Stadt mietet zehn Wohnungen für Flüchtlinge an

Stadt mietet zehn Wohnungen für Flüchtlinge an

Die Unterbringungsmöglichkeiten in bestehenden Unterkünften reichen nicht aus.

Krefeld. Am liebsten würde Doris Nottebohm (SPD) das Wohnheim am Siemesdyk aufgeben. „Das geht aber nicht, wir brauchen diese Unterkunft auch weiterhin“, entgegnet Dezernent Roland Schiffer im Sozialausschuss. Von den 304 in Krefelder Übergangswohnheimen lebenden ausländischen Flüchtlingen wohnen dort allein 154 Personen. Die andere Hälfte ist auf fünf Heime verteilt.Allerdings reichen die freien Plätze derzeit nicht aus, deshalb sollen bei Bedarf zehn Wohnungen der Wohnstätte angemietet werden dürfen.

Die Erfahrung der letzten 20 Jahre zeigt laut Schiffer, dass die Zahl der vom Bundesamt zugewiesenen Flüchtlinge nicht zu kalkulieren sei und deshalb ständig mindestens 100 Plätze vorgehalten werden müssen. Um das zu gewährleisten, hat die Verwaltung nach einem Beschluss des Integrationsausschusses ein neues Konzept zur Unterbringung von Flüchtlingen erarbeitet.

„Der große Wurf ist das leider nicht“, sagt der Vorsitzende des Integrationsausschusses Christoph Bönders von den Grünen. Vor allem eine Passage aus der neuen Satzung der Stadt Krefeld findet er empörend: Danach beträgt der aktuelle Unterbringungsstandard für jeden Flüchtling fünf Quadratmeter Wohnfläche zuzüglich eines Quadratmeters Verkehrsfläche. „Diese Berechnungsgröße gilt in Krefeld seit etwa 20 Jahren“, erinnert Schiffer. Sollten die Politiker sie ändern wollen, werde die Unterbringung wesentlich teurer.

Auf Zustimmung hingegen stößt bei den meisten die Aussage der Verwaltung: Dezentrale Unterbringung in Mietwohnungen fördert Integration. Im Interesse des sozialen Friedens und eines entspannten Umfeldes entschied der Rat bereits in den 90er-Jahren, den Kreis der Aussiedler, Spätaussiedler, Zuwanderer und ausländischen Flüchtlingen in kleineren Wohnungen unterzubringen.

Bis zu dem Zeitpunkt wurden Flüchtlinge und Asylbewerber in Sammelunterkünften mit bis zu 1000 Plätzen untergebracht, zum Beispiel an der George-C.-Marshall-Straße in Linn. Schiffer wies darauf hin, dass Flüchtlinge häufig unter einer psychisch stark belasteten Vergangenheit leiden. Innerhalb beengter Sammelunterkünfte ließen sich traumatische Erlebnisse nur sehr schwer verarbeiten.

Auch schulpflichtige Kinder haben in Sammelunterkünften aufgrund der Enge kaum die Möglichkeit, konzentriert ihre Schulaufgaben zu erledigen. Eine eigene Wohnung schaffe die Voraussetzungen für eine schnellere schulische Integration. Bereits heute werden deshalb die Übergangswohnheime nur bis maximal 90 Prozent belegt. Bis auf die SPD stimmte die Mehrheit im Sozialausschuss der Anmietung von zehn Wohnungen zu. Der Satzungsentwurf über die Benutzung von Übergangswohnheimen wurde in den Hauptausschuss verschoben.

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