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Sportplätze in Krefeld: Bald rollen die Bagger an

Krefelds Beigeordneter Schön im Interview : Sportplätze: „Die Bagger werden bald rollen“

Markus Schön spricht über Sport in der Stadt, digitale Schule und bürgerschaftliches Engagement – und was ihm in Krefeld gefällt.

Schule und Sport – zwei Themenfelder, die in Krefeld zuletzt stark im Fokus gestanden haben. Zeit für ein Gespräch mit dem zuständigen Beigeordneten Markus Schön.

Herr Schön, in der vergangenen Ratssitzung ist der Masterplan für den Sport beschlossen worden. Das ist ein ganz schön dickes Paket. Wie soll das alles finanziert werden?

Schön: Wichtig war es erst einmal, dass wir darlegen, welchen Bedarf haben wir. Wir können erst über Finanzierungen nachdenken, wenn wir wissen, was wir alles angehen müssen. Das wusste man ja nie. Jetzt haben wir einen Überblick über die drei Sparten Freianlagen, Hallen und Sportsonderbauten. Wir können nun in jeder Sparte herausarbeiten, wie wir das umgesetzt bekommen. Bei den Freianlangen sind wir schon ziemlich weit, weil wir mit Gladbacher Straße, Hubert Houben-Kampfbahn, Horkesgath und Sprödentalplatz schon ganz konkrete und vor allem finanzierte Planungen angestoßen haben, die teilweise schon kurz vor der Umsetzung sind. Die Bagger werden bald rollen!
Bei den großen Projekten wie Schwimmbäder oder Eishallen müssen wir schauen, welche Fördermöglichkeiten es gibt. Es gibt etwa im Konjunkturpaket des Bundes für die Kommunen explizit Mittel für Sportstätten. Und natürlich muss man sich über Betreiber- und Finanzierungsmodelle jenseits öffentlichen Geldes Gedanken machen, also Private Public Partnership, was ja bei der Feuerwache sehr gut geklappt hat. Frau Zielke (Anmerk. der Redaktion: Stadtdirektorin) hat dort ein Erfolgsmodell geschaffen. Lässt sich das auf den Sportbereich übertragen? Dieser Frage müssen wir uns widmen. Dass wir diese ganzen Herausforderungen nicht auf einmal aus dem Investitionshaushalt einer mittelgroßen Großstadt in NRW stemmen können, ist klar.

Wie werden Sie eine Priorisierung vornehmen?

Schön: Wir haben jetzt die Beschlüsse, nun müssen wir abarbeiten. Oberste Priorität hat immer die Pflichtaufgabe Schulsport. Da geht es darum, das Schwimmbad der Grundversorgung in nähere Planung zu bringen. Westparkstraße mit Eishalle oder Bockum – das müssen wir klären. Und wir müssen, wie der Rat beschlossen hat, die planungsrechtlichen Grundlagen für das Freibad in Hüls klären. Da werden wir zeitnah einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan einleiten.

Schulschwimmen ist eine Pflichtaufgabe, Eislaufen eher die Kür.

Schön: Das ist die Kür. Nur, wenn man sich die Geschichte in Krefeld anschaut, ist es auf jeden Fall mehr als eine Kür. Der Oberbürgermeister hat mal gesagt, Eissport gehört in die DNA von Krefeld. Wir wollen ja auch, dass das Thema Eissport für die Schulen wieder attraktiver wird. Dazu muss die Infrastruktur passen. Das ist politischer Konsens.

Das denkmalgeschützte Bad in Bockum könnte demnächst anders genutzt werden, wenn etwa daneben ein Bad für die Grundversorgung mit 50-Meter-Becken gebaut würde. Wie könnten Nutzungen aussehen?

Schön: Bis das neue Bad steht, ist die Halle in Betrieb. Aber man muss sich jetzt Gedanken machen, wie es künftig genutzt wird. Man sollte es nicht so machen wie beim Stadtbad Neusser Straße: erst schließen, dann verfällt die Halle zusehends und erst danach wird über eine Nutzung nachgedacht. Eine Turn- und Kletterhalle in Bockum könnte hochinteressant sein. Man kann auch über ein Freizeit- und Spaßbad nachdenken, wenn der Bedarf da ist. Jeder, der sagt, Schwimmen gehört zu Bockum, der hat ja Recht. Das Freibad wird dort bleiben.

Der Elfrather See könnte mit dem Bau eines Surfparks eine Revitalisierung erleben. Welche Hürden sind auf dem Weg dahin von Seiten der Stadt noch zu nehmen?

Schön: Der Bebauungsplan muss beschlossen werden, dazu braucht es diverse Vorarbeiten, Gutachten, Umweltverträglichkeitsprüfungen. Das läuft derzeit und wir sind voll im Zeitplan. Da leisten auch die Projektentwickler ihren Beitrag. Das ist aufwendig, aber wenn ich mir das Projekt anschaue, dann lohnt sich das. Der gesamte Bereich des Elfrather Sees wird damit attraktiver. Wenn alles gut läuft, dann könnte 2023 die erste Welle geritten werden.

Derzeit wird die Grotenburg, die Heimat des KFC, fit für die 3. Liga gemacht. Was müsste zusätzlich geschehen, wenn das Stadion Zweitliga-tauglich gemacht werden soll?

Schön: Es gibt dazu ein Gutachten von Albert Speer & Partner, die derzeit beauftragt sind, das Stadion Drittliga-tauglich zu machen. Dafür hat der Rat elf Millionen Euro bewilligt. Es gibt zudem Ausbaustufen für die 2.und 1. Liga. Es geht dabei dann nicht nur um den KFC, sondern auch um andere Veranstaltungen. Man könnte Frauenfußball-Länderspiele wieder nach Krefeld holen, man könnte dort Konzerte veranstalten, das geht ja derzeit alles nicht. Sollte es beim KFC in Richtung zweite Liga gehen, gibt es dort auch andere Finanzierungsmöglichkeiten mit Fernsehen und Vermarktungsgeldern, dann kann das nicht mehr allein städtische Verantwortung sein.

Sieht der KFC das auch so?

Schön: Wir sind mit dem Verein laufend im Gespräch. Ich denke schon, dass das auch so gesehen wird. Jetzt konzentrieren wir uns aber erst mal darauf, dass Stadion Drittliga-tauglich zu machen. Und wenn es Richtung 2. Liga gehen soll, dann muss der KFC sportlich noch was drauflegen, weil der 13. Platz der abgelaufenen Saison schreit jetzt noch nicht nach unmittelbarem Aufstieg.

Sie haben nicht nur den Bereich Sport, sondern auch das Paket Schule im Dezernat. Auch hier wird viel investiert. Aktuell gibt es die Nachricht, dass die Kommunen nur sehr wenig Mittel aus dem Digitalpakt Schule abgerufen haben. Warum ist das so?

Schön: Vom Digitalpakt Schule sollen in Krefeld 13 Millionen Euro ankommen. Die Hürden dazu sind – wie bei allen Förderprogrammen – dass solche Anträge sehr kompliziert sind. Es ärgert mich immer, wenn geschrieben wird, die Kommunen sind zögerlich. Die Kommunen brauchen erst mal Stellen dazu. Diese haben wir im vergangenen Jahr direkt beantragt, aber erst als wir Ende April den Haushalt von der Bezirksregierung genehmigt bekommen haben, durften wir die Stellen ausschreiben. Wir sind nun in der Besetzung. Das ist auch nicht ganz so einfach, weil es einen Fachkräftemangel gibt. Sobald das geschehen ist, können wir die Fördermittel beantragen, die wir brauchen. Wir können zum Glück auf unsere Schulbauliste bauen, so dass wir recht schnell den Plan in das Förderprogramm einpflegen können. Und: Es geht weniger darum, im Digitalpakt alle Schüler mit mobilen Geräte auszustatten. Es geht vor allem darum, die Schulen bei Verkabelung und Technik aufzurüsten. Da haben wir beim Breitbandausbau und Wlan noch einiges zu tun.

Was ist noch notwendig, um Schule digitaler zu machen?

Schön: Die ganzen Endgeräte nutzen nichts, wenn die Pädagogik nicht stimmt. Wir sind mit unserem Zentrum für digitale Lernwelt schon ganz gut aufgestellt. Da können wir Lehrkräfte sehr gut fortbilden.

Wenn diese Hürden genommen sind, wird es Engpässe bei den ausführenden Unternehmen geben. Schließlich wollen die meisten Kommunen Schule digitaler machen.

Schön: Wir haben ja schon 55 Millionen Euro in unseren Schulen verbaut. Aber je mehr Kommunen nun ihre Infrastruktur verbessern wollen, umso mehr steigen Nachfrage und Preise. Budgets, die man sich vorgenommen hat, reichen dann nicht. Nicht, weil man schlecht geplant hat, sondern weil die Vergaben teurer werden. Diese Situation kann auch dazu führen, dass alles nicht so schnell geht.

Wie bereiten Sie sich auf den Schulbetrieb nach den Ferien unter Corona-Bedingungen vor?

Schön: Wir haben in Krefeld ein gutes Hygienekonzept erarbeitet. Wir sollten möglichst viel von dem erhalten, etwa Abstandsregeln. Gleichzeitig soll ja, so ist es aus dem Schulministerium verlautet, wieder ein Stück mehr zur Normalität zurückgekehrt werden. Da muss man auf die Vorgaben vom Land warten. Aber wenn ich mir das Infektionsgeschehen im Land ansehe, dann sehe ich eine völlige Normalität nach den Ferien in den Schulen nicht. Ich glaube, die Regeln, die wir vor den Ferien eigeführt haben, die wird man nach den Ferien weiterführen müssen.

Sie sind noch nicht so richtig lange in Krefeld. Was erfreut sie besonders, was irritiert sie?

Schön: Das tolle bürgerschaftliche Engagement in Krefeld erfreut mich sehr. Die Bürger gestalten die Stadt mit und machen sich Gedanken um sie. Im Sport etwa. 65 000 Krefelder sind Mitglied in einem Sportverein. Die Stadt hat eine hohe Lebensqualität mit ganz viel Grün und mit unterschiedlichen Stadtteilen. Etwas irritierend finde ich, dass die Krefelder ihre Stadt manchmal schlechter reden als sie ist. Ich fand auch die Debatte zuletzt im Rat über die Rheinlage zumindest interessant. Weil ich mir schon denke, Krefeld liegt am Rhein. Das sehe ich, wenn ich den Atlas aufmache. Die Gesamtstadt in den Blick zu nehmen – das ist Auftrag an Verwaltung und Politik. Beispiel Sportstättenplanung: Wir müssen das für die gesamte Stadt planen, wir können beispielsweise nicht isoliert ein Bad in Hüls betrachten. Ferner müssen alle Krefelder Kinder kurze Wege zur nächsten Turnhalle haben. Ich weiß nicht, ob in der Vergangenheit Politik und Verwaltung das immer im Blick hatten.