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Ärger an der Oberbenrader Straße

Bezirksvertretung West : Rodung treibt Bürger auf die Palme

Die Firma Altmann hat Gehölze an ihrem Autoplatz beseitigt. Anwohner klagen über Abgase, Lärm und Flutlicht.

Der Tagesordnungspunkt bei der Sitzung der Bezirksvertretung West klingt völlig harmlos: „Entfernung des Grünbestandes entlang der Grundstücksgrenze der Firma Altmann, Oberbenrader Straße.“ Doch dahinter steckt ganz schön viel Zündstoff, die wie Besucher der Sitzung im Lehrerzimmer des Berufskollegs Vera Beckers schon nach wenigen Minuten feststellen: Politiker und Bürger gleichermaßen regen sich über das Verhalten der Firma, aber noch mehr über die Reaktion der Krefelder Stadtverwaltung auf.

ARS Altmann ist ein Autologistiker, der auf einer großen, nachts von starken Scheinwerfern beleuchteten Fläche am Krefelder Stadtrand Autos parkt. Diese waren bis zum Frühjahr durch eine hohe Hecke entlang eines 500 Meter langen Zauns vor den Blicken verborgen. Dann aber wurde dort ein 20 Meter breiter Streifen gerodet – auf privater Fläche des Unternehmens, wie die Stadt dazu feststellt. Der Fachbereich Recht sieht „nach umfassender Prüfung der Rechtslage“ keine Ordnungswidrigkeit im Sinne des Baugesetzbuches vorliegen.

Kritik am Autoabstellplatz
in freier Landschaft

Den „Autoabstellplatz in freier Landschaft“ kritisiert in der Sitzung aber nicht nur Heinz-Albert Schmitz (CDU). 10 000 Quadratmeter Grünfläche seien hier platt gemacht worden. Die Firma sage dazu nichts und mache munter weiter – und die Verwaltung verschanze sich hinter Vorschriften. „Die Bürger erwarten aber Antworten“, so Schmitz, der nach seinem Redebeitrag Applaus von den zahlreichen Besuchern erhält.

Bezirksvorsteher Klaus Menzer (SPD) wundert sich darüber, dass es für das Unternehmen offenbar eine Anpflanzungs, aber keine Erhaltungspflicht für das Grün gegeben hat: „Das ist für den normalen Menschenverstand nicht greifbar.“ Und Günther Porst (FDP) stellt fest, das Thema werde innerhalb der Verwaltung „wie eine dicke heiße Kartoffel“ von einer Abteilung an die andere weitergeben. Eine Ordnungswidrigkeit werde dann am Ende nicht festgestellt, aber es sei gegen den Bebauungsplan verstoßen worden: Entlang des gerodeten Grundstücksstreifens wurde nach Feststellung der Stadt eine 2,50 Meter hohe Zaunanlage ohne Genehmigung errichtet. Erste Schritte gegen den Eigentümer seien veranlasst worden, lässt die Verwaltung dazu in der Tischvorlage wissen.

Bürgerverein beklagt Belastungen für die Anwohner

Die neue Flutlichtanlage mit einer Höhe von 9,70 Meter ist nicht genehmigungspflichtig, da dies laut Stadt erst ab zehn Meter Höhe notwendig wird. Ob durch das helle taghelle Licht, von dem sich die Anwohner erheblich gestört fühlen, aber Belange des Immissions- und Artenschutzes nicht eingehalten werden, müsse der Fachbereich „Umwelt- und Verbraucherschutz“ der Stadt noch prüfen.

Benrads Bürgervereinsvorsitzender Norbert Boekels kritisiert in der Fragestellung die zunehmende Belastung durch Licht, Lärm und Abgase durch die Firma Altmann.

Ein Anwohner hat zudem das tägliche Verkehrschaos auf der Oberbendrader Straße mit Fotos dokumentiert. Bis zu sechs Autotransporter gleichzeitig würden dort geparkt, da sie noch nicht aufs Firmengelände könnten. Dort sei dann kein Durchkommen mehr.

Die Bezirksvertretung beschließt am Ende einstimmig, dass es im neuen Jahr einen gemeinsamen Ortstermin mit den beteiligten Ämtern und Bürgervereinen geben soll.