SPD schlägt Stadt museale Nutzung für den Paschhof in Krefeld-Linn vor

Museum Burg Linn : Räume für die Museen statt Wohnen im Paschhof?

Für den unter Denkmalschutz stehenden Gebäudekomplex in der Linner Altstadt findet sich kein Käufer. SPD will städtische Nutzung prüfen lassen.

Eigentlich sollten im alten Paschhof in der Linner Altstadt moderne Wohnungen entstehen. Der Rat hatte im Januar 2015 den Verkauf dieser Immobilie und der ehemaligen Bezirksverwaltungsstelle beschlossen. Doch für den Paschhof hat sich bis heute kein Interessent gefunden. Dabei ist der einstige Schandfleck an der Albert-Steeger-Straße im Jahr 2011 durch ein Bauprojekt von Bildungszentrum des Baugewerbes und der Arge in ein Schmuckstück verwandelt worden. SPD-Fraktionschef Benedikt Winzen schlägt deshalb jetzt vor, den Verkaufsbeschluss zunächst auszusetzen und ein Konzept zur Nutzung des Paschhofes durch das Museum Burg Linn zu erarbeiten — vor allem als Depot.

Prüfanträge werden in Kultur-, Finanzausschuss und Rat gestellt

Vielfältige Nutzungsmöglichkeiten des Gebäudes einschließlich Wohnhaus und Scheune kann sich der SPD-Chef vorstellen. Schon der Vorgänger der heutigen Leiterin Jennifer Morscheiser, Christoph Reichmann, wollte den einst einsturzgefährdeten Kuhstall nach der Sanierung als Ausstellungs- und Lagerraum nutzen. Seine Idee: den Raum atmosphärisch zu beleuchten und darin „volkskundliche Geräte“ zu präsentieren, wie Ackermaschinen, einen Milchwagen, ein Gefährt der Brotfabrik Im Brahm. Im oberen Raum schwebte ihm ein Lager für archäologische Funde vor.

„Die Nutzung des Paschhofs für das Museum Burg Linn könnte eine Option sein. Das Museum nutzt bereits einen Teil des Gebäudekomplexes. Allerdings gibt es aktuell noch einen bestehenden politischen Beschluss zum Verkauf“, sagt Stadtsprecher Timo Bauermeister auf Nachfrage. Mit ihrem gemeinsamen Antrag an Kultur-, Finanzausschuss und Stadtrat wollen Winzen, Ratsfrau Anke Drießen-Seeger als kulturpolitischer Sprecherin der SPD und Ratsherr und Bezirksvertreter Wilfried Bovenkerk ein entsprechendes Konzept zur kulturellen Nutzung des Gebäudes von der Verwaltung erarbeiten lassen. „Neben der Nutzung müssen vor allem die vorliegenden finanziellen Rahmendaten für eine Sanierung des Gebäudes, die aus 2015 oder früher stammen, aktualisiert werden“, sagt Winzen. Mögliche Fördermöglichkeiten seien ebenfalls zu prüfen.

Nutzungskonzept in Absprache mit den Museen erstellen

„Ein Nutzungskonzept müsste im Falle eines neuen politischen Beschlusses in Absprache mit dem Museum Burg Linn erstellt werden. Der Schwerpunkt hier läge aber sicherlich auf einer Depotfunktion“, erklärt Bauermeister. Ob ein solches Konzept umgesetzt wird, hängt letztendlich auch von dem notwendigen Finanzvolumen ab. „An den Gebäuden besteht ein – denkmalgerechter – Sanierungsbedarf. Städtische Mittel für eine Sanierung sind im aktuellen Haushalt allerdings angesichts des Verkaufsbeschlusses bisher nicht eingeplant“, sagt der Stadtsprecher.

Nachweisbar ist der Paschhof seit 1792. 1876 wurde er von Marianne Rhodius (1814-1902, Tochter von Johann Phillip de Greiff und Marianne de Greiff, geb. Ter Meer) gekauft. Die Erbin von Cornelius De Greiff lebte seit 1850 im sogenannten Jagdschloss in der Vorburg; die Lage des Hofes in unmittelbarer Nähe zu ihrem Wohnsitz war sicher ein Grund für den Erwerb durch Marianne Rhodius.

Nach dem Kauf ließ Marianne Rhodius den in Fachwerk erbauten Kuhstall durch einen massiven Neubau ersetzen. 1891 brannte der Paschhof und die südlich davon gelegene Hofanlage Margaretenstraße 41 ab, nur das Wohnhaus des Paschhofes, Albert-Steeger-Straße 29, blieb erhalten. Marianne Rhodius erwarb daraufhin auch die abgebrannte Hofanlage Margaretenstraße 41 und errichtete auf diesem Grundstück die Scheune, die heute zur Hofanlage gehört.

Am 6. August 1984 wurde der Paschhof unter der laufenden Nummer 5 in die Denkmalliste der Stadt Krefeld eingetragen. Eine Entscheidung mit Folgen, die vermutlich Bauherren abschreckt. Davon könnten die Museen in Linn jetzt profitieren.

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