Wirtschaft: Siempelkamp will Pallmann bis März übernehmen

Wirtschaft: Siempelkamp will Pallmann bis März übernehmen

Unangenehme Fragen werden schlicht nicht beantwortet oder mit Verweis auf zurückliegende Pressekonferenzen abgetan. In der Westpfalz sind sie sauer auf den Siempelkamp-Geschäftsführer.

Krefeld. Siempelkamp bleibt seiner Linie treu. Unangenehme Fragen werden schlicht nicht beantwortet oder mit Verweis auf zurückliegende Pressekonferenzen abgetan. Auch im Falle der Übernahme des Zerkleinerungsspezialisten Pallmann gibt es mehr Fragen als Antworten, insbesondere vor Ort in Zweibrücken, wo die Unruhe im Unternehmen groß ist.

Geschäftsführer Hans Fechner ist für die Presse in Rheinland-Pfalz nicht zu erreichen, die Kollegen stehen in Kontakt mit der WZ. Demnach will Siempelkamp, das am eigenen Standort in Inrath unverändert den Tarifausstieg prüft und 2017 keine Azubis mehr einstellen will, bei Pallmann Nägel mit Köpfen machen. Bis März soll die Übernahme zu 100 Prozent abgewickelt sein.

In der Westpfalz sind sie sauer auf Fechner. Der hatte im fernen Krefeld in der Bezirksvertretung Nord von einer Übernahme geplaudert, die sich nur auf Pallman beziehen konnte. Die Belegschaft von Pallmann erfuhr davon über Umwege aus der WZ, wenig später bestätigte Siempelkamp die Kaufabsicht zum 1. Januar 2017 gegenüber unserer Zeitung.

Der nächste Nackenschlag für das Traditionsunternehmen aus der kleinsten kreisfreien Stadt Deutschlands. Einst Weltmarktführer, der Abschwung begann mit dem Generationenwechsel in der Gründerfamilie (siehe Kasten). Dabei war Siempelkamp noch vor vier Jahren als Retter gefeiert worden und stopft seit geraumer Zeit finanzielle Löcher bei Pallmann. Im Gegenzug gibt es mehr Anteile. Zwischenzeitlich sprach die örtliche IG Metall von einer feindlichen Übernahme. Und auch Pallmann-Betriebsrat Klaus Patsch, der Siempelkamp immerhin auch als verlässlichen Partner bezeichnete, sagte bereits im Mai dem Pfälzischen Merkur: „Nun ja, nach einer freundlichen Übernahme sieht es jedenfalls nicht aus.“

Seinerzeit hatte Siempelkamp seine Anteile gerade von 25 auf 45 Prozent erhöht, bis März 2017 soll die Komplettübernahme offensichtlich eingetütet sein. Im Mai sprach Patsch von 70 Mitarbeitern, denen die Kündigung drohe. Fechner, längst auch in der Geschäftsführung bei Pallmann tätig, hatte damals mitgeteilt, dass für ihn zwei Dinge zählten: die Zahl der Mitarbeiter bei Pallmann zum 31. Dezember 2015 und zum 31. Dezember 2016.

Heute gibt sich Ralf Cavelius, Geschäftsführer der IG Metall Homburg-Saarpfalz, schon wesentlich optimistischer. Man habe mit Fechner und Stefan Ziemes, in Krefeld Geschäftsführer der Siempelkamp-Maschinenfabrik, ein Maßnahmenpaket ausgehandelt. Einzelheiten will Cavelius nicht verraten, weil das Paket am 5. Dezember erst noch bei einer Mitgliederversammlung verabschiedet werden muss. Er sagt aber schon mal soviel: „Es ist ein Kompromiss. Wenn das so durchgeht, sehe ich die Gefahr eines Stellenabbaus gebannt.“

Dafür spreche zudem die Tatsache, dass die Arbeitszeit in Zweibrücken ab Anfang 2017 wieder erhöht wird. Zuletzt fuhren die Mitarbeiter 32-Stunden-Wochen. „Das erste Mal seit fünf oder sechs Jahren ist die Auftragslage in einem ersten Quartal ganz gut.“

Die Entwicklung in Zweibrücken wird auch in Krefeld aufmerksam verfolgt. Wenngleich, vielleicht aber auch gerade, weil es am Stammsitz eigene gravierende Probleme gibt. Deutschlandweit werden derzeit 350 Stellen abgebaut, viele davon in Krefeld, der Prozess soll bald abgeschlossen sein, die Unruhe bleibt. Die IG Metall Krefeld verzeichnet im Herbst 2016 Rekordzugänge, die Belegschaft hofft auf gewerkschaftliche Hilfe. Fechner hatte erst kürzlich bei einer Betriebsversammlung verkündet, die Ausbildung aussetzen zu wollen und, nachdem er im Juni mit einem Antrag auf Tarifabweichung gescheitert war, den Ausstieg aus dem Flächentarif. Eine Entscheidung wird Anfang des Jahres erwartet, die IG Metall um Geschäftsführer Ralf Claessen wirbt für einen möglichst hohen Organisationsgrad. „Dann werden wir einen ordentlichen Haustarif abschließen können.“

In besagter Bezirksvertretung, in der Fechner die Pallmann-Übernahme andeutete, ging es eigentlich um die Informationspolitik Siempelkamps gegenüber der Bevölkerung bei Störfällen, wie sie in einem so großen Industriebetrieb vorkommen. Zuletzt bei einem Feuer im August. Eine weitere Baustelle. Die bald größer werden könnte. 2021 gibt die Gruppe den Standort Mülheim auf. Siempelkamp besitzt ein angrenzendes Gelände, das bereits umgewidmet wurde und als Erweiterung des Industriestandorts im Inrath dienen soll.