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Soldatengräber in Krefeld-Uerdingen verwittern weiter

Krefeld : Die Soldatengräber in Uerdingen verwittern weiter

Seit Jahren kritisiert eine Angehörige den Zustand der Kriegsgräber. Getan hat sich bisher fast nichts.

Irmgard Krill kann es nicht fassen. Seit Jahren macht sie sich dafür stark, dass die Kriegsgräber auf dem Friedhof in Uerdingen restauriert werden. Vor mehr als einem Jahr erklärte die Verwaltung, dass man sich kümmern wolle, der Aufwand aber „immens“ sei. Getan hat sich in der Zwischenzeit offenbar nicht viel. Die Inschriften seien immer noch nicht besser zu lesen.

 „Es ist beschämend und für mich unerträglich wie das Andenken an die Gefallenen vernachlässigt wird“, sagt Krill. Zwei Onkel, die die 72-Jährige nie kennengelernt hat, sind auf dem Friedhof in Krefeld begraben worden. Seit mehr als 30 Jahren lebt sie in Aschaffenburg. Bei regelmäßigen Besuchen kümmert sie sich immer wieder um die Gräber. Auch ihre Schwester und ihre Schwägerin machen das. Aber: Sie fühlen sich von den Verantwortlichen alleine gelassen.

Vom Bezirksvorsteher
gibt es keine Antwort

Schon im Herbst 2015 habe sich Krill an den Bezirksvorsteher in Uerdingen gewandt, da ihrer Ansicht nach die Grabsteine zunehmend verwilderten. Bis heute habe sie noch keine Antwort bekommen.

 Immer wieder meldet sie sich auch beim Volksbund für Kriegsgräberfürsorge in NRW. Wolfgang Held, Beauftragter des Vereins für den Bereich, kann den Ärger nachvollziehen. Seit zwei Jahren stehe er in Kontakt zur Friedhofsverwaltung. Und genauso lange warte er auf einen Termin für eine Ortsbegehung. Am Geld liegt es nicht, macht Held deutlich. Für die Innstandsetzung der Grabsteine entstünden der Stadt keine Kosten. Für anerkannte Kriegsgräber gebe es in solchen Fällen Mittel des Bundes. Dabei würde nach einer Begehung ein Sondermittel-Antrag an die Bezirksregierung Düsseldorf gehen. Der Maßstab: Die Beschriftungen der Grabsteine „müssen immer gut lesbar sein“, sagt Held. Aber um das Verfahren in Gang zu bringen, brauche es den gemeinsamen Ortstermin.

 Und was sagt die Verwaltung? In Teilen ähnelt die Antwort den Aussagen, die vor einem Jahr gemacht wurden. Arbeiten wie die „Reinigung der Grabsteine“ und das „Erneuern beziehungsweise Instandsetzen der Grabinschriften“ seien sehr aufwendig und mit dem vorhandenen Personal „auch unter optimalen Bedingungen nur schwer umzusetzen“, teilte ein Sprecher des Kommunalbetriebs mit, der sich mittlerweile um den Bereich kümmert.

 Die einzelnen Grabmale müssten zunächst erfasst und kartiert werden, fehlende oder unleserliche Angaben überprüft und ergänzt werden. Außerdem müsse ein Leistungsverzeichnis und eine Kostenschätzung erstellt werden. Es müsse festgelegt werden, welche handwerklichen Verfahren angewendet werden sollen. Dies erfordert oftmals Musterarbeiten, die fachlich begutachtet werden müssen. Erst dann könnten laut Auskunft des Sprechers die für die Instandsetzung erforderlichen Mittel bei der Bezirksregierung in Düsseldorf beantragt werden. „Schlussendlich muss ein solcher Auftrag dann wegen der erheblichen Gesamtkosten wohl noch europaweit ausgeschrieben werden“, teilte der Kommunalbetrieb weiter mit. Derzeit werde aber geprüft, ob und zu welchen Konditionen „eine externe Vergabe dieser Vorarbeiten möglich ist“.

Irmgard Krill wohnt seit mehr als 30 Jahren nicht mehr in Uerdingen. Trotzdem fühle sie sich immer noch zu Uerdingen hingezogen. Von der Verwaltung fühle sie sich aber bisher ignoriert. Noch mehr würde sie sich wohl auf ihre Besuche in der Heimat freuen, wenn ihre Bemühungen um die Soldatengräber in näherer Zukunft Wirkung zeigen würden.