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St. Martin: Wolfgang Müller ist seit 21 Jahren der Bettler

St. Martin: Wolfgang Müller ist seit 21 Jahren der Bettler

Mit 81 geht der Mundart-Fan beim Umzug in zerrissenen Kleidern mit.

Fischeln. Wolfgang Müller liebt die Tradition, die Heimat und die Kinder. So hat er große Freude daran, für die Kleinen den armen Bettler zu spielen. Der 81-Jährige erlebte die Geschichte des Mantelteilens beim St. Martinszug in Fischeln auf dem Marienplatz gestern zum 21. Mal und wie immer am eigenen Leib. „Damals bin ich in die Rolle hineingewachsen. Es fehlte jemand, der den Mann spielen wollte und ich wurde gefragt“, erzählt Müller. „Dann habe ich mir eine zerrissene Hose besorgt, ein schmutziges Hemd, einen alten Hut und Klompen.“

Sein Motiv war: „Wenn schon, dann richtig.“ Mittlerweile hat Müller eine kleine Fangemeinde. „Wenn die Kinder am Feuer stehen, wir alle auf St. Martin warten und die Geschichte von der Mantelteilung verlesen wird, fragen mich die Kleinen oft, ob ich nicht friere. Sie geben mir die Hand und berühren meine nackten Arme.“

So schlimm wie es aussieht, sei es gar nicht, findet der 81-Jährige, denn drei Meter vom Feuer entfernt sei es gar nicht so kalt, da sei die Temperatur gut auszuhalten. „Außerdem trage ich noch eine Plastikhülle unter meinem Kartoffelsack, die als Hemd dient.“ Erkältet hat er sich auf jeden Fall noch nie. Dabei passten die Kinder höllisch gut auf: „Hartmut Jurkschat, der seit 15 Jahren den Martin mimt, trägt einen halben Mantel unter seinem eigenen versteckt. Klettband hält die Teile zusammen.

„Als Martin einmal sein Schwert zog und die Hälften auseinander hieb rief ein kleines Mädchen: ,Ihr habt geschwindelt, das ist gar kein richtiger Teil!‘“ Wie lange der 81-Jährige den Bettler gibt, steht noch nicht fest. „Bisher hat sich kein neuer Bewerber gemeldet.“ Den Kontakt zu den Mädchen und Jungen behält er auch außerhalb des St. Martinstages. „Ich habe gerade mit den Stahldorf-Kindern einen Rundgang durch Fischeln gemacht. Sie haben so viele Fragen, das ist richtig toll.“ Wolfgang Müller hat auch sonst in Sachen Tradition genug zu tun: „Im nächsten Jahr haben wir Jubiläum, da veranstalte ich seit 20 Jahren die Mundart-Abende im Saal Gietz.“

Auf Platt wird gelesen, es werden Sketche gezeigt und auch die Moderation ist fernab von jedem Hochdeutsch. „Ich lebe jetzt seit 50 Jahren in Fischeln und liebe es. Die drei Mundart-Abende sind sofort komplett ausverkauft. Hierzu kommen meine Fans sogar aus der Eifel und Bad Neuenahr“, erzählt er und lacht. Da er auch lange Zeit Vorsitzender des Bürgervereins war, erhielt er im Februar das Stadtsiegel von Krefeld.