeutiges Signal.“

Walter erinnert daran, dass Bezirksvertretungen nur Empfehlungen aussprechen können, die Entscheidung letztendlich fällen der zuständige Ausschuss und abschließend der Rat der Stadt Krefeld. Dennoch schließen sich die Fraktionen in der Bezirksvertretung dem Vorschlag von Walter an.

Die Stadt begrüßt grundsätzlich die Schaffung von neuem Wohnraum und die Verdichtung von bestehenden Flächen. Die Bayer-Wiese im Stadtteil Bockum bedeutet den Anwohnern hingegen viel. Im Stil eines Dorfangers angelegt, gilt sie als zentraler Treffpunkt, als Erholungs- und Sozialraum, als Platz, an dem die Kinder ungefährdet und frei spielen können.Im Juni hatte sich binnen weniger Wochen eine Bürgerbewegung gebildet, die ihren Unmut publik macht. „Wir als Anwohner vertreten geschlossen die Meinung, dass eine Bebauung unbedingt verhindert werden muss“, sagt Ute Gendt, die zusammen mit Wollweber und Heinrich den Kopf des Protestes bildet.

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