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Soll der Krefelder Zoo ein neues Affenhaus bekommen?

Debatte um Wildtiere im Zoo : Soll der Krefelder Zoo ein neues Affenhaus bekommen?

Nach dem Feuer ist eine Diskussion entstanden, ob und wie Tiere artgerecht gehalten werden können - und ob es ein neues Affenhaus geben sollte.

In Krefeld bestimmen in diesen Tagen zwei Gruppen viele Gespräche. Da sind die Menschen, die trauern, weil in der Silvesternacht mehr als 50 Tiere bei einem Feuer im Zoo umgekommen sind. Sie sammeln Geld für ein neues Affenhaus, sie starten besondere Aktionen, bieten ihre Hilfe an, treffen sich vor dem Haupteingang des Zoos und versuchen, einander zu trösten. Zugleich gibt es eine Gruppe, die die Frage aufwirft, ob es heute noch richtig ist, dass Wildtiere in Zoogehegen leben.

Einer von ihnen ist Elmar te Neues. Der Unternehmer hat sich auf seiner privaten Facebook-Seite geäußert, ausdrücklich als Privatmann und nicht als Präsident der hiesigen Industrie- und Handelskammer. „Ich möchte anregen, darüber nachzudenken, was für Wildtiere artgerechte Haltung ist und wie diese aussehen könnte. Ich habe mir noch keine abschließende Meinung gebildet. Ich denke aufgrund dieses traurigen Anlasses darüber nach, ob artgerechte Haltung in Zoos möglich ist“, sagte te Neues im Gespräch mit unserer Redaktion. „In Nationalparks ist die Haltung der Wildtiere eine andere.“

Zu dem Beitrag gab es viele Kommentare, die zeigten, dass auch andere sich mit diesen Gedanken beschäftigen. „Ich habe die Reaktionen auf meinen Facebook-Post als sehr differenziert wahrgenommen: Für viele Menschen hat der Zoo eine emotionale Bedeutung, deshalb teilen Sie meinen Anstoß nicht, andere stellen sich ähnliche Fragen wie ich“, sagt te Neues.

Unsere Redaktion haben in den vergangenen Tagen viele E-Mails erreicht, in denen Menschen aus Krefeld und  anderen Städten die beschriebene Debatte fortsetzen. „Das Einsperren von Tieren zu Ausstellungszwecken ist ethisch nicht zu rechtfertigen. Deshalb sollte der Krefelder Zoo von einem Wiederaufbau des Affenhauses absehen“, schrieb beispielsweise Martin Schempp aus Euskirchen.

„Helfen würden den lebenden Affen Spenden an Hilfsprojekte in der Heimat der bedrohten Menschenaffen. Sie arbeiten unter unvorstellbaren Schwierigkeiten,  um Reservate und Auswilderungsstationen von gequälten Affen zu schaffen, um sie in ein natürliches Leben zu entlassen“, argumentierte Monika Jakob aus Krefeld.

Und Anke Hofmann aus Sasbach mailte folgenden Gedanken: „Was mich auch beeindruckt ist die Anteilnahme der Menschen für ihre Verwandten – die Menschenaffen. Ich verstehe emotional, dass der so nahe Anblick, wie er im Zoo gewährleistet werden kann, dieser faszinierenden, intelligenten Mitlebewesen auf unserem Planeten so sehr wünschenswert ist (als Kind hat mich das auch im Zoo fasziniert). Und gleichzeitig (!) ist das genau der Grund, weshalb wir das nicht mehr tun sollten ..., da auch (Menschen-)Affen (wie andere Tiere auch) fühlende Lebewesen sind.“

Die FDP-Fraktion im Stadtrat verwies bei der Frage eines neuen Affenhauses auf die Kosten: „Den Bau eines neuen Affenhauses mit Außenanlage wird die Zoo gGmbH nicht aus der Portokasse finanzieren können. Dies gilt auch für die Stadt, die im kommenden Jahrzehnt etliche Großbaumaßnahmen vor der Brust hat, ganz zu schweigen von der laufenden Instandhaltung des vorhandenen Anlagevermögens. Von vollmundigen Erklärungen, die nicht erfüllbare Erwartungen wecken könnten, kann nur dringend abgeraten werden“, hieß es am Montag in einer Pressemitteilung.