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Stadt Krefeld prüft, ob Schotter im Vorgarten verboten werden kann

Klima- und Artenschutz : Mehr Grün für Vorgarten und Dach

Flyer soll Bürger über Nachteile von Kies-Gärten informieren. Dachbegrünung könnte zur Pflicht werden.

Krefeld muss grüner werden. Diese Zielsetzung verfolgt nicht nur „Fridays for Future“, sondern verstärkt auch die Politik. Gleich zwei Anträge haben sich in der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Stadtplanung und -sanierung mit dem Thema beschäftigt. Es ging um grüne Vorgärten und um grüne Hausdächer. Konkret beschlossen worden ist noch nichts.

SPD, Grüne und UWG haben gemeinsam angeregt, dass Krefeld Festsetzungen für Vorgärten erstellt. Hintergrund: Immer mehr Vorgärten werden mit Kies oder Schotter gestaltet – meist mit Folien unterlegt, die Wildkräuter verhindern sollen. Nur vereinzelt werden auf diesen Flächen noch Pflanzen gesetzt. Aus Sicht der Antragsteller ist dies zusehends ein Problem für die Artenvielfalt und das Stadtklima, der Pflegeaufwand werde lediglich in den ersten Jahren verringert.

Die Stadtverwaltung soll prüfen, ob es über Planungs- und Baurecht Möglichkeiten gibt, die Flächenversiegelungen zu verringern. Auch finanzielle Anreize für den Rückbau von solchen Flächen sollen überprüft werden. Nicht zuletzt soll es mehr Aufklärung der Bürger geben, etwa durch einen Flyer.

Der Ausschuss stimmte dem Antrag einstimmig zu. „Wir werden uns Informationen für Bürger nicht verschließen“, betont Ratsherr Jürgen Wettingfeld (CDU).

In Xanten gibt es Festlegungen
zu begrünten Vorgärten

Welches Ergebnis die Prüfung weitergehender Maßnahmen bringt, ist derzeit offen. Ratsherr Andreas Drabben (UWG) hatte dazu kürzlich auf die Stadt Xanten verwiesen, die in ihren B-Plänen Festsetzungen wie diese macht: „Der Vorgartenbereich ist zu begrünen, mit Bäumen und Sträuchern zu bepflanzen und zu unterhalten. Befestigte oder bekieste Flächen sind lediglich zulässig, soweit sie als notwendige Geh- und Fahrflächen dienen. Dies soll dem Ziel dienen, die Versiegelung möglichst gering zu halten.“

Den zweiten Antrag zu einem grünen Krefeld hat die Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen eingebracht. Deren Ziel ist es, „bei der Genehmigung sämtlicher Neubauten im Krefelder Stadtgebiet mit Flach- oder Pultdächern sowie Satteldächern mit einer Neigung unter und bis zu 30 Grad“ eine Dachbegrünung (oder ersatzweise eine intensive Fassadenbegrünung) vorzuschreiben.

„Jedes Gebäude, das neu errichtet wird, sollte mit Begrünung versehen werden, um einerseits einen ökologischen Ausgleich für die Flächenversiegelung zu schaffen, aber auch das Mikroklima zu verbessern“, sagt die planungspolitische Sprecherin der Grünen, Heidi Matthias. Es sei auch notwendig, Maßnahmen zu treffen, die die jetzt schon deutlich zu spürenden Auswirkungen des Klimawandels, wie extrem heiße Sommer, etwas abzumildern.

„Bepflanzte Dächer oder begrünte Fassaden haben viele positive Eigenschaften. Sie binden die Feuchtigkeit und sorgen durch Verdunstung für Abkühlung. Deshalb wirkt sich mehr Vegetation positiv auf das Mikroklima aus“, so Heidi Matthias. Daneben sorgten Pflanzen auch für die Verbesserung der Luftqualität.

Die übrigen Fraktionen stimmten einer juristischen Prüfung durch die Verwaltung zu, in welcher Form eine Festschreibung möglich wäre. „Es ist aber erkennbar, dass es keine Mehrheit für eine solche Vorschrift für jedes Dach geben wird“, sagte Ratsherr Jürgen Hengst (SPD) nach der Sitzung im Gespräch mit unserer Zeitung.

Kritik an „Zwangsbegrünung“ kommt von Haus und Grund

Die Verwaltung hatte in der Ausschusssitzung deutlich gemacht, dass sie schon jetzt viel unternimmt, damit es zur Begrünung von Fassaden kommt. In einigen Fällen, etwa beim Bebauungsplan Fischeln-Südwest, ist es auch schon zu Festsetzung von Dachbegrünungen in der Satzung gekommen.

Kritik an einer „Zwangsbegrünung“ von Neubauimmobilien kommt vom Verband Haus und Grund Krefeld. „Es fallen deutlich erhöhte Baukosten und darüber hinaus zusätzliche Betriebskosten für die Pflege der Dächer an“, heißt es in einer Stellungnahme. „Grundsätzlich befürworten wir die Variante Anreize für Bauwillige zu setzen, anstatt wie die Grünen es leider so häufig tun mit Verboten zu agieren“, erklärt der Geschäftsführer von Haus und Grund Krefeld, Rechtsanwalt Michael Heß.

Die Grünen weisen dies zurück: „Die Kritik von Seiten der Immobilienlobby an unserem Vorstoß war zu erwarten, dennoch hatte ich mir angesichts der Klimasackgasse, in der wir uns alle befinden, mehr Bewusstsein erhofft“, heißt es in einer Stellungnahme von Heidi Matthias. Man habe „leider keine Zeit mehr, auf Freiwilligkeit zu setzen“. Die Finanzlage der Stadt gebe es derzeit auch nicht her, finanzielle Anreize für Dachbegrünung zu schaffen.

Die Bedenken bezüglich unzumutbarer Investitions- und Betriebskosten suchen die Grüne weitgehend zu entkräften: „Die Kosten für ein Gründach kann jeder aufbringen, der es sich leisten kann, ein Haus zu bauen.“ Was die Investitionskosten angehe, so rechne man im Durchschnitt mit 50 bis 60 Euro pro Quadratmeter. „Für ein Einfamilienhaus mit 100 Quadratmeter Dachfläche würden somit etwa 6000 Euro zusätzlich aufzubringen sein.“