Sommerakademie: „Indianer“ schlafen lieber auf harten Kissen

Sommerakademie: „Indianer“ schlafen lieber auf harten Kissen

Austausch: 25 amerikanische Studenten lernen in Krefeld deutsche Kultur und Sprache kennen. Bei einem Picknick auf Burg Linn berichten sie von Schlafproblemen und ersten Eindrücken.

Krefeld. "Die Deutschen sind freundlich, aber sehr leise", beschreibt der amerikanische Student Neat Thomas den deutschen Charakter. "Ich liebe die Deutschen, genauso sehr wie Krefeld", schwärmt der 18-Jährige von seiner derzeitigen Wahl-Heimat.

Er und 24 weitere Jugendliche aus dem US-amerikanischen Bundesstaat Indiana verbringen sechs Wochen in der Seidenstadt, um Land, Leute, die deutsche Sprache und Kultur kennen zu lernen.

Sie sind Teilnehmer der Sommerakademie "Honors Program in Foreign Languages", das jährlich amerikanischen Jugendlichen im Alter zwischen 16 und 18 Jahren die Möglichkeit gibt, fremde Kulturen hautnah zu erleben. Um in die Akademie aufgenommen zu werden, müssen die jungen Leute mehrere Sprachtests bewältigen.

Zwar findet die Sommerakademie - neben Krefeld - auch in verschiedenen Städten in Frankreich, Spanien und Mexiko statt. Für Lana Wingham (18) jedoch war sofort klar, wohin sie reisen würde: "Ich habe deutsche Vorfahren. Mein Großvater kommt aus Freiburg. Außerdem hat mich die deutsche Sprache und Kultur so sehr fasziniert, dass ich dieses Land unbedingt selbst kennen lernen wollte", sagt sie.

Ihre Faszination habe sich durch ihren Aufenthalt in Krefeld sogar noch gesteigert. Vor Ort hat es ihr vor allem der Stadtwald angetan.

Der 17-jährige Adrian Torres hatte zu Beginn seines Aufenthaltes, wie viele seiner Mitschüler auch, mit der fremden Sprache zu kämpfen. "Unsere Lehrer haben uns Englischverbot auferlegt. Es war sehr schwer, sich zu verständigen. Letztendlich bin ich froh, dass es das Verbot gibt. Deutsch kann ich nun viel flüssiger sprechen", berichtet der Jugendliche.

Froh ist auch sein Lehrer John Scott, der findet, dass sich die Sprachkenntnisse der Jugendlichen enorm verbessert haben. "Die Schüler wollen sogar nicht mehr Englisch sprechen", erzählt er. Mit drei weiteren Lehrern begleitet er die jungen Leute und unterrichtet sie täglich im Umgang mit Sprache und Kultur.

Die "Indianer" haben neben Krefeld auch noch in anderen deutschen Städten Station gemacht, darunter Berlin, Köln und Aachen. Aber am liebsten sind sie in Krefeld bei ihrer Gastfamilie. Hier werden sie noch bis zu ihrer Abreise am 16. Juli leben.

Ob sie denn gar nichts an ihrem Gastgeberland stört oder ihnen etwas besonderes aufgefallen ist? "Ich kann hier nicht schlafen, denn die Kopfkissen sind mir zu weich", sagt die 18-jährige Lana. Und Neat fügt hinzu: "Die Deutschen sind für mich nach wie vor zu leise. Aber dies dürfte kein Hindernis sein, Deutschland und vor allem das schöne Krefeld zu mögen."

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