Sparkasse in Krefeld: Das sagen Kunden und Mitarbeiter zum Filial-Aus

Schließungen : Sparkasse in Krefeld - Das sagen Kunden und Mitarbeiter zum Filial-Aus

Die Reaktionen auf die Schließungen mehrerer Sparkassen-Filialen in Krefeld und dem Kreis Viersen sind sehr unterschiedlich. Ein Ortsbesuch.

Es ist ein Thema, das alle möglichen Emotionen provoziert – irgendwo zwischen Wut und Verständnis. Vier Sparkassen-Filialen in Krefeld werden bis zu den Osterferien 2020 geschlossen: Forstwald, Kempener Feld, Marktstraße und Stahldorf. Insgesamt sind es 19 im Geschäftsgebiet. Das begründet der Vorstand mit einem Wandel im Kundenverhalten. Auf einen Filial-Besuch kämen heute 350 Online-Kontakte. Deshalb seien die genannten Standorte nicht mehr wirtschaftlich zu betreiben.

Mitarbeiter müssen Fragen der Kunden unbeantwortet lassen

Die Reaktionen kriegen am Freitag vor allem die mit, die täglich mit den Kunden des Hauses Kontakt haben. „Es ist ein Thema, das viele beschäftigt“, sagt eine Mitarbeiterin, die ihren Namen lieber nicht in der Zeitung lesen möchte. Es gebe noch ältere Menschen, die noch nie Bargeld am Automaten abgeholt haben. Auf eine Frage könne sie den Kunden leider am Freitag keine Antwort geben: Wird es am Standort noch eine Möglichkeit geben, Bargeld am Automaten abzuholen?

Das muss laut Sparkasse noch für jeden einzelnen Standort geklärt werden. Offen sei auch, wie es genau für die Angestellten weitergeht, so die Mitarbeiterin weiter. Angst um den Arbeitsplatz ist aber kein Thema. Eher im Gegenteil: „Neue Jobs gibt es viele, niemand wird entlassen“, sagt ein anderer Mitarbeiter. Betroffen sind laut Sparkasse 80 Angestellte. Sie können sich in neuen Bereichen oder anderen Filialen bewerben. Und was sagen die Kunden? Vor der Sparkasse an der Kempener Allee trifft man am Freitagvormittag vor dem langen Pfingstwochenende vor allem auf ältere Stammkunden. Die Filiale liegt direkt in einem Gebiet mit mehreren Wohnblöcken. Nebenan ragt ein Gebäude mit circa sieben Stockwerken in die Höhe.

„Für mich ist das eine Katastrophe“, sagt Marion Schmitz-Mohr. „Online-Baking“ sei für „ältere“ unbekanntes Terrain, so die 64-Jährige weiter. Sie würde auch nichts im Internet kaufen: „Wenn ich einkaufen gehe, habe ich das Geld in der Tasche.“ Trotzdem: Der Fortschritt lasse sich nicht aufhalten. „Dann muss ich eben zur Hülser Straße.“ Ähnlich betroffen ist Cecilia Krins. „Wir machen das immer noch mit Überweisungsträgern“, sagt sie. Sie fahre zur Bank, ihr Mann hefte die Belege ab - eine Angewohnheit, die über Jahre gewachsen ist. „Das“ seien auch die Finanzen für einen familiären Gartenlandschaftsbau-Betrieb. Mit den „Sparkassengängen“ trage die 68-Jährige ihren Teil zum Geschäft bei. Und die „Kundenbetreuung“ sei an der Kempener Allee immer „sehr gut“ gewesen.

Wie unterschiedlich das Thema aufgenommen wird, wird vor der Filiale in Forsthaus klar. „ich mache mittlerweile nur noch Online-Banking“, sagt der 18-jährige Maximilian Oedinger. Trotzdem könne er den Ärger anderer nachvollziehen. „Hier ist nichts mehr“, ist der Satz des jungen Mannes, der darauf hinweist, dass auch die Filiale einer Bank manchmal mehr sein kann, als nur ein Ort für finanzielle Dienstleistungen.

Wer in den Hochbendweg einbiegt, entdeckt neben einer Tankstelle, einer Pizzeria, einem kleinen Ärztehaus und einer Bushaltestelle nicht viel außer die gepflegten Vorgärten der Einfamilienhäuser. Wenn es an der Stelle auch keinen Geldautomaten mehr geben würde, wäre das ein weiterer Grund für Ulrike Stiewe, nach St. Tönis zu fahren. Poststelle und Supermarkt gebe es schließlich in dem Wohngebiet ebenfalls seit Jahren nicht mehr. „Das ist abartig, wir sind froh, dass hier noch ein Geschäft ist“, sagt eine weitere Anwohnerin, die deutlich aufgebrachter.

Weniger aufgeladen ist die Stimmung kurz vor der Mittagspause am Standort in Stahldorf. Eine Kundin erfährt erst vor Ort vom Aus für die Filiale, an der gleich zwei Einfallstraßen vorbeiführen. „Ich wäre natürlich enttäuscht, man bekommt hier Fragen immer freundlich und nett beantwortet.“ In der Filiale selbst herrscht Ruhe - der grau-braune Teppich und der typische - etwas muffige - Geruch älterer Bankhäuser - zeugen von den Geschäften der letzten Jahre. Das Gegenteil - in Sachen Erscheinungsbild und Kundenfrequenz - kann an der Marktstraße beobachtet werden. Innen empfängt einen modernes Sparkassen-Interieur: grau-weiß gesprenkelter Boden, der das Licht der in der Decke eingefassten Strahler spiegelt und eine helle Holzoptik. „Es gibt immer noch viele Filialen unter einem Kilometer Entfernung“, erklärt eine Mitarbeiterin einer Kundin gerade.

Nadine Berger fasst es gelassen auf, es sei nur Schade, dass die Sparkasse „um die Ecke“ dann weg sei.

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