Stadt verzögert Pflegekonzept zum Übergang zwischen Klinik und Zuhause

Krankenhausaufenthalt : Stadt verzögert Pflegekonzept

Seit mehr als zwei Jahren gibt es die Idee zum Übergang zwischen Klinik und Zuhause, doch die Umsetzung fehlt.

Zu gesund für das Krankenhaus, aber zu krank für zu Hause – dieser Zustand trifft auf viele Patienten zu, die sich in der Genesungsphase befinden. Wie man betroffenen Personen helfen kann, damit beschäftigt sich derzeit der Ausschuss für Soziales, Arbeit, Gesundheit, Integration und Senioren. Dr. Ulrich Lenßen, der frühere ärztliche Leiter des Rettungsdienstes der Stadt Krefeld, hat in einem Schreiben an die SPD-Fraktion dargelegt, dass er zur Etablierung einer Überleitungspflege in Krefeld ein Konzept unter Mitwirkung von Helios und Alexianern erstellt habe.

Die SPD wiederum beantragte daraufhin in der vergangenen Ausschusssitzung, Kontakt mit Lenßen und den bislang involvierten Kliniken aufzunehmen, um das Konzept demnächst im Ausschuss vorzustellen. Auch die FDP sprach sich zuletzt für das Vorhaben aus, nachdem Lenßen es auch beim bundespolitischen Forum der Krefelder FDP schon vorgestellt hatte.

Bislang keine Einigkeit zwischen Stadt, Klinik und Krankenkassen

Klingt nach einer tollen neuen Idee, der alle zustimmen, doch tatsächlich steht das Konzept bereits seit mehr als zwei Jahren im Raum – und von Einigkeit kann bislang kaum die Rede sein. „Kliniken, Krankenkassen, alle sind an Bord, nur die Stadt hat noch nicht zugestimmt“, sagt Lenßen. In seiner Zeit beim Rettungsdienst habe er es häufig erlebt, dass Patienten entlassen wurden, nach ein bis zwei Tagen aber wieder zurück ins Krankenhaus gebracht werden mussten, weil sie alleine zu Hause nicht zurecht kamen. In der Überleitungspflege könne man solche Patienten durch intensive Physiotherapie wieder fit machen für die eigenen vier Wände. „Seit zweieinhalb Jahren bemühen wir uns darum“, sagt er. Die alte Kinderklinik des Helios soll dafür umgebaut werden. Die Krefelder Hausverwaltung Gebr. Erdtmann hat das Gebäude zu diesem Zweck gekauft.

„Die Idee von Dr. Lenßen, vom Patienten her zu denken, ist an sich genau richtig“, sagt Wolfram Gottschalk, Leiter des städtischen Fachbereichs Soziales, Senioren und Wohnen. „Allerdings ist Deutschland anders gestrickt durch die verschiedenen Systeme der Pflege- und Krankenkassen. Es gibt ein erzwungenes Kästchen-Denken, das der Gesetzgeber durchlässiger gestalten sollte.“ Zudem würden nach Auskunft der Pflegekassen die bestehenden Kurzzeitpflegeplätze in Krefeld nicht sehr stark in Anspruch genommen. Dem widerspricht Lenßen entschieden: „Die Kliniken werden die Patienten nicht los.“ Auch seien Kurzzeitpflegeplätze zum Teil durch Dauerpflegepatienten belegt, oder solchen, die erst später als Dauerpflegepatienten erkannt werden.

Das bestätigt auch das Helios-Klinikum: „Wir nehmen als Krankenhaus einen großen Bedarf an Kurzzeit- und Übergangspflege wahr“, so Helios-Sprecherin Marina Dorsch. Natürlich sei eine Anpassung der jährlichen Bedarfsplanung möglich, so Gottschalk, allerdings stelle sich dann die Frage, ob die zusätzlichen Plätze überhaupt „bespielt“ werden können, denn schon jetzt fehlte es aufgrund des Fachkräftemangels an Personal, um alle Kurzzeitpflegeplätze wirklich nutzen zu können. „Ob die neue Einrichtung dafür eine Lösung wäre, ist fraglich“, so Gottschalk. Überhaupt sei, was die Idee von Dr. Lenßen anginge, noch einiges sehr theoretisch und unklar.

Ursprünglich soll von sechs Plätzen in der neuen Überleitungspflege die Rede gewesen sein, nun seien es 30, an sechs davon solle sich die Stadt beteiligen. Darüber hinaus sei die Einrichtung auch ohne Beteiligung und Zustimmung der Stadt realisierbar, wenn sich alle Akteure einig wären. Gottschalks Vorschlag: „Es würde Sinn machen, alle Beteiligten an einen Tisch zu bringen, so hat man alle Informationen zusammen, die man braucht, um eine Entscheidungsgrundlage zu haben.“ Dann könne man beispielsweise in einem Modellprojekt „auf dem Wege der Erprobung“ die Grenzen zwischen Kranken- und Pflegekassen auflösen.

Dr. Ulrich Lenßen hingegen hofft auf eine baldige Zustimmung der Stadt, der Bedarfserhöhung bei  den Kurzzeitpflegeplätzen zuzustimmen. Man habe bereits viel Zeit verloren und vor 2021 wäre das Angebot nun nicht fertigzustellen. „Solange die Stadt nicht zustimmt, kommen wir nicht weiter. Dabei könnten wir sofort die Bauanträge stellen.“