Bilanz: Skurril, überraschend, gefährlich: Was der Krefelder Zoll 2017 alles aufspürte

Bilanz: Skurril, überraschend, gefährlich: Was der Krefelder Zoll 2017 alles aufspürte

Ob gefälschte Schuhe von Markenfirmen oder kiloweise Drogen und illegal eingeführter Tabak: Die Beamten bewiesen bei vielen Kontrollen ein gutes Näschen.

Krefeld. Gefälschte Schuhe, gefährliche Pillen oder illegal vertriebener Wasserpfeifentabak — die Liste an kuriosen Funden der Fahnder des Hauptzollamtes in Krefeld ist lang. Zollamtsmann und Pressesprecher Rainer Wanzke nahm die WZ mit in die Asservatenkammer in Fischeln und präsentierte die größten und ausgefallensten Funde aus dem Jahr 2017.

Foto: Zoll Krefeld

Die aktuellste Entdeckung der Behörde sind ganze 435 Kilogramm Wasserpfeifentabak ohne Steuerbanderolen. Der Tabak wird von Abnehmern illegal gekauft oder in Shishabars geraucht. Aber es gelten einige Vorschriften für den Kauf und Verkauf des Tabaks.

Zwei Beispiele: Der Tabak darf nicht zu sehr befeuchtet sein, denn dies kann der Gesundheit noch mehr schaden, als das Rauchen selbst. Außerdem darf das Produkt im Verkauf nur mit vollständiger Steuerbanderole angeboten werden. Diese ist für große Mengen an Tabak besonders günstig, daher bestellen manche Abnehmer große Mengen, teilen diese auf und verkaufen sie in kleine Portionen. Sobald die Banderole aber vor dem Verkauf der Ware durchbrochen wird, gilt dies als Ordnungswidrigkeit. „Der Tabak ist hoch besteuert, denn er unterliegt der Tabak- und Zollsteuer“, sagt Rainer Wanzke. Daher gehen manche Verkäufer auch eher das Risiko ein, die Waren illegal zu beziehen als Steuergebühren zu zahlen.

Ebenfalls auf den Preis geachtet hat offensichtlich der Abnehmer einer nachgemachten Gibson-Les-Paul-E-Gitarre. Im Original kostet sie ab 4000 Euro, in diesem Fall, der dem Zoll auffiel, wurde sie für unter 200 Euro aus einem Drittland im Internet bestellt. Das Produkt wurde vor ungefähr einem halben Jahr im Postverkehr in Mönchengladbach entdeckt.

Der Käufer versicherte laut Simone Jaegers, nichts von der Fälschung gewusst zu haben. Die Zollsekretärin weist jedoch darauf hin, dass Käufer bei solch einem Preis misstrauisch werden müssten und man davon ausgehen könne, dass es sich um ein Imitat handelt. Mit der Gitarre hat der Zoll in diesem Fall nicht nur eine Fälschung vom Markt geholt, sondern er kann sie auch für interne Schulungszwecke nutzen.

Von einer Fälschung muss auch in einem weiteren Fall ausgegangen werden. Es handelt sich um aus China eingeführte angebliche Nike-Schuhe mit hauchdünnem Absatz. Ein eindeutiger Hinweis auf die Fälschung dieser Schuhe: Die amerikanische Firma stellt ausschließlich Sneaker her, da haben Stiefel, Absätze oder ähnliches nichts verloren. Die Verarbeitung der Schuhe lässt zudem auch zu wünschen übrig. Produkte dieser Art werden vom Zoll in einer Müllverbrennungsanlage vernichtet.

Die Kontrolleinheit Verkehrswege (KEV) Kaldenkirchen gehört zum Hauptzollamt Krefeld. An der niederländischen Grenze hat diese Einheit im September einen türkischen Lastwagen angehalten und kontrolliert. Dabei fanden die Fahnder 18 Kilogramm Heroin/Morphin, die in fünf Feuerlöschern versteckt waren.

Eine international tätige Bande wird sich vor Gericht wegen Drogenschmuggels rechtfertigen müssen. Bei Durchsuchungen der Verdächtigen wurden außerdem Hinweise auf ein Hawala—System (geheimer, günstiger aber illegaler Geldtransfer) gefunden.

Ebenfalls von der KEV Kaldenkirchen entdeckt, kamen mehr als zwei Millionen Schmuggelzigaretten im November ans Tageslicht. Kurz vor der niederländischen Grenze wurde ein Lkw aus Estland mit Hilfe von Röntgentechnik überprüft. In mehr als 200 Kartons wurde die versteckte Ware entdeckt. Der Schaden durch Steuerhinterziehung beläuft sich auf rund 300 000 Euro. Als Tarnladung für die Ware dienten Holzpaletten und Pflanzcontainer.

Rosa, blau, weiß und viele weitere Farben kann man in dem rund drei Kilogramm schweren Pillenbeutel finden, der sich ebenfalls in der Asservatenkammer des Zolls befindet. Unter anderem künstliche Viagra- und Schmerztabletten sind darin. Die ganzen Medikamente wurden meist aus asiatischen Ländern bestellt. Es besteht jedoch ein grundsätzliches Einfuhrverbot von Medikamenten durch Privatpersonen. Da solche nachgearbeiteten Pillen gesundheitlich bedenklich sein können, werden sie ebenfalls vom Zoll vernichtet.

Krefelder Fahnder entdeckten mit Hilfe von Zollhund Blanca im März rund 25 Kilogramm Haschisch im Wagen eines 46-jährigen Mannes. Blanca fand dank ihres Spürsinns die hinter der Seitenverkleidung versteckten Drogen. Das Haschisch hätte im Straßenverkauf in Deutschland nach Zollangaben um die 250 000 Euro eingebracht. „Mit den portionierten Konsumeinheiten hätten alle Bürger einer Kleinstadt einen Tag mit diesen Drogen versorgt werden können“, rechnet Pressesprecher Rainer Wanzke vor.