Stadthaus-Sanierung in Krefeld ist eine Utopie

Analyse : Stadthaus-Sanierung ist eine Utopie

Analyse Kostenexplosion nicht vermittelbar, Politik muss Reißleine ziehen.

Die Politik zögert, aber sie hat keine andere Chance mehr - und sie weiß es. Die Sanierung des Stadthauses ist längst eine Utopie. Politik und Verwaltung, die letztendlich im Auftrag des Stadtrates handeln, haben sich verzockt. 70 Millionen Euro Kosten auf dem Rücken der Krefelder Steuerzahler waren schon im ersten Ansatz mehr als ein Wort für ein Gebäude, das weder die große Krefelder Geschichte spiegelt noch überragend viele Anhänger hat außer jene, die sich für Architektur interessieren und dazu noch Eiermann mögen. Und seinerzeit glaubte man in Krefeld noch, die Investoren würden sich um die Sanierung des Stadthauses reißen. Mittlerweile dürften die Kosten samt Zinsen über 100 Millionen Euro liegen. Das ist gegenüber dem Steuerzahler endgültig nicht mehr vermittelbar. Und bedeutet gleichsam das endgültige Aus für das Seidenweberhaus.

Rettung des Eiermann-Baus
fällt aus der Zeit

Das brutale Desinteresse potenzieller Investoren war schmerzhaft und ziemlich peinlich. Verzockt halt, da gibt es nichts zu beschönigen. Und das wird auch nicht besser durch das öffentliche Dauer-Scharmützel zwischen der Oberen Denkmalbehörde, die reflexartig als Fortschritt-Bremse betitelt wird, und dem Stadtplanungsamt, das seine Hausaufgaben nicht gemacht haben soll. Wenn das Kind im Brunnen liegt, bringt es wenig, darüber zu streiten, wer jetzt das Seil werfen muss. Dem Bürger ist es ziemlich wurscht, wer den Schwarzen Peter hat.

Das scheint die Politik kapiert zu haben. Gerade wurden im Rat die Grundlagen für alternative Standorte geschaffen: Am Willy-Brandt-Platz südlich des Krefelder Hauptbahnhofs, was eher unwahrscheinlich ist, oder auf dem Theaterplatz, was mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen würde.

Genau so sollte es auch kommen, ganz egal, ob sich das Planungsdezernat um Martin Linne und die Obere Denkmalbehörde beim LVR, die sich nicht vorführen lassen will, doch noch einigen. Dies soll bis spätestens Januar geschehen und hier wird noch einmal überdeutlich: Krefeld verliert in der Stadthausfrage nicht nur eine Menge Geld, sondern auch Zeit.

Die Idee einer Verwaltungsachse auf dem Theaterplatz hat in den beiden großen Fraktionen gerade genug Freunde, um sich durchzusetzen. Und das wird sie auch. Ob mit Veranstaltungshalle oder ohne scheint noch nicht klar. Aus der SPD hört man große Sympathien für eine Lösung im Mies van der Rohe-Businesspark, in der CDU gibt es Vorbehalte. Fakt ist: Das in weiten Teilen versiffte Brutalismus-Monster Seidenweberhaus hat in einer modernen Infrastruktur keinen Platz mehr.

Ob Kesselhaus oder nicht, das ist vielleicht derzeit auch gar nicht vordringlich. Wichtig muss es Politik und Verwaltung jetzt sein, eine glaubwürdige, bezahlbare und schließlich auch realisierbare Lösung für zukunftsorientierte Verwaltungsarbeit zu präsentieren. Das Eiermann-Erbe sichern zu wollen, war sicher ein ehrenwerter Ansatz, fällt aber angesichts viel lebensnäherer Baustellen in der Stadt mit ihren Schwimmbädern, Sportstätten oder der Barrierefreiheit und explodierender Kosten aus der Zeit.

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