Familie und Beruf: Soziale Verantwortung ist sexy

Familie und Beruf: Soziale Verantwortung ist sexy

Krefelder Unternehmen setzen im Kampf um die besten Köpfe auf flexible Angebote für ihre Mitarbeiter. Drei gute Beispiele.

Krefeld. Es klingt alles wenig amerikanisch, wenn von der Vereinbarkeit von Familie und Beruf die Rede ist. Dann fallen gern Begriffe wie „Generation Y“ oder „Work-Life-Balance“. Hört sich nach übertrieben hipper Lebenskultur an, ist es aber nicht. Wenig wird derzeit in deutschen Unternehmen so oft erkannt und im besten Falle sogar vorangetrieben, wie strukturelle, betriebliche Veränderungen, die sich an den Lebensumständen von Arbeitnehmern orientieren. Und so lautet auch die Kernbotschaft der noch wenigen Krefelder Vorzeigebetriebe in puncto Familienfreundlichkeit: Wer als Unternehmen sexy sein will, ermöglicht seinen Mitarbeitern, Familie und Beruf in Einklang zu bringen.

Foto: Reimann

In Krefeld will das neu gegründete „Netzwerk Wirtschaft & Familie“ ein Motor dieser Entwicklung sein. Dahinter steht zuvorderst die Wirtschaftsförderung, die anhand dreier Paradebeispiele zumindest schon mal zeigen kann, wie der Weg zum Prädikat „Sexy“ gepflastert sein muss. Bei der Sparkasse Krefeld, grad im Dezember von der Hertie-Stiftung ausgezeichnet mit dem Prädikat „audit berufundfamilie“, macht die Vorstandsvorsitzende Birgit Roos klar: „Das ist keine Marketing-Initiative. Wir leben im Kampf um die besten Köpfe davon, ein attraktiver Arbeitgeber zu sein. Dazu gehört, dass wir die Bedürfnisse unserer Mitarbeiter im Blick haben.“

Foto: Stadtwerke Krefeld

Das Thema

Familie und Beruf

Mit der Stiftung hat das Finanzinstitut konkrete Maßnahmen vereinbart, sich weiter zu verbessern. „Da gibt es natürlich noch Potenzial“, sagt Roos. „Und es ist ein echter Ansporn, uns weiterzuentwickeln.“ Dazu gehören zum Beispiel noch flexiblere Arbeitszeiten. Etwa die Frage, in welchen Bereichen auch Heimarbeit vorstellbar ist. Oder dass frühzeitig Gespräche mit Müttern geführt werden, die nach der Elternzeit zurückwollen an den Arbeitsplatz. „Auch unsere Führungskräfte müssen da entsprechend geschult sein. Das gehört zur modernen Personalentwicklung.“

Sabine Haberland-Hoffmann ist Gleichstellungsbeauftragte und Ausbildungsleiterin bei der Sparkasse Krefeld. Sie sagt: „Wir wollen und müssen uns positionieren als klassischer Ausbildungsbetrieb mit vielen Teilzeitmitarbeiterinnen. Wir haben einen Frauenanteil von 60 Prozent. Es soll auch interessant sein, mit 35 oder 40 noch mal eine neue Karriere bei der Sparkasse starten zu können. Dazu achten junge Leute zunehmend auf soziale Werte wie soziales Engagement. “

Thomas Jansen, SWK-Mitarbeiter, der das Eltern-Kind-Büro benutzt

Zu Ostern hat die Sparkasse mit den Stadtwerken eine gemeinsame Ferienbetreuung organisiert. An der St. Töniser-Straße haben sie vor drei Jahren damit begonnen, sich planvoll und strukturiert mit der Vereinbarkeit von Familie und Beruf auseinanderzusetzen. Herausgekommen ist unter anderem das SWK-Eltern-Kind-Büro mit Teddybär am Eingang. Drinnen sitzt Vater Thomas Jansen, seit der Ausbildung bei den Stadtwerken, mit der süßen Luisa. Die flitzt durch die liebevoll eingerichtete Kombination von Büro und Kinderzimmer, während Jansen, Telefonate führt und Mails beantwortet. „Klar, hochkomplexe Arbeit geht an einem solchen Tag nicht, aber das ist doch super so.“ In der Kita gab es einen Krankheitsfall, seine Frau und sogar die Schwiegereltern konnten nicht übernehmen.

SWK-Vorstand und -Arbeitsdirektorin Kerstin Abraham ist selbst Mutter und kann diese Situationen nachvollziehen. Und: „Wir wollen attraktiv und familienfreundlich sein, unsere Mitarbeiter auf besondere Art ans Unternehmen binden.“ Die Stadtwerke, die wie die Sparkasse mit dem Dienstleister pme-Familienservice kooperieren, bieten zusätzlich einen „Concierge-Service“. Der reicht vom Hemden- oder Blusen-Bügeldienst bis zur Annahme privater Pakete bei den SWK. Auf den letzten Drücker noch ein Geschenk besorgt bekommen? Auch kein Problem.

Die Alexianer Krefeld GmbH mit 2000 Mitarbeitern in der Region Krefeld hat die Hertie-Auszeichnung bereits zum dritten Mal durchlaufen. Seit 2009 sind die Alexianer zertifiziert und versuchen, sich jedes Mal weiterzuentwickeln. In den zahlreichen Bemühungen sieht denn auch Regionalgeschäftsführer Michael Wilke den direkten Mehrwert: „Qualifizierte Bewerber aus Medizin und Pflege suchen sich ihr Tätigkeitsfeld zunehmend mit Blick auf eine familiengerechte Infrastruktur aus. Die Liste der Projekte und Angebote ist mittlerweile ordentlich. Kinderbetreuungsmöglichkeiten gibt es in drei Kooperationskitas, Arbeitszeiten und -orte werden flexibel gehalten, es gibt sogar einen Back- und Buffetservice zum Mitnehmen. Etwa für zu pflegende Angehörige.

Auch eine Lebenssituation, in der sich immer mehr Arbeitnehmer wiederfinden.